Trauen Sie sich, Herr Fischer! Kevin Behrens gehört in die Startelf

Der 1. FC Union Berlin startet in die Restsaison. Nils Malzahn, Lead-Redakteur Sport der Berliner Zeitung, fordert eine vermeintlich unpopuläre Entscheidung.

Kevin Behrens (l.) saß in der Hinrunde beim 1. FC Union Berlin meist auf der Bank, überzeugte dann aber stets als Joker.
Kevin Behrens (l.) saß in der Hinrunde beim 1. FC Union Berlin meist auf der Bank, überzeugte dann aber stets als Joker.imago

Er versprüht meist den Charme einer Abrissbirne, wenn die Schlussphase anbricht. Wenn es darum geht, dass noch ein Tor gebraucht wird oder einfach nur jemand, der dem Gegner schon in vorderster Linie wehtut, dann schlägt die Stunde von Kevin Behrens

Der 31-Jährige wird von Trainer Urs Fischer meist erst dann auf den Platz geschickt, wenn sich Mit- und Gegenspieler schon die Hacken blutig gelaufen haben. Dann tut seine Wucht jedem Verteidiger doppelt weh. Fischer setzt IMMER auf die Sturmkante. Kevin Behrens kam in jeder der 15 Partien der laufenden Bundesliga-Saison zum Einsatz. Allerdings nur dreimal von Beginn an.

Zeit, dass sich das ändert!

In den Testspielen zuletzt gegen St. Pauli (3:2), Augsburg (4:1) und Zilina (3:1) stellte der gebürtige Bremer seinen Torriecher unter Beweis und ackerte, was das Zeug hielt. Behrens verkörpert genau die Eigenschaften, über die sich Union Berlin seit etlichen Jahren definiert. Sein Durchhaltewillen, so scheint es, steigt permanent ins Unermessliche. Laufen, rackern, rumwühlen. Der Ex-Sandhäuser ist kein fußballerischer Feingeist, aber das ist auch überhaupt nicht wichtig.

„Ich habe die Qual der Wahl“, sagt Urs Fischer auf Nachfrage der Berliner Zeitung zu seinen Optionen in der Sturmspitze für das Spiel am Sonnabend (15.30 Uhr) gegen die TSG Hoffenheim. Sheraldo Becker ist gesetzt, keine Diskussion. Bleiben für die Position des klassischen Stoßstürmers noch Jordan Siebatcheu, zweitteuerster Neuzugang der Vereinsgeschichte, und eben Behrens.

Der Königstransfer des vergangenen Sommers startete kometenhaft in die Saison, meldete sich am ersten Spieltag direkt mit einem Tor im Derby gegen Hertha BSC (3:1) an. Fans und Fachleute schwärmten. Zum Ende ging Jordan aber ziemlich die Puste aus, auch im Trainingslager im spanischen Campoamor wirkte er nicht voll auf der Höhe. Fischer setzte schon in den abschließenden beiden Partien 2022 gegen Augsburg (2:2) und in Freiburg (1:4) von Beginn an auf Behrens. Ein Fingerzeig?

Kevin Behrens (r., hier mit Levin Öztunali) traf u.a. im Test gegen Zweitligist FC St. Pauli.
Kevin Behrens (r., hier mit Levin Öztunali) traf u.a. im Test gegen Zweitligist FC St. Pauli.imago

Seinerzeit konnte man noch vermuten, dass der Trainer dies auch aufgrund der fast erdrückenden Belastung aus drei Wettbewerben tat. Doch spätestens im Trainingslager der Eisernen verfestigte sich durch sein gesamtes Auftreten der Eindruck, dass Behrens an seine dauerhafte Chance in der ersten Elf glaubt. Sollte Fischer ihm die tatsächlich nicht nur kurzfristig geben, dürfte das zumindest auch ein kleines bisschen jeden unterklassigen Fußballer freuen.

Man muss nicht das größte Talent mitbringen und Füße wie Lionel Messi haben, um sich auf höchster Ebene durchzusetzen. Herzblut, Leidenschaft und Ausstrahlung sind mindestens genauso viel wert. Kevin Behrens hat die Ochsentour aus der Regionalliga in die Bundesliga durchgemacht. Stichwort: Durchhaltewillen. Belohnen Sie das, Herr Fischer!