Union-Trainer Urs Fischer in der Klemme: Ein Luxusproblem und ein Problemfall

Ausschweifend feiern kann Union Berlin den Sieg gegen Hoffenheim nicht. Mittwoch steht in Bremen das nächste Spiel an. Urs Fischer ist als Problemlöser gefragt.

Jordan Siebatcheu sucht weiter seine Topform aus der Frühphase der Saison. Gegen Hoffenheim vergab er einen Handelfmeter.
Jordan Siebatcheu sucht weiter seine Topform aus der Frühphase der Saison. Gegen Hoffenheim vergab er einen Handelfmeter.AP

Danilho Doekhi hatte ein zufriedenes Lächeln im Gesicht, als er sich den zahlreichen Fragen der Medienvertreter in der Mixed Zone stellte. Er erzählte vom großartigen Teamgeist, den gefährlichen Ecken von Christopher Trimmel und dem guten Gefühl, mit dem der 1. FC Union Berlin nun in die erste Englische Woche des neuen Jahres starten könne.

Der Niederländer hatte allen Grund dazu, entspannt zu sein. Die Last des Rückstands in der vorletzten Partie der Hinrunde gegen die TSG Hoffenheim war von ihm und seinen Mitspielern abgefallen, als er gut eine Viertelstunde vor Schluss den erlösenden Ausgleich erzielte. Eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit hatte er das Stadion an der Alten Försterei dann endgültig zum Überkochen gebracht. Erneut köpfte er einen Eckstoß von Kapitän Christopher Trimmel ins Netz. Spiel gedreht, Spiel gewonnen.

Das Tor zum 3:1-Endstand von Jamie Leweling war angesichts des Doekhi-Doppelpacks nur noch eine Randnotiz und ging im allgemeinen Freudentaumel nach Abpfiff fast ein wenig unter.

Jubelpose! Danilho Doekhi war gegen Hoffenheim Unions gefeierter Matchwinner.
Jubelpose! Danilho Doekhi war gegen Hoffenheim Unions gefeierter Matchwinner.Imago

Die zwei Tore von Doehki, der sich schon im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach im Oktober mit einem ganz späten Treffer zum Matchwinner aufgeschwungen hatte, überstrahlten am Sonnabend rund um das Stadion An der Alten Försterei alles und können trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass Trainer Urs Fischer sich vor dem Spiel bei Werder Bremen (Mittwoch, 20.30 Uhr) mit zwei Problemen auseinandersetzen muss, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das Luxusproblem: In der Abwehr sind alle Spieler nah beieinander

Der 56-jährige Schweizer hatte sich vor der Partie gegen Hoffenheim wie immer nicht in die Karten schauen lassen, wer in der Dreier-Abwehrkette an der Seite von Robin Knoche verteidigen würde. Neben Doekhi entschied er sich für Paul Jaeckel und gegen Timo Baumgartl, der die Begegnung mit den Kraichgauern nur von der Bank aus verfolgte.

Jaeckel machte seine Sache ordentlich. Beim Gegentor durch den pfeilschnellen Ihlas Bebou kam er zwar eineinhalb Schritte zu spät, die Fehlerkette, die zum Pausenrückstand führte, begann allerdings schon viel früher im Mittelfeld, als kein Spieler der Gastgeber im Zweikampf einen richtigen Zugriff bekam. Nach dem Seitenwechsel steigerte sich der ehemalige Fürther, agierte mehr als solide in den Zweikämpfen und lieferte Fischer wenige Argumente, ihn in Bremen nicht für die Startaufstellung zu nominieren.

Beim Gastspiel an der Weser drängt nun aber der Portugiese Diogo Leite in die erste Elf zurück. Nach seiner Roten Karte im Spiel gegen Freiburg vor der WM-Pause fehlte er am Sonnabend gesperrt. Bis dahin war er unter Fischer immer gesetzt. Äußerst wertvoll ist er für Union schon allein aufgrund der Tatsache, dass er Linksfuß ist. Diogo Leite bietet in der Spieleröffnung noch einmal andere Vorzüge im Vergleich zu Jaeckel und Baumgartl.

Fischer sprach schon auf der Pressekonferenz nach dem Hoffenheim-Spiel von einer „ganz engen“ Entscheidung. Die Eindrücke der gesamten Winter-Vorbereitung, gepaart mit ausführlichen Analysen und Gesprächen mit seinen beiden Co-Trainern Markus Hoffmann und Sebastian Bönig hätten den Ausschlag pro Jaeckel gegeben. Mehr als spannend, wie das Urteil des Trios in Bezug auf das Spiel beim Aufsteiger ausfällt, der wenige Stunden nach dem furiosen Sieg der Köpenicker mit 1:7 beim 1. FC Köln unter die Räder kam. Kaum vorstellbar aber, dass Diogo Leite zunächst auf der Bank Platz nehmen muss.

Paul Jaeckel zeigte gegen Hoffenheim eine solide Leistung. Darf er auch in Bremen von Beginn an ran?
Paul Jaeckel zeigte gegen Hoffenheim eine solide Leistung. Darf er auch in Bremen von Beginn an ran?Mathias Koch

Der Problemfall: Jordan Siebatcheu im Leistungstief

Das gilt mittlerweile nicht mehr für Jordan Siebatcheu. Was schien alles so leicht vergangenen Sommer, als der Stürmer gleich in seinem ersten Pflichtspiel für Union beim Pokalerfolg in Chemnitz (2:1 n.V.) traf, eine Woche später mit seinem Treffer den Derbysieg gegen Hertha BSC (3:1) auf den Weg brachte und auch RB Leipzig im nächsten Heimspiel (2:1) das Fürchten lehrte.

Für sechs Millionen Euro kam der Stürmer aus Bern, war frisch gebackener Torschützenkönig der Schweizer Super League. Und: von Urs Fischer auserwählt worden, den in die Premier League abgewanderten Taiwo Awoniyi zu ersetzen. Was zunächst aufzugehen schien, hat sich mittlerweile gedreht: Im Herbst fiel Siebatcheu in ein Leistungsloch, aus dem er bis heute nicht herausgekrabbelt ist. Gegen Hoffenheim schenkte ihm Fischer in vorderster Front erneut das Vertrauen.

Spätestens in der 25. Minute hätte der US-Amerikaner all die Last, all das Zählen seiner Minuten ohne Tor abschütteln können, als er gegen Oliver Baumann zum Elfmeter antrat. Der linke Pfosten stand einem Erfolgserlebnis im Weg. Schon in Köln hatte er im September einen Strafstoß verschossen.

„Er muss das verarbeiten. Am Freitag haben wir noch Strafstöße trainiert, da hat er alle kaltblütig verwandelt, aber das Abschlusstraining ist eben nicht mit dem Spiel zu vergleichen“, sagte Fischer über seinen Stürmer. Er steht gemeinsam mit seinen Assistenten vor der schwierigen Aufgabe, den Königstransfer wieder in die Spur zu bringen. Setzt er ihn auf die Bank, dürfte Jordan weiteres Selbstvertrauen verlieren. Und auch wenn das kein Trainer der Welt öffentlich zugeben würde: Einen millionenschweren Neuzugang nimmt man weniger leicht aus der Startelf als andere Spieler.

Andererseits macht das Leistungsprinzip auch um Berlin-Köpenick keinen großen Bogen. Deshalb steht Urs Fischer in Bremen und sicher auch im fiebrigen Stadtderby bei Hertha BSC am Sonnabend (15.30 Uhr) auf zwei Positionen vor der Qual der Wahl. Wobei die Betonung nur in einem der beiden Fälle auf Wahl liegt.