Berlin-Köpenick - Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd’. Das ist das Motto, unter dem die Eisernen am Sonntag um 18 Uhr in Bielefeld antreten werden. Und aus der Sicht des 1. FC Union wäre ja schon eine Punkteteilung bei den Ostwestfalen eine Art Sündenfall. Denn erstens sind die Gastgeber das schwächste Team der Rückrunde mit nur einem Zähler aus fünf Partien. Und zweitens haben die Köpenicker ihrerseits in der Rückrunde noch eine Schippe draufzusetzen. Sie haben ja auch nur sechs Punkte aus ihren sechs Partien zu verbuchen gehabt. Wovon die insgesamt starken 34 Zähler ablenken.

Höchster Sieg in der Bundesliga-Geschichte

Zeit also, das alles ein wenig aufzupolieren. Im Hinspiel hatte Union mit 5:0 gegen die Arminia den höchsten Sieg in seiner noch so jungen Bundesliga-Geschichte eingefahren. Eine solche Gala wird es diesmal eher nicht geben. Auch wenn sich Trainer Urs Fischer natürlich einen vergleichbaren Blitzstart wünschen würde. „So einfach werden sie es uns nicht mehr machen“, meint der 55-Jährige. Zumal der Trainerwechsel von Uwe Neuhaus zu Frank Kramer beim Gegner sicher zu einigen Veränderungen führen wird. „Wir wissen nicht genau, was uns erwartet. Es ist nicht ganz so einfach, gegen so einen Gegner.“

Neue Trainer haben eben auch immer neue Ideen. Dementsprechend sind sämtliche Analysen des Gegners mit einer Portion Ungewissheit versehen. „Sie kamen ja sonst immer mehr über den Ballbesitz. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er das ein bisschen ändert, tiefer stehen wird und es über den zweiten Ball und mit Umschaltspiel versuchen lässt. Das müssen wir im Kopf haben und entsprechend vorbereitet sein“, so der Schweizer Fußballlehrer.  

Was bei Union hingegen erwartbar ist, ist die Rolle rückwärts im Tor. Loris Karius muss nach zuletzt drei Spielen in Folge und nur einem Gegentor zurück auf die Bank. Stammkeeper Andreas Luthe soll auf der Alm wieder im Kasten stehen. „Andi konnte im Training alles machen. Von daher steht nichts im Wege, ins Tor zurückzukommen. Noch müssen wir das  Abschlusstraining abwarten, aber er konnte alle Einheiten absolvieren und hat einen guten Eindruck gemacht“, legte Fischer sich fest.

Keine leichte Entscheidung, aber eine, die ihm logisch erscheint. „Loris hat es gut gemacht hat, aber er hat profitiert von den Umständen. Weil Andi einen Krankheitsfall in der Familie hatte. Das muss man dann schon auch sehen“, ließ Unions Trainer eindeutig verlauten.

Fischer wird auf Bülter setzen

Ist auf dieser Position alles klar, hielt er sich bei anderen Personalien branchenüblich bedeckt. Wer die Rolle des verletzen Christopher Lenz übernehmen soll, ließ Fischer offen. Auch wenn er mit dem Hinweis auf das letzte Spiel gegen Hoffenheim (1:1) einen Fingerzeig gab. Dort hatte er Marius Bülter und eben nicht Julian Ryerson zur Pause eingewechselt, also die offensivere Herangehensweise favorisiert. Ein Rezept, mit dem auch auf der Alm der Sündenfall vermieden werden soll. „Ich glaube schon,  dass du versuchen musst, Druck zu machen. Wir müssen Lösungen in der Vorwärtsbewegung finden“, so Fischer.

Daran hatte es zuletzt ein wenig gemangelt. Erzielte Union in der Hinrunde noch 1,88 Tore pro Spiel, sank der Wert im zweiten Saisonabschnitt auf 0,66 Treffer pro Partie. Ein Punkt, der auch Unions Chefcoach nicht verborgen geblieben ist. Allerdings verspricht er sich Abhilfe davon, dass seine Rückkehrer im Angriff wie Max Kruse oder Joel Pohjanpalo nun über mehr Spielpraxis verfügen. „Joel kommt langsam in die Dynamik. Auch Musa gewöhnt sich immer besser an uns. Dann fangen die Abläufe besser an zu funktionieren, die noch nicht ganz so weit waren“, sagt Fischer. „Und Max hat sein erstes Spiel gemacht, auch wenn ihm natürlich noch Minuten fehlen.“