Berlin - Urs Fischer, der Trainer, und Christopher Trimmel, der Kapitän, sind in ihrer Funktion als Öffentlichkeitsarbeiter des 1. FC Union Berlin eine Klasse für sich. Das hat sich auch am Donnerstagabend nach dem 1:3 (o:1) der Eisernen bei Slavia Prag wieder gezeigt. Getrennt voneinander befragt, standen der Schweizer und der Österreicher nach dem ersten Spiel in der Gruppenphase der Conference League Rede und Antwort, gaben dabei nicht nur irgendein Blabla, sondern durchaus Bemerkenswertes von sich. 

So machte Fischer aus seiner Verwunderung über die Frage, ob nach der Niederlage nun das Fortkommen ins Achtelfinale in Gefahr sei, keinen Hehl, entgegnete dem Reporter mit ungläubigem Blick: „Das finde ich überraschend. Wir haben nur ein Spiel verloren, noch sind fünf zu spielen. Es ist noch alles drin. Es sind genügend Spiele, um das zu drehen.“

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Für Edition Nr. 4 konnten wir Urs Fischer zum Interview in der Schweizerischen Botschaft treffen. Der Erfolgscoach des 1. FC Union Berlin erklärt, woran er sich in Berlin erst mal gewöhnen musste und womit er noch immer zu kämpfen hat. Außerdem verrät die Schauspielerin Jasmin Tabatabai, warum sie sich für die Eisernen begeistert. Und wir waren auf Spurensuche in Eisenhüttenstadt, wo sich der Abwehrmann Paul Jaeckel als Kind das Rüstzeug für eine Profikarriere geholt hat.

Trimmel wiederum gab sofort zu verstehen, dass die Niederlage und der hohe Kraftaufwand, der nach der Gelb-Roten Karte gegen Paul Jaeckel in der 39. Minute betrieben werden musste, im Hinblick auf das Ligaspiel am Sonntag bei Borussia Dortmund (17.30 Uhr) keine Spuren hinterlassen werde, weder psychisch noch physisch.  „Die Art und Weise war in Ordnung. So kann man mal verlieren“, sagte der 34-Jährige: „Daher werden wir mit dem Kopf weniger Probleme haben.“ Und das mit den englischen Wochen? Auch das ließe sich handhaben, das Team wäre darauf gut vorbereitet, während der Woche und am Wochenende zu spielen. Kurzum: „Wir gehen trotzdem mit einem positiven Gefühl weiter.“

Eine Niederlage ist eben nicht gleich eine Niederlage. Was sich auch an der Reaktion der 3000 mitgereisten Union-Fans unmittelbar nach der Partie ablesen ließ. Minutenlang feierten sie die Profis, die staunend in der Kurve die Ovationen entgegennahmen. Das war nicht nur ein Dankeschön, nein, das war eine lautstarke Form der höchsten Anerkennung und in Anlehnung an den Slogan, der vom kommenden Gegner in der Bundesliga seit vielen Jahren als Claim verwendet wird: echte Liebe.

Allerlei Alternativen für die Offensive

Nach einer fehlerreichen ersten Hälfte hatten die Eisernen im zweiten Spielabschnitt tatsächlich einmal mehr ihre außerordentliche Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt, waren zum Ausgleich durch Kevin Behrens (70.) gekommen und wollten dann vielleicht einen Tick zu viel, um nicht doch noch den Punkt aus der Hand zu geben. Ein „bisschen Lehrgeld“ habe man bezahlen müssen, räumte Fischer ein, wendete aber auch dies ins Positive: „Aus einer Niederlage etwas mitzunehmen, gehört auch dazu.“

Nach der facettenreichen Partie gegen eine spielstarke, aber zwischenzeitlich doch schwer beeindruckte Slavia-Mannschaft gibt es zum Beispiel die Gewissheit, dass Union insbesondere für die Offensive neben Max Kruse und Taiwo Awoniyi noch allerlei Klasse im Kader hat. Die eingewechselten Behrens, Andreas Voglsammer und Sheraldo Becker legten Fischer mit ihren Leistungen jedenfalls nahe, dass er sie in den kommenden Wochen womöglich nicht erst nach einer Stunde ins Spiel bringt. Becker ist schon für das Gastspiel im Westfalenstadion ein Kandidat für die Startelf.