Mainz - Urs Fischer, Trainer des 1. FC Union, setzte in der Schlussphase der Auswärtspartie beim FSV Mainz noch einmal alles auf eine Karte. Der Schweizer Fußballlehrer brachte in der 73. Minute zeitgleich Joel Pohjanpalo und Winterzugang Petar Musa, acht Minuten später auch noch Keita Endo. Alles Angreifer, in der Hoffnung, dass seinem Team der Unterzahlsituation zum Trotz zumindest noch der Ausgleich gelingt. Doch die mutigen Personalwechsel zeigten keine Wirkung mehr: Nach einem letztlich doch eher schwachen Aufritt gingen die Köpenicker zum fünften Mal in dieser Saison als Verlierer vom Platz. 0:1 hieß aus Sicht der Fischer-Elf nach 93 Minuten Fußballkampf.

„Wir hatten sehr wenig zweite Bälle“, analysierte Kapitän Christopher Trimmel. Und: „In der zweiten Hälfte war es ein bisschen besser. Aber nach dem Platzverweis war es natürlich schwierig. Aber solche Tage gibt es nun mal.“

Das Duell zwischen den im doch eher misslungenen Fassenacht-Trikot aufgelaufenen Gastgebern und den in schlichtem Dunkelblau gekleideten Eisernen war wirklich nicht schön anzusehen, aber zumindest sehr, sehr intensiv. Es wurde gerannt, gegrätscht, getreten, erstaunlich oft geköpft und leider zu wenig Fußball gespielt. Dass darunter der eine oder andere, eher technisch begabte Akteur zu leiden hatte, war offensichtlich. Unions Marcus Ingvartsen beispielsweise versuchte sich wiederholt vergeblich an einer spielerischen Lösung, musste dann aber immer wieder mit ansehen, wie die Zerstörer  dazwischenfunkten. 

Trimmel wieder für Ryerson im Team

Ähnlich erging es Christian Gentner, der gar nicht ins Passen kam, der in seiner Zone immer wieder in harte Zweikämpfe verwickelt wurde und aus diesen doch allzu oft als zweiter Sieger hervorging. Und da auch Robert Andrich mit seiner Aggressivität nicht die gewohnte Wirkung erzielte, waren die Unioner zunächst nach einer ausgeglichenen Anfangsphase mehr als ihnen lieb sein konnte mit dem Verteidigen beschäftigt. 

Dass sie das können, haben sie in dieser Saison hinlänglich bewiesen. Sie lassen grundsätzlich nur wenig zu, helfen sich gegenseitig, wenn der eine etwas zugelassen hat. Christopher Trimmel (nach Gelbsperre zurück im Team), Marvin Friedrich, Robin Knoche und Christopher Lenz, der allerdings wie schon beim 1:1 gegen Mönchengladbach durch Niko Gießelmann ersetzt werden musste, bilden im Miteinander fraglos eine der besten Abwehrreihen der Liga. Bei Nico Schlotterbecks Einsatz gegen Karim Onisiwo, der zuvor Knoche überspielt hatte, konnten aber die anderen nichts mehr korrigieren.

Schlotterbeck war in der 22. Minute gegen den Mainzer Angreifer viel zu spät gekommen, trat diesem tollpatschig auf den Fuß, sodass sich Schiedsrichter Sascha Stegemann zum Pfiff veranlasst sah. Schlotterbecks Widerrede, Onisiwo hätte sich doch zuvor schon vom Ball getrennt, war zwecklos. Moussa Niakhaté schnappte sich den Ball, trippelte à la Lewandowski beim Anlauf zum Strafstoß, brachte schließlich den Ball mit Wucht via Innenpfosten ins Netz. Keeper Andreas Luthe war chancenlos. 

Schlotterbeck sieht Gelb-Rot

Das alles sah an diesem Nachmittag nicht wirklich nach Union Berlin aus. Auch wenn Taiwo Awoniyi nach einem schweren Schnitzer von Stefan Bell plötzlich allein auf den Mainzer Schlussmann Robin Zentner zulief, mit einem unkontrollierten Abschluss aber die Chance auf den Ausgleich vergab (34.). Der Abseitspfiff, der zudem ertönte, war ungerechtfertigt, wie die Fernsehbilder bewiesen.

Schon das Aufbauspiel war bei den Eisernen zumeist zu ungenau, als dass da der gewohnte Spielfluss hätte entstehen können. Und wenn der Ball tatsächlich mal durch die Mainzer Reihen ins Mittelfeld gespielt wurde, fehlte dort der ruhige Blick für den zielführenden Pass beziehungsweise die gebotene Handlungsschnelligkeit. So wirkte das Spiel der Unioner etwas unstrukturiert.

Was die Sache weiter erschwerte, war die Gelb-Rote Karte gegen Schlotterbeck, der für das Verursachen des Strafstoßes bereits verwarnt worden war, aber in der 54. Minute gegen den umtriebigen Onisowo mit einem hohen Bein zu Werke ging. Stegemann zögerte einen Moment, entschied sich dann aber doch dazu, die Gäste zu dezimieren. 

Tadellos war hingegen mal wieder die Leistung von Keeper Luthe. In der 48. Minute riss er bei einem Kopfball von Adam Szalai geistesgegenwärtig die Fäuste nach oben, in der 63. Minute, nachdem Andrich ein Ballverlust unterlaufen war, parierte er gekonnt gegen Onisowo. Und in der 90. Minute blieb er bei einem Konter über den eingewechselten Robert Glatzel ganz cool. Doch seine Teamkollegen konnten mit der Vorlage dieses Mal nichts anfangen. Die besten Chancen zum Ausgleich hatten noch Cedric Teuchert, der aus Nahdistanz an Zentner scheiterte (51.), und Ingvartsen, der mit einem fulminanten Schuss aus 16 Metern den Mainzer Keeper zur Glanzparade zwang (69.).