Berlin-Köpenick - Und auf einmal ist Pokal, zumindest gefühlt. Drei Spiele hat der 1. FC Union noch vor seiner Brust. Drei Spiele, in denen es um die Wurst geht. Schon in Wolfsburg könnten am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) die Träume vom Europapokal platzen. Die Eisernen haben zwar erheblich weniger Druck als die Werkself, die beim Kampf um die Champions-League-Plätze im Schlussspurt nicht abfallen will. Doch auch für die Eisernen geht es um viel. Weiterkommen gen Europa oder sozusagen raus mit Applaus.

Die Niedersachen quasi als Viertelfinale, Leverkusen die Woche als Vorschlussrunde und last but not least dann Leipzig als Endspiel? „Das könnte man vielleicht so angehen“, räumte Unions Trainer Urs Fischer ein, auch wenn er eine andere Herangehensweise bevorzugt. „Im Pokal bekommst du keine zweite Möglichkeit. Ich glaube aber nicht, dass es nach dem nächsten Spieltag schon entschieden ist. Wir bleiben unserer Linie treu und denken einfach nur ans nächste Spiel“, so der 55-Jährige.

„Das“, so Fischer in der ihm gewohnten Untertreibung, „wird eine interessante Aufgabe.“ Wolfsburg habe einfach eine ganz starke Saison gespielt. „Sie sind sehr kompakt, gefährlich in der Vorwärtsbewegung, sehr, sehr effizient und auch sehr solidarisch. Das ist eine Mannschaft, die gemeinsam gegen den Ball arbeitet“, lautete Fischers Urteil über die Niedersachsen. Worte, mit denen er eigentlich auch die Grundtugenden seiner Mannschaft skizziert.

Kruse ist fraglich

Die geht allerdings wohl ein klein wenig gehandicapt in diese Auswärtspartie. Denn nicht nur Florian Hübner und Grischa Prömel (muskuläre Probleme) mussten unter der Woche kürzer treten, sondern auch hinter dem Einsatz von Max Kruse steht ein Fragezeichen. „Sein Zustand ist nicht schlecht, aber auch nicht ganz gut. Er konnte heute komplett trainieren, hatte aber auch Nachholbedarf. Wir haben noch ein Training. Schauen wir mal, ob es für den Spieltagskader reicht“, sagte der Schweizer Fußballlehrer, der als Alternative Planspiele mit Joel Pohjanpalo und Petar Musa als Doppelspitze hegt. 

Die beiden waren ja zuletzt beim 3:1 gegen Bremen gut drauf. Der Finne steuerte einen Hattrick bei, der Kroate zwei Vorlagen. Und ähnlich gut muss es an diesem Sonnabend passen, damit Union im Schlussspurt nicht die Puste ausgeht und der Eindruck der letzten drei Spiele eine formidable Saison ein wenig überschattet.

Es gibt ja durchaus einige, die Unions Leistung ein wenig geschmälert sehen, weil sie nach der formidablen Hinrunde mit 28 Zählern in der zweiten Saisonhälfte bislang nur auf 18 Punkte gekommen sind. Dabei wird aber übersehen, dass diese Zähler eine ordentliche Ausbeute sind, die völlig zum ursprünglichen Ziel Klassenerhalt passen. Denn in Herbst- und Frühjahrsserie je 18 Zähler eingeheimst zu haben, summa summarum also 36, würden nach Lage der Dinge durchaus zum Verbleib in der Liga berechtigen. Noch mal zur Erinnerung: Das – und nichts anderes – war das primäre Saisonziel.

Natürlich haben die Eisernen in der ersten Saisonhälfte überperformed. Was sie jetzt von ein wenig mehr träumen lässt. Und den 18 Rückrundenpunkten können ja noch bis zu neun weitere hinzugefügt werden. Mindestens vier müssen es wohl sein, wenn man im Rennen um Platz sieben am Ende nicht auf der Strecke bleiben will. Vielleicht sogar mehr. Denn das Gladbacher Restprogramm scheint machbar. In München hängen die Trauben an diesem Wochenende zwar hoch. Doch danach folgen ein Heimspiel gegen Stuttgart und eine Auswärtsaufgabe in Bremen, die es nur dann richtig in sich haben wird, wenn Werder sich am letzten Spieltag noch retten muss.

Deshalb empfiehlt Fischer seiner Truppe vor allem eins: nicht an die anderen denken. Nur an sich. Und vor allem Spaß haben! „Wir können einfach nach vorne blicken. Wir haben noch die Möglichkeit, uns fürs internationale Geschäft zu qualifizieren. Ein Wahnsinn, wenn du da nicht Freude hast. Spaß und Freud muss immer mit dabei sein, wenn du das nicht hast, kannst du keine Leistung bringen, es geht noch um was“, lautete Fischers Devise vor dem Kick am Sonnabend. Der Pokal hat ja bekanntlich seine eigenen Gesetze ...