Union-Leader Rani Khedira: „Es war zu 100 Prozent kein Elfmeter“

Der 1. FC Union Berlin bleibt nach dem 2:0-Erfolg bei Hertha BSC Stadtmeister. Die Stimmen zum Spiel aus der Mixed Zone und von der Pressekonferenz.

Ein entscheidendes Duell: Rani Khedira (r.) ist vor Marc Oliver Kempf (l.) am Ball, klärt ihn und trifft erst dann seinen Gegenspieler.
Ein entscheidendes Duell: Rani Khedira (r.) ist vor Marc Oliver Kempf (l.) am Ball, klärt ihn und trifft erst dann seinen Gegenspieler.City-Press GmbH

Die Szene in der 67. Minute erhitzte die Gemüter. Rani Khedira hatte im eigenen Strafraum einen Zweikampf gegen Marc Oliver Kempf für sich entschieden. Der Hertha-Verteidiger ging zu Boden, während der Konter lief und Sheraldo Becker am Ende Paul Seguin bediente, der zum 2:0-Endstand traf.

VAR Pascal Müller überprüfte die Szene, Schiedsrichter Felix Brych ging an die Seitenlinie, schaute sich das Duell ebenfalls noch mal an – und entschied auf Tor für den 1. FC Union Berlin. Khedira sah sich in der Mixed Zone bestätigt: „Es war zu 100 Prozent kein Elfmeter. Felix Brych hat es auf dem Feld so entschieden, hat zu mir gesagt, aufgrund der Brisanz des Derbys will er es sich einfach noch einmal anschauen. Er war aber sicher, der Linienrichter war sich sicher, mir ist kurz das Herz in die Hose gerutscht.“

Der zuvor bereits mit Gelb verwarnte FCU-Sechser führte weiter aus: „Ich spiele den Ball, natürlich treffe ich dann auch den Gegner, aber das ist ein aggressiv geführter Zweikampf. Im Mittelfeld wird es auch nicht gepfiffen.“ Er verstehe nicht, weshalb man darüber so viel diskutieren muss, dass er sich absichern wollte, allerdings schon.

Dabei starteten die Eisernen verhalten, was auch Khedira so sah: „Wir sind einfach nicht gut ins Spiel gekommen in der ersten Halbzeit. Hertha war aggressiver, agiler als wir. Das, was uns auszeichnet, haben die heute auf den Platz bekommen.“

Rani Khedira (v.) ließ sich nach dem 2:0-Erfolg bei Hertha BSC von den Union-Fans feiern.
Rani Khedira (v.) ließ sich nach dem 2:0-Erfolg bei Hertha BSC von den Union-Fans feiern.RONNY HARTMANN/AFP

Union-Coach Urs Fischer fand den Beginn seines Teams „verkrampft“

Der Mittelfeldlenker meinte, dass man gesehen habe, dass Hertha eine Reaktion auf das 0:5 gegen den VfL Wolfsburg zeigen wollte und hatte bei den Eisernen einige Schwächen ausgemacht: „Wir waren schon nervös, haben viele Bälle hergeschenkt.“ Zudem sei man aus dem Mittelfeld nicht so richtig nachgerückt und habe die Stürmer nicht wie sonst gut genug unterstützt: „Da waren wir ein Stück weit hektisch.“

Doch am Ende war er insgesamt zufrieden: „Es war einfach ein Sieg der Effizienz. Wir treffen zweimal zum richtigen Zeitpunkt. Danilho, unser Leuchtturm, mal wieder in der Luft gestanden kurz vor der Halbzeit. Dann haben wir zur richtigen Zeit einen Konter gefahren, das 2:0 gemacht, Deckel drauf. “

Sein Coach, Urs Fischer zeigte sich auf der Pressekonferenz noch nachdenklicher: „Ein hart umkämpftes Derby, sehr eng über 90 Minuten. Ich glaube, am Schluss sind wir die glücklichen Gewinner.“ Denn man habe zu Beginn einige Schwierigkeiten gehabt: „Ich empfand es so ein bisschen verkrampft von meiner Mannschaft.“

Er wolle die Leistung von Hertha mit diesen Aussagen allerdings nicht schmälern. Deshalb habe man in der Pause angesprochen, dass man in den Zweikämpfen deutlich präsenter sein muss: „Es war zu wenig, da brauchte es eine andere Aggressivität. Die Mannschaft hat es in der zweiten Halbzeit um einiges besser gemacht.“ 

FCU-Coach Urs Fischer sah Union Berlin als glücklichen Derbysieger an.
FCU-Coach Urs Fischer sah Union Berlin als glücklichen Derbysieger an.Andreas Gora/IMAGO

Paul Seguin: „Krasse Kulisse heute, es war ein extremes Kampfspiel“

Daher war auch 2:0-Torschütze Paul Seguin sehr zufrieden und erklärte in der Mixed Zone: „Ich bin einfach glücklich, dass wir heute gewonnen haben. Krasse Kulisse heute, es war ein extremes Kampfspiel. Dann entscheiden Kleinigkeiten.“

Wie etwa Ecken, zu denen Fischer sagte: „Standards üben wir immer wieder, ist schon ein Mittel, um in Führung zu gehen. Das haben wir wirklich gut umgesetzt. Dann gehst du eigentlich gegen den Spielverlauf in Führung, das spielt dir in die Karten.“

Schließlich steht die Defensive aktuell sicher, was auch Khedira so einschätzt: „Das zeichnet uns aus, dass wir sehr, sehr kompakt sind, wenig Torchancen zulassen. Wenn wir dann in Führung sind, ist es noch schwieriger gegen uns.“

Trotz des Höhenflugs meinte er: „Ich weiß nicht, ob wir schon eine Spitzenmannschaft sind. Das Momentum liegt aktuell ein Stück weit auf unserer Seite. Das haben wir uns auch erarbeitet. Aber noch mal, wir müssen weiter demütig bleiben, Union-Berlin-like spielen und dann wird man sehen, wie es weitergeht.“

Paul Seguin (r.) entschied die Partie mit seinem Tor zum 2:0 für Union Berlin.
Paul Seguin (r.) entschied die Partie mit seinem Tor zum 2:0 für Union Berlin.Michael Taeger/IMAGO

Union-Spieler Andras Schäfer auf dem Weg ins Krankenhaus

All das sei in Abschnitt zwei besser gelaufen, aber: „Viele Chancen hatten wir heute wirklich nicht.“ Doch die wenigen Möglichkeiten, die man hatte, nutzte Union – wie das 2:0 von Seguin, der bescheiden erklärte: „Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte, tut mir leid für Andras (Anmerkung der Redaktion: Schäfer), der sich verletzt hat.“

Fischer führte dazu weiter aus: „Er ist unterwegs ins Krankenhaus. Ich hoffe, dass es nicht allzu schlimm ist.“

Andras Schäfer (l.) blieb verletzt in der Kabine und musste ausgewechselt werden.
Andras Schäfer (l.) blieb verletzt in der Kabine und musste ausgewechselt werden.Michael Taeger/IMAGO

Doch am Ende überwogen die positiven Aspekte. Beispielsweise, dass Union nach 18 Spielen 36 Punkte auf dem Konto hat, wozu Seguin lächlend sagte: „Es ist schon nicht so verkehrt. Aber wir wissen trotzdem, wo wir herkommen und dass das alles sehr hart erarbeitet ist und das wir da jeden Tag dran feilen.“

Für Hertha spitzt sich die Lage im Abstiegskampf hingegen zu. Fischer hofft, dass es das Derby auch noch in der nächsten Saison gibt: „Wir versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen. Wenn wir der Hertha damit helfen, umso besser. Diese Stimmung in diesem Stadion, das würde wirklich fehlen. Es sind emotionale Spiele, da geht es ums Prestige, die ganze Stadt spricht davon. “