BerlinDas war die beste Anfangsphase in der Geschichte des 1. FC Union. Auch weil an diesem Abend im Stadion An der Alten Försterei ja nicht irgendwer, sondern der FC Bayern zu Gast war. Und was für ein Jammer, dass dieser famose Einstieg in dieses höchst interessante Bundesligaspiel nicht vom Getöse eines Stadionpublikums begleitet wurde. Ja, jammern über die Absenz der Fans muss in diesem Fall einfach noch mal erlaubt sein.

Grischa Prömel erzielt das 1:0

Nach noch nicht einmal einer Minute lief jedenfalls Unions Taiwo Awoniyi schnurstracks auf Bayern-Keeper Manuel Neuer zu, David Alaba und Jérôme Boateng hatte der Nigerianer hinter sich gelassen, einfach so, und wild entschlossen vollführte er nun den Abschluss, doch da stand Neuer, der seine rechte Hand nach oben blitzen ließ und den Ball zur Ecke abwehrte. Der Nationaltorhüter redete energisch auf seine Vorderleute ein. Hallo wach! Es nützte nur nichts, denn in der dritten Spielminute schlug Christopher Trimmel einen weiteren Eckstoß vor Neuers Tor. Grischa Prömel stürzte sich wie geplant in den Flankenball, kam vor Robert Lewandowski an das Spielgerät und traf schließlich zum 1:0 für die Eisernen. Neuer war überwunden - und so richtig sauer. So überrumpelt wurden die Bayern schon lange nicht mehr, so mutig angegangen, dass sie nicht sogleich Kontrolle über das Geschehen gewinnen konnten.

Doch das war nicht nur ein Strohfeuer. Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer agierte bis weit in die zweite Hälfte hinein mit einer bemerkenswerten Intensität, raubte den Münchnern wiederholt die Lust am Spiel, schränkte durch ein leidenschaftliches Miteinander den Wirkungsraum der Bayern-Profis geschickt ein. Doch am Ende kamen die verdutzten Bayern doch noch zu einem 1:1. Robert Lewandowski war in der 67. Minute nach Vorarbeit von Kingsley Coman der Torschütze, rettete den Bayern den Abend und die Tabellenführung, während in Köpenick nach dieser Leistung von Tabellenplatz sechs aus mit 17 Punkten nach elf Spielen schon auch nach oben geträumt werden darf. 

„Heute war das wirklich schon sehr gut von uns. Und schon auch ein Schritt nach vorne“, sagte Union-Kapitän Christopher Trimmel. Und: „Das 1:1 ist letztlich allemal okay.“

Zweifel nach dem Stadtderby

Aufgrund der Nachwehen aus dem Stadtderby gab es ja schon ein paar kleine Zweifel - aber Union kann auch ohne Robert Andrich (Rotsperre) giftig sein, kann ohne Max Kruse (Muskelbündelriss) flexiblen Angriffsfußball spielen. Ja, kommt zudem, wenn es denn sein muss, auch noch ohne Marcus Ingvartsen aus. Der Däne, der sich zuletzt in einer prächtigen Form präsentiert hatte, verletzte sich am Sonnabend nämlich bereits nach einer halben Stunde, sodass er durch Cedric Teuchert ersetzt werden musste. Aber auch hier: kein Problem, kein Bruch war da im Spiel des 1. FC Union auszumachen. Nur ein paar wenige Möglichkeiten boten sich bis zur Pause den Gästen, die noch am ehesten in Person von Serge Gnabry so etwas wie Gefährlichkeit ausstrahlten. 

Dass die Bayern nach dem Wechsel den Druck erhöhen und bei nachlassender Kampfkraft der Unioner auch wieder besser in den Rhythmus kommen würden, war abzusehen. Überraschend allerdings war, dass die Eisernen nach dem Ausgleich durch Lewandowski dann doch die besseren Chancen zum Sieg hatten. Allen voran der eingewechselte Keita Endo, der nach einem einsamen Lauf durch die gegnerische Hälfte in der 76. Minute nur ein Schüsschen zustandebrachte. Neuer parierte.

Einzelne ragen aus dem Kollektiv heraus

Fischer sagt gern mal dies hier: „Wir gewinnen zusammen, wir verlieren aber auch zusammen.“ Letztendlich kommt man aber nicht umhin, dann doch Einzelne hervorzuheben. Die Innenverteidiger Marvin Friedrich und Robin Knoche, die sich mit Lewandowski aufreibende Zweikämpfe lieferten und daraus zumeist als Sieger hervorgingen. Oder Grischa Prömel, der auf herausragende Art und Weise Thomas Müller und Leon Goretzka nervte. Sheraldo Becker versaute in Hälfte eins Alphonso Davies, in der zweiten Hälfte Benjamin Pavard den Abend. Auch Awoniyi ist an dieser Stelle noch zu nennen, der Stoßstürmer, der zweimal noch knapp das 2:0 und damit wohl auch eine Vorentscheidung zugunsten der Unioner verpasst hatte. Zum einen in der 22. Minute, als er nach einem bemerkenswerten Solo noch mal vor Neuer auftauchte, dieses Mal seinen Schuss aber am Tor vorbeisetzte. Zum anderen in der 56. Minute, als ihm nur Zentimeter fehlten, um am kurzen Pfosten an eine Flanke von Becker zu kommen. Und da ist noch Keeper Andreas Luthe, der im Stadtderby noch eine unglückliche Figur abgegeben hatte, dieses Mal aber tadellos hielt. Sein Reflex nach einem Kopfball von Leroy Sané in der 90. Minute war der prächtige Schlusspunkt dieser Partie.