Berlin - Dieses für den 1. FC Union so großartige Fußballjahr hat am Dienstagabend kein entsprechendes Ende genommen. 2:3 (1:3) hieß es nämlich nach 95 Minuten im letzten Pflichtspiel des Jahres, dem Pokal-Duell mit dem SC Paderborn. Was für den Gastgeber das bittere Aus, für die Gäste hingegen den Einzug ins Achtelfinale zur Folge hatte.

Alle Augen, zumindest die der Privat-Fernsehzuschauer und die der Offiziellen, die als Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei zugegen sein durften, waren an diesem Dienstagabend auf Loris Karius gerichtet. Auf den Torhüter mit der großen Prominenz, der zum ersten Mal in einem Pflichtspiel der Eisernen ran durfte. Ein netter Zug von Union-Trainer Urs Fischer war das, wenngleich man sich natürlich schon auch die Frage stellen durfte, was es für Karius in der Auseinandersetzung mit dem Zweitligisten überhaupt zu gewinnen gab. 

Fakt ist, dass das für den 27-Jährigen bestimmt nicht der Abend war, den er sich gewünscht hatte. Im Gegenteil: Im Endeffekt war das schon ein kleines Drama für den immer noch beim FC Liverpool unter Vertrag stehenden Keeper, der ja nach Köpenick gekommen war, um seine Karriere wieder in Schwung zu bringen. Schon nach zwei Minuten stand es aus Sicht der Eisernen und damit auch aus seiner 0:1. Johannes Dörfel hatte ungestört über die rechte Angriffsseite einen Flankenlauf gestartet, passte im rechten Moment nach innen, auf Denis Srbeny, der sich an einem Torschuss versuchte, den Ball aber nicht richtig traf und deshalb zum Vorlagengeber mutierte. Sven Michel staubte am langen Pfosten ab. Karius nahm den Gegentreffer noch einigermaßen gelassen und regungslos zur Kenntnis, und war nur vier Minuten später, als Grischa Prömel nach Vorarbeit von Sheraldo Becker und Taiwo Awoniyi den Ausgleich erzielte, bestimmt schon wieder besserer Dinge. Doch dann nahm das sportliche Unheil für den in grellem Grün gekleideten Schlussmann seinen Lauf.

Prömel und Awoniyi treffen nur Aluminium

Nach einer Ecke und einem verdeckten Schuss von Svante Ingelsson brachte er in der 31. Minute dank einer guten Reaktion zwar noch seine Hand an den Ball, allerdings brachte seine Parade Srbeny ins Spiel, der im Fünfmeterraum einen Tick schneller als Christopher Trimmel schaltete und das 2:1 für den SC erzielte. Karius ärgerte sich, malträtierte mit seiner Faust den feuchten Boden. 

Nur fünf Minuten später, Union hatte nach einem eigenen Eckstoß die Absicherung komplett vernachlässigt, lief plötzlich Michel allein auf ihn zu. Karius brachte sich ihn Position, wollte den Ball mit dem Fuß abwehren, dann allerdings flutschte ihm Michels Schuss durch die Beine. Und als er so dasaß, auf seinem Hosenboden, leise verzweifelt, konnte er einem schon ein bisschen leidtun. Immerhin: In der zweiten Hälfte konnte er sich noch mehrmals auszeichnen. Bei einem Abschluss von Ingelsson in der 47. Minute beispielsweise schnellte seine Faust noch rechtzeitig nach oben. 

In der Gesamtschau war es kein unverdienter Sieg für die Ostwestfalen. Mit großem Eifer und einem ziemlich cleveren Matchplan machte die Elf von Steffen Baumgart den Eisernen vieles, was zuletzt geklappt hatte, unmöglich. Daran konnte auch Robert Andrich nichts ändern, der in der Liga ja gesperrt ist, aber im letzten Pflichtspiel des Jahres neben Prömel im defensiven Mittelfeld agierte. Keita Endo, der als linker Flügelmann nominiert worden war, blieb weitgehend wirkungslos. Genauso wie Cedric Teuchert, der in der ersten Hälfte nach 18 Minuten eine sehr gute Chance vergab, im Anschluss aber gar nicht mehr in Erscheinung trat. Aber auch das Passspiel der anderen war nicht so sauber, der Wille zum Ballgewinn nicht so gegeben, als dass Fischer hätte Gefallen an dem Auftritt seiner Mannschaft gewinnen können.

Der Schweizer Fußballlehrer bekam aber immerhin noch eine beherzte, wenngleich auch nicht vom Erfolg gekrönte Schlussoffensive seines Teams zu sehen. Der Impuls dafür war von Paderborns Uwe Hünemeier gekommen, der in der 57. Minute nach einer Hereingabe von Christopher Lenz per Eigentor das 2:3 erzielt hatte. Prömel traf bei dem Versuch, zumindest eine Verlängerung zu erzwingen, mit seinem Schuss die Querlatte (71.), scheiterte nur zwei Minuten später an Paderborns Keeper Leopold Zingerle, der gegen Ende der Partie immer wieder richtig stand, immer wieder für seine Mannschaft Gefahrensituationen entschärfte und beim Pfostentreffer in der 94. Minute von Awoniyi wie seine Kollegen einfach nur Glück hatte.