Berlin - Der 1. FC Union hat am Mittwochabend zum wiederholten Male unter Beweis gestellt, dass er im Ausgang der Saison nicht aufgrund der Schwäche der anderen, sondern aufgrund der eigenen Stärke im vorderen Mittelfeld der Fußball-Bundesliga zu finden ist. Und doch ging die Elf von Coach Urs Fischer nach der Auseinandersetzung mit Borussia Dortmund im Westfalenstadion als Verlierer vom Platz. Nach einem 0:2, bei dem der Schiedsrichter letztlich eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hat. Aber dazu gleich.

Seine Mannschaft müsse einen perfekten Tag erwischen, um zu einem Sieg zu kommen, hatte Fischer vor der Partie noch einmal betont. Wobei das Problem natürlich sein könnte, dass auch der BVB einen perfekten Tag erwischt, dann wäre das mit dem Sieg eher doch nur ein Wunschtraum. Im Nachgang dieser doch sehr unterhaltsamen 90 Minuten Bundesligafußball lässt sich jedenfalls festhalten, dass Fischer sein Team nahezu perfekt auf die Aufgabe eingestellt hatte und sein Team fast einen perfekten Start erwischt hätte.

Ingvartsen trifft mit viel Gefühl nur die Querlatte

Und das in Gestalt von Marcus Ingvartsen, der nach Fischers taktischem Entscheid für eine defensive Viererkette zusammen mit Keita Endo für Nils Schlotterbeck und Christian Gentner in die Startelf gerutscht war. Ingvartsen jedenfalls, dieser feine Fußballer, kam nach einer Schlamperei von Dortmunds Emre Can nach gerade mal zwölf Sekunden aus 18 Metern zum Schuss, zirkelte den Ball mit viel Gefühl, aber auch mit Wucht Richtung Dortmunder Tor, traf über den vergeblich fliegenden Torhüter Marwin Hitz hinweg allerdings nur die Querlatte. 

Forsch war also der eiserne Auftakt und Beleg dafür, dass die Köpenicker jedweden Respekt vor großen Namen abgelegt haben. Was nicht heißen soll, dass da auch ein Hang zur Respektlosigkeit mitschwingt. In der Abwehrarbeit kann man auf allerhand zielführende Automatismen zurückgreifen, und das Spiel nach vorne wird immer variantenreicher. So muss sich im Osten Berlins auch keiner vor Bundesligajahr drei fürchten.

Reus hakt bei Keeper Luthe ein

Union (Umsatz: 75 Millionen Euro) war also mit dem BVB (Umsatz: 365 Millionen Euro) von der ersten Minute an ebenbürtig, geriet in der ersten Hälfte eigentlich nur zweimal in eine schwarz-gelbe Verlegenheit. Beim ersten Mal, in der 10. Minute war das, passte Thorgan Hazard mit sehr gutem Auge auf den in den Strafraum der Unioner gestarteten Marco Reus, der beim Abschluss die Kontrolle über Bewegung und Ball verlor.

In der 25. Minute brachte Hazard seinen Kapitän erneut in Position. Dabei ging Reus allerdings ins Dribbling gegen Union-Keeper Andreas Luthe, der entschlossen, aber nicht wild aus seinem Tor stürzte. Reus hakte ein, kam (wie von ihm selbst gewollt) zu Fall, was Schiedsrichter Daniel Schlager, aber auch den Videoschiedsrichter zum Urteil Elfmeter verführte. Kurzum: zweifelhaft. 

Union trotzt der schwarz-gelben Klasse

Erling Haaland trat an, scheiterte mit seinem unplatzierten Schuss an Luthe, setzte nach, scheiterte erneut an Luthe. Der Ball trudelte schließlich Richtung Torlinie, Robin Knoche versuchte zu klären, traf bei seinem Klärungsversuch allerdings Reus. So wurde der Strafstoßschinder zum Torschützen.

Nun gibt es Mannschaften, die durch so einen unglücklichen Moment ihren Rhythmus verlieren, fahrig werden. Doch Union zählt nicht zu dieser Sorte. Union ist stabil. Da wurde weiter bissig verteidigt, weiter der Weg nach vorne gesucht. Ungeachtet der Tatsache, dass bei den Dortmundern nach einer Stunde mit Mo Dahoud und Jadon Sancho noch mehr Klasse auf den Platz gebracht wurde. 

So zog Grischa Prömel im Zweikampf mit Reus geschickt einen Freistoß. Nah am Strafraum, was Max Kruse auf den Plan rief. Kruse schnippelte den Ball über die Mauer, setzte schon zum Jubel an, doch Hitz brachte irgendwie noch einen Finger an den Ball, sodass dieser an den Pfosten klatschte (66.). 

In der Schlussphase wirkten beide Teams in ihren Aktionen doch etwas unstrukturiert. Womöglich wurde da wie dort eben dann doch der eine oder andere Wechsel zu viel getätigt. Die Konsequenz: Haaland hatte noch zwei gute Chancen. In der 75. Minute jagte er den Ball auf die Tribüne, in der 86. scheiterte er an Luthe. Den Schlusspunkt setzte schließlich Raphael Guerreiro (88.).