Berlin - Nimm dein Schicksal selbst in die Hand! Das gilt für jeden, klar, aber im Besonderen eben auch für die Profisportler, die sich im Rahmen eines Leihgeschäfts durch die Welt des Fußballs, des Basketballs, des Eishockeys et cetera bewegen. Die vor allem gegen Ende der Saison in ansprechender Form sein und jede sich für die Eigenwerbung bietende Chance nutzen müssen, damit das Berufsleben vielleicht doch eines Tages nicht mehr nur von Abschied und Ankunft, ja, von dieser lästigen Ungewissheit bestimmt wird.

Am Sonnabendnachmittag glückte dem Leihspieler Joel Pohjanpalo am 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga beim 3:1 des 1. FC Union gegen Werder Bremen ein lupenreiner Hattrick, also drei Treffer in einer Halbzeit. Der Angreifer war im Stadion An der Alten Försterei im rechten Moment am rechten Fleck, um in der 50. Minute nach einem Eckball von Marcus Ingvartsen und einem Kopfballversuch von Marvin Friedrich den Ball per Seitfallzieher ins Tor der Gäste zu drücken. Drei Minuten später spurtete er in eine Kopfballvorlage von Petar Musa, vollendete mit einem wuchtigen Flachschuss in die lange Ecke. In der 67. Minute tunnelte er nach einem weiteren Zuspiel von Musa, der in Halbzeit für den muskelmüden Max Kruse ins Spiel gekommen war, schließlich Werders Keeper Jiri Pavlenka zum 3:0. 

Unions Traum von Europa lebt

Der finnische Nationalspieler war also der Mann des Tages, der Mann, der einerseits die Not der vom Abstieg bedrohten Hanseaten vergrößerte, andererseits seinen aktuellen Arbeitgeber weiter von einer Teilnahme an einem europäischen Klubwettbewerb träumen lässt. Mit 46 Punkten ist die Qualifikation für die Conference League gar nicht so unwahrscheinlich, die für die Europa League immer noch möglich. „Wir haben bis jetzt schon eine überragende Saison gespielt. Alles, was jetzt noch kommt, ist ein Extra“, sagte Pohjanpalo nach dem elften Saisonsieg der Unioner. Alles paletti also für den 26-Jährigen? Noch lange nicht.

Es war eine schwierige Zeit in den letzten Monaten.

Joel Pohjanpalo

Als Trophäe schnappte sich Pohjanpalo den Spielball, bedankte sich beim eifrigen Sturmkollegen („Es hat gut gepasst mit Musa, es sind richtig gute Vorlagen gewesen“) und referierte kurz über den Spielverlauf („In der ersten Hälfte haben wir einfach zu langsam gespielt, haben in der Pause darüber gesprochen, was wir ändern müssen. Und nach dem 1:0 mussten die Bremer öffnen, was wir gleich zu einem weiteren Treffer genutzt haben. Mit dem 3:0 war das Spiel dann entschieden“). Letztendlich gab er kurz noch Einblick in sein Seelenleben: „Es war eine schwierige Zeit in den letzten Monaten.“

Nimm dein Schicksal selbst in die Hand! Klingt so einfach, ist für einen Fußballprofi aber mitunter ein kompliziertes Unterfangen. Als Mannschaftssportler ist das eigene Schicksal ja auch immer an das Schicksal der Kollegen geknüpft. Und als Mannschaftssportler ist man ja auch immer vom großen Ganzen abhängig: von den Gedankenspielen des Kaderplaners, von den finanziellen Möglichkeiten des Klubs und damit derzeit auch von den Auswirkungen der Corona-Krise. Was letztlich aber zählt, zumindest beim 1. FC Union, ist das Urteil des Cheftrainers.

Vertraglich an Bayer Leverkusen gebunden

Letzteres fiel natürlich für den Moment sehr positiv aus. „Sehr gut. Top“, antwortete Urs Fischer auf die in der Pressekonferenz an ihn gestellte Frage, wie er die Leistung von Pohjanpalo beurteile. Dann ergänzte der Schweizer Fußballlehrer noch Folgendes: „Wenn du drei Tore machst, dann machst du vieles richtig. Aber das ist ja auch die Aufgabe einer Sturmspitze. Joel hat sich bei seinen Einsätzen in den vergangenen Wochen etwas schwergetan, hatte Chancen, konnte sie aber nicht nicht verwerten. Er hat aber trotzdem konsequent an sich weitergearbeitet. Und ich mag ihm das heute wirklich gönnen.“

Pohjanpalo, der seit 2014 vertraglich an Bayer Leverkusen gebunden ist, zwischenzeitlich aber mal dahin und dorthin verliehen wurde (VfR Aalen, Fortuna Düsseldorf, Hamburger SV), hatte sich im November vergangenen Jahres bei einem Länderspiel eine schwere Sprunggelenksverletzung zugezogen. Er musste operiert werden, fehlte insgesamt 71 Tage, wie sich seiner Krankenakte entnehmen lässt. Er war außen vor, während die Kollegen mit einer stetig wachsenden Selbstsicherheit das Thema Klassenerhalt abarbeiteten. Und er nahm natürlich zur Kenntnis, dass der Klub in der Winterpause mit Petar Musa einen weiteren Stürmer und damit einen direkten Konkurrenten im Rahmen eines Leihgeschäfts mit Slavia Prag verpflichtete. So etwas verunsichert, so etwas lässt Zweifel aufkommen, gegen die es für einen Angreifer nur ein Mittel gibt: Tore.

Drei Spiele bleiben Pohjanpalo also noch, um die Eisernen dazu zu bringen, die im Vertrag festgehaltene Kaufoption zu ziehen. Drei Spiele, um sich für Europa zu qualifizieren, was eine feste Verpflichtung des Finnen wahrscheinlicher werden ließe. Siehe Kaderplaner! Siehe Finanzen! Also: Nimm dein Schicksal selbst in die Hand!