Berlin - Marcus Ingvartsen ist dieser Tage ein gefragter Mann bei den Eisernen. Was natürlich mit dem Ausfall von Max Kruse zu tun hat. Die Bereitschaft, am Sonnabend (18.30 Uhr/Sky) gegen die Bayern auf dem Feld in die Fußstapfen von Unions Spielmacher zu treten, hat er mehr als deutlich signalisiert und dabei gleich klargemacht, dass Kruse wohl nicht eins zu eins, sondern maximal nur im Kollektiv zu ersetzen sein wird. 

„Ich bin bereit, mich dieser Aufgabe zu stellen, andere Spieler auch“, sagte der Däne, der immer noch ein wenig darauf spekuliert, mit guten Leistungen in den kommenden Monaten auf den EM-Zug bei den Skandinaviern aufspringen zu können. 

Zumindest besteht die Hoffnung, dass er da die gestellte Aufgaben besser löst als zuletzt im Pool-Interview diese Woche. Den nachdrücklich geäußerten Wunsch, ob man das Interview nicht auf Deutsch führen könne, beantwortete er mit einem munteren „Yes“ und fuhr dann konträr zum Gesagten und zum Erstaunen der Bittsteller doch auf Englisch fort. Offenbar hat der Offensivgeist sich in Köpenick in den vergangenen 15 Monaten sportlich zwar ziemlich gut weiter entwickelt, seinen deutschen Wortschatz aber noch nicht entsprechend erweitert.

Auf dem Feld sind eher seine Füße und manchmal auch der Kopf gefragt, weniger aber die Zunge. Und dass er mit dem Ball etwas anfangen kann, war zuletzt im Derby im Olympiastadion zu bewundern. Sein fein durchgesteckter Pass, den Taiwo Awoniyi zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung für die Köpenicker im Hauptstadtduell nutzte, wirkte wie ein Bewerbungsschreiben für die derzeit vakante Stelle des Spielmachers bei den Eisernen. 

„Das war schon ein großartiger Assist. Ich hoffe, ich kann solche Situationen in den nächsten Spielen wieder kreieren. In der Mitte ist ja nicht neu für mich, ich bin das eher gewohnt als auf den Flügeln“, sagte der 24-Jährige, der in seinem zweiten Jahr bei den Rot-Weißen trotz eines durch Rückenproblemen verursachten verpassten Starts mittlerweile richtig angekommen ist.

In seiner Premierensaison kam er auf fünf Treffer und drei Vorlagen. Im ersten Drittel dieser Spielzeit ist es immerhin schon ein Tor, gepaart mit zwei Assists. Wichtiger aber noch: Es hat den Anschein, dass er flexibel einsetzbar ist. Was Urs Fischer wichtig ist, denn er mag „polyvalente“ Spieler.

Kruse zu ersetzen, ist nicht möglich

Nun ruhen die Hoffnungen auf den Schultern des 1,87 Meter großen Angreifers. Doch Druck, als Kruse-Ersatz herhalten zu müssen, verspürt er nicht. „Ich muss aufstehen und ein paar mehr Tore schießen jetzt. Aber ich bin bereit und die anderen auch, um die Lücke zu füllen. Wir sind kein Team, das nur von einem anderen Spieler abhängig ist“, sagte der aus Farum stammende Offensivspieler. 

Fischer selber will ihn mit der Aufgabe nicht überfrachten. „Es ist auch wichtig, dass Marcus nicht versucht, Max Kruse zu imitieren oder seine Rolle eins zu eins zu übernehmen. Er muss zusehen, dass er seine Stärken auf den Platz bekommt. Er muss zusehen, dass er in die Abschlusspositionen kommt, dass er in die Tiefe kommt und defensiv weiter viel gegen den Ball investiert“, lauten Fischers Erwartungen.

Natürlich attestierte Fischer Ingvartsen noch Verbesserungspotenzial, aber er weiß dessen Qualitäten zu schätzen: „Er hat einen sehr guten, platzierten Schuss, ist viel unterwegs mit einer guten Geschwindigkeit. Er zeigt Präsenz im Strafraum und strahlt Torgefahr aus.“

Die Sache mit den Abschlüssen sieht Ingvartsen übrigens ähnlich. „Ich muss noch mehr in die Box gehen, so wie gegen Mainz, als Trimmi (Kapitän Christopher Trimmel; d. Red.) mir den Ball servierte. Ich muss noch mehr auf Flanken und zweite Bälle fokussiert sein“, definierte Ingvartsen seine künftigen Ansätze, sich zu steigern.

Am liebsten würde er die gleich am Sonnabend zeigen, wo er gegen den großen Favoriten schon eine Chance wittert: „Bayern spielt sehr offensiv und lässt dadurch manchmal Räume hinten offen. Die“, so Ingvartsen, „müssen wir nutzen.“