Berlin-Köpenick - Als sich im vergangenen Sommer leise die Gerüchte herumsprachen, dass Max Kruse in Berlin zu Vertragsgesprächen mit dem 1. FC Union sei, wollte eigentlich keiner so recht daran glauben. Ja, selbst Max Kruse wollte nicht so recht daran glauben und postete kurz darauf, zum „Beweis“, ein Foto, das ihn zur vermeintlichen Berlin-Besuchszeit im Urlaub zeigt. Am Ende kam er doch, der Max. Und wie!

Wohl kein Spieler hatte in den vergangenen Jahren so schnell einen solchen Einfluss auf das Spiel der Eisernen. Unkten einige Bundesligamanager als Kruse ablösefrei zu haben war noch, dass der vermeintliche „schwierige Charakter“ über seinen sportlichen Zenit hinaus sei, belehrte der 33-Jährige alle Kritiker eines besseren und ließ besagte Manager schamhaft aufheulen.

Zehn Tore und fünf Assists steuerte der frühere Nationalspieler in lediglich 14 Partien bei. Zwischenzeitlich fehlte er drei Monate wegen eines Muskelbündelrisses, den er sich im Derby-Hinspiel zugezogen hatte. Kaum war er wieder dabei, war er schon wieder ganz der Alte und erzielte in den vier Spielen seit seiner Genesung vier Tore.

Und auch neben dem Platz lieferte Kruse seinen Fans und Kritikern das volle Programm. Zwischen nächtlichen Twitch-Streams aus seiner kaum bezogenen Wohnung und Shishabar-Besuchen mitten in der Corona-Pandemie fand der Offensivstar fast schon ganz nebenbei bei den Eisernen etwas, was ihm in der Vergangenheit nicht immer begegnet ist: Vertrauen. Oft wirkte die sportliche Leitung der Eisernen um Trainer Urs Fischer und Manager Oliver Ruhnert fast schon genervt, wenn sie öffentlich dazu gedrängt wurden, die vermeintlichen Eskapaden ihres Schlüsselspielers nachdrücklich zu kritisieren.

„Ein extremer Gönner“

Stattdessen äußerte sich Trainer Fischer in einem Interview eher verständnisvoll und verwies auf seine eigene aktive Karriere, in der auch er nicht immer lammfromm gewesen sei. Fischer mag solche Charaktere wie Kruse, wenn sie sich denn zur Kernarbeitszeit ganz in den Dienst des mannschaftlichen Erfolges stellen.

Und das tut Kruse seit dem ersten Tag. Schon jetzt eine der Szenen der eisernen Saison ist die Vorlage auf Cedric Teuchert im Spiel gegen die TSG Hoffenheim. In der Nachspielzeit legte der Führungsspieler nach einem schönen Konter allein vor Keeper Oliver Baumann auf Teuchert ab, der sein erstes Tor für die Eisernen bejubeln konnte. In den Wochen zuvor war der Zugang von Schalke 04, auch wegen Kruse, nicht zum Zuge gekommen, nun gab er dankbar zu Protokoll: „Max ist ein extremer Gönner.“

Und das trifft es ziemlich gut. Ob er nun Kapitän Christopher Trimmel auf dem Trainingsplatz mit einem flapsigen Spruch begrüßt oder Robert Andrich auf Instagram zu mehr Followern verhelfen will – der 33-Jährige sorgt mit aller Energie dafür, dass sich seine Teamkameraden unterhalten, aber vor allem wohlfühlen.

Und auch deshalb wird er am Ostersonntag auf dem Rasen des Stadions An der Alten Försterei alles raushauen. Und wahrscheinlich noch ein paar Zweifler überzeugen.