Berlin - Die Diskussion ist groß, lang und laut gewesen. Darüber, was denn nun am Freitag vor eine Woche beim Heimspiel des 1. FC Union zwischen Florian Hübner und Leverkusens Mittelfeldspieler Nadiem Amiri für Worte gewechselt wurden und warum der DFB-Kontrollausschuss sowohl gegen Hübner als auch gegen den späteren Berliner Torschützen Cedric Teuchert ermittelt. Beleidigung? Rassismus? Wer hat was gesagt? Was wurde von wem wie interpretiert? Nun ist das Verfahren abgeschlossen. Florian Hübner wird wegen unsportlichen Verhaltens für zwei Spiele gesperrt und mit einer Geldstrafe von 20.000 Euro belegt. Der Verdacht einer rassistischen Beleidigung bestätigte sich nicht. Die Ermittlungen gegen Cedric Teuchert wurden eingestellt. Der DFB-Kontrollausschuss konnte kein Fehlverhalten des Union-Spielers erkennen.

Zwischen Amiri und Hübner war bereits am Freitag vor einer Woche alles geklärt, nachdem Hübner in die Gästekabine der Alten Försterei gekommen war, um sich bei Amiri für seine ausfallenden Worte zu entschuldigen. „Ich bin froh, dass die Angelegenheit erledigt ist und schnell einen Abschluss gefunden hat. Ich habe einen Fehler gemacht, indem ich mich überhaupt in die Auseinandersetzung der Leverkusener Mannschaft mit dem Schiedsrichter eingelassen habe. Zukünftig werde ich noch sorgfältiger auf Disziplin und Zurückhaltung achten und hieraus auch für mich und meine weitere sportliche Karriere Konsequenzen ziehen“, ließ sich Hübner auf der Homepage des 1. FC Union zitieren.

Florian Hübner:„ Ich habe einen Fehler gemacht“

„Von grundlegender Bedeutung ist für mich, dass das Sportgericht und der DFB davon ausgehen, dass ich selbst zuvor verbal attackiert worden bin und dass meine Äußerungen nicht diskriminierend oder in irgendeiner Weise rassistisch waren“, heißt es dort weiter. Ob der Ausdruck „scheiß Afghane“, an dem sich die ganze Debatte entzündet hatte, nun gefallen ist, oder nicht, darüber gibt die Pressemitteilung keine Auskunft. Dennoch sah sich Hübner zu folgender Klarstellung veranlasst: „Meine Familie und ich stehen uneingeschränkt und aus tiefster Überzeugung für Toleranz und Respekt. Jede Art von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung wird in meiner Familie und von mir zutiefst verabscheut. Ich selbst lebe diese Überzeugung seit meiner Jugend im Sport und im Privatleben. Es ist für mich von grundlegender Wichtigkeit, auf dem Fußballplatz einen in meinem Einfluss liegenden Beitrag hierzu zu leisten.“

Nun fehlt Hübner den Unionern, die nach der 0:1-Niederlage in Leipzig gleich zum Sonnabend-Gegner nach Augsburg weitergereist sind, für dieses und das nächste Spiel. In der Fuggerstadt will der 1. FC Union zum Rückrundenstart den Auftaktpatzer gegen die bayerischen Schwaben wettmachen. Normalerweise wäre nach dem Hinrundenabschluss Zeit für eine Zäsur. Zum Zurücklehnen und Verschnaufen. Für Bilanzen. Man würde in Köpenick die gesammelten 28 Punkte abfeiern, den Vorsprung auf den Relegationsrang genießen. Oder gar im Übermut vielleicht Wetten darauf abschließen, ob die zielsicher auf ein Relegationsduell mit Fortuna Düsseldorf hinsteuernde Hertha es schafft, wenigstens Weihnachten 2021 vor den Eisernen zu stehen.

Gedankengänge, die Urs Fischer natürlich ebenso fremd sind wie das Anpeilen eines Europapokalplatzes, nur weil man mit viel Anstrengung und sich immer am Limit bewegend, es zum Abschluss der Hinserie auf Rang sechs geschafft hat.

Union will die Großen weiter ärgern

Dass dieses das Maximum der Gefühle sein kann, dafür war der sehr ordentliche Auftritt der Eisernen in Leipzig ein hinreichendes Plädoyer. Nicht immer ist das Matchglück auf der Seite des 1. FC Union. Ähnlich sah das Verteidiger Marvin Friedrich: „Wir haben ein gutes Auswärtsspiel gemacht. Am Ende kann man nicht alles verteidigen, weil Leipzig eine Top-Mannschaft hat.“

In Leipzig zeigte sich, dass die Eisernen zwar punktuelle Unruhen und Störfeuer von Außen abschütteln können, aber eben nicht dazu in der Lage sind, Ausfälle wie die von Christian Gentner oder Max Kruse auf Dauer wegstecken zu können. „Wir müssen immer am Limit spielen. Die Mannschaft ist im Rahmen ihrer Möglichkeiten ans Limit gegangen. Ein Tor hat gefehlt“, sagte Manager Oliver Ruhnert. Alles kein Beinbruch. Die dritte Saisonniederlage eben. Musste ja mal kommen.