BerlinEs war am Sonntagabend, als die Seele der Eisernen zwei schmerzhafte Schläge hinnehmen musste. Der eine Hieb erwischte die Köpenicker Gefühlswelt in Gelsenkirchen, wo der einstige Publikumsliebling und heutige Schalker Steven Skrzybski beim Stande von 0:2 gegen Leverkusen einen Elfmeter verschoss und es damit verpasste, dem Spiel eine mögliche Wendung zu geben. Der andere, viel schwerwiegendere Wirkungstreffer brach via Instagram über den 1. FC Union herein und traf die Rot-Weißen ins Mark. Max Kruse verkündete dort, dass er wegen eines Muskelbündelrisses im Oberschenkel bis Anfang Februar ausfallen wird.

„Er ist im Augenblick unser Dreh- und Angelpunkt in der Offensive. Dieser Ausfall tut uns extrem weh“, hatte Unions Manager Oliver Ruhnert in der Live-Schalte vom Sport1-Doppelpass noch gesagt. Und dabei noch untertrieben. Im Augenblick? Die Schmerzen werden mindestens acht Wochen anhalten. Das sind zehn Spiele, in denen Union in der Tabelle abrutschen könnte.

Was also sind für Unions Trainer die Alternativen? Urs Fischer kann Robert Andrich zunächst durch Sebastian Griesbeck ersetzen. Doch mehr sollte im Mittelfeld nicht passieren, denn die Personallage ist dünn. Christian Gentner wird wohl frühestens kommende Woche beim Spiel gegen seinen Ex-Klub Stuttgart zur Verfügung stehen.

Um Kruse zu ersetzen, fällt einem spontan Marcus Ingvartsen ein. Der Däne wäre vom Papier am ehesten dazu geeignet. Der 24-Jährige agiert ohnehin viel lieber mittig als auf den Flügeln. Doch Ingvartsen ist weniger Verbindungsspieler, sondern mehr zweite, hängende Spitze rund um einen Stoßstürmer.

Für einen Systemwechsel zum 4-4-1-1 spricht, dass Union derzeit keine drei fitten Innenverteidiger hat. Nico Schlotterbeck braucht noch, auch wenn er laut Fischer „auf einem guten Weg“ sei. Bei Florian Hübner weiß keiner, wann die Adduktoren mitspielen und wann nicht. Julian Ryerson war im Derby auf ungewohnter Position angesichts seiner nicht vorhandenen Gardemaße gar nicht mal so übel. Aber eine Ideallösung ist der 23-Jährige da nicht. Besser wäre der US-Norweger zweifelsohne hinten rechts oder auf der Sechserposition aufgehoben.

Nicht unwahrscheinlich erscheint auch eine Rückkehr zu einem 3-4-3, das im Vorjahr die Köpenicker so stark interpretierten, dass es zum vorzeitigen Klassenerhalt langte. Denn mit der baldigen Rückkehr von Keita Endo hat Fischer gerade auf den Flügeln eine große Auswahl. Mit Marius Bülter, Sheraldo Becker, Akaki Gogia und dem Japaner sowie Ingvartsen buhlt ein Quintett um Berücksichtigung. Pfeilschnelle Konter über die Außen bei einer massierten Mitte waren zuletzt für Bremen und Leipzig Mittel, den Bayern beizukommen. Und die stehen ja als nächster Gegner an.