Berlin-KöpenickWenigstens um eine Personalie muss sich Oliver Ruhnert nun nicht mehr kümmern – seine eigene. Der Kaderplaner des 1. FC Union verlängerte seinen Vertrag pünktlich zum Weihnachtsfest vorzeitig und bleibt den Eisernen nun, wie schon Trainer Urs Fischer, langfristig erhalten, auch wenn auch in seinem Fall über eine konkrete Vertragslaufzeit Stillschweigen vereinbart wurde.

Doch darüber hinaus hat der 49-Jährige alle Hände voll zu tun. Weil in diesem in vielerlei Hinsicht so ungewöhnlichen Spieljahr 2020/21 die Winterpause wegfällt, muss der Manager praktisch „am offenen Herzen“, also während des laufenden Trainings- und Spielbetriebs, nach Verstärkungen für den ohnehin schon ziemlich starken Kader des Bundesligisten suchen und sieht sich dabei gleich mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert.

Klar ist aber: Verstärken wollen sich die Köpenicker gerne. Vor allem in der Offensive, wo derzeit noch immer Taiwo Awoniyi die einzige Option im Sturmzentrum ist, weil Joel Pohjanpalo und Anthony Ujah weiterhin verletzt ausfallen. „Wir sind in einigen Bereichen personell auf Kante genäht“, weiß auch Ruhnert, der selbst überrascht war, wie schnell sich Leihgabe Awoniyi in der Wuhlheide akklimatisiert hat. Das sei ebenso keine Selbstverständlichkeit wie die Erwartung, dass der 23-Jährige dieses Niveau auch in den kommenden Spielen bestätigen und halten kann.

Doch wann Pohjanpalo und Ujah echte Alternativen für Urs Fischer sind, ist noch ungewiss. Der Finne, der sofort nach seinem Leihwechsel von Bayer 04 Leverkusen eingeschlagen ist, erholt sich derzeit von einer Sprunggelenksoperation, der Nigerianer von einer Arthroskopie, nach der sich Flüssigkeit im operierten Knie gebildet hatte. Ujah sollte eigentlich längst wieder zur Verfügung stehen. Vor allem sein Beispiel offenbart: Nominell hätten die Eisernen ja Alternativen, nur ist das Warten auf deren Spielfähigkeiten ein riskantes Unterfangen, weil es eben keine Gewissheit gibt, wann denn nun einer der beiden Verletzten Awoniyi endlich entlasten kann.

Auf der anderen Seite ist aber auch ein Transfer keine ultimative Lösung. Zunächst mal spielt der wirtschaftliche Aspekt einer solchen Ergänzung eine Rolle. Dazu erklärte Oliver Ruhnert schon vor dem Ausscheiden aus dem Pokal, das die Eisernen allein 700.000 Euro Preisgeld kostete: „Wirtschaftlich haben wir fast keine Möglichkeiten. Alle Optionen, die wir uns im Sommer mal überlegt hatten, können wir im Moment einfach nicht realisieren.“ Gemeint ist beispielsweise U21-Nationalstürmer Florian Krüger vom FC Erzgebirge Aue, dessen positive Entwicklung auch der im Angriff ebenfalls dünn besetzte 1. FC Köln beobachtet.

Mané, Malli: Richtige Knaller verpflichteten die Eisernen zuletzt nicht

Und selbst wenn Krüger finanziell realisierbar wäre, stellt sich die Frage, wie man mit der Konkurrenzsituation verfährt, wenn alle Angreifer wieder gesund und an Bord sind. Das ist ohnehin der wichtigste Aspekt in den Transferplanungen der Köpenicker: die Teamchemie. Die galt zuletzt als wichtigstes Element für den überraschenden Erfolg der Unioner in der Bundesliga. Mit anderen Worten: Wenn ein neuer Spieler kommt, muss er menschlich in die Mannschaft passen. Ein Fehlgriff könnte die gute Stimmung ganz schnell herunterziehen.

Und so richtige Knaller verpflichteten die Eisernen in den vergangenen Jahren im Wintertransferfenster eher nicht. Im Aufstiegsjahr fand der Portugiese Carlos Mané den Weg nach Köpenick, um den Unionern den letzten Push zum Aufstieg zu geben, an dem er schlussendlich aber kaum Anteil trug. Und in der vergangenen Saison war es der türkische Nationalspieler Yunus Malli, der zwar auf 13 Einsätze kam, seine Qualitäten mit einer einzigen Torvorlage aber nur geringfügig unterstreichen konnte.

Allerdings: Sowohl Malli als auch Mané galten jeweils als echte Überraschungszugänge, denen man eher größere Aufgaben als ein Engagement bei den Eisernen zugetraut hätte. Was zumindest zeigt, dass Oliver Ruhnert in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen hat, dass er auch mit begrenzten finanziellen Mitteln einen Weg findet, sowohl auf die Schwächen als auch auf die jeweiligen Bedürfnisse des Kaders adäquat eingehen zu können. Was die langfristige Bindung des eisernen Kaderplaners nur umso wertvoller macht.