Berlin-KöpenickUwe Neuhaus zuckte kurz und kaum merkbar zusammen, als Urs Fischer nach dem 5:0 (3:0) seines 1. FC Union gegen Neuhaus' Arminia Bielefeld trocken zu Protokoll gab, dass er dabei bleibe, dass es „ein Spiel auf Augenhöhe war“. Minuten zuvor hatten die Eisernen die Ostwestfalen nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. Umso deutlichere Worte fand Neuhaus: „Das war die absolut schlechteste Leistung, seit ich hier bin. Wäre es möglich gewesen, hätte ich zur Halbzeitpause alle ausgewechselt.“ Sein Kapitän Fabian Klos schlug in eine ähnliche Kerbe: „Das war eine Katastrophe von der ersten bis zur letzten Sekunde. Wir haben sehr auf die Fresse bekommen.“

So waren die respektvollen Worte Fischers sicherlich wohl gemeint, er wollte Neuhaus und seiner geschundenen Truppe freilich nicht noch den Gnadenstoß verpassen, doch alle im Stadion An der Alten Försterei hatten erlebt, dass sich beim höchsten Sieg der Eisernen in der Bundesliga wenig auf Augenhöhe zwischen den Kontrahenten abspielte. Unions Kapitän Christopher Trimmel sprach von einem „beinahe perfekten Spiel“ seiner Eisernen, Torschütze Robert Andrich von einem „überragenden Sieg mit einer richtig geilen Leistung“.

Was die Köpenicker, nach ohnehin schon starken Leistungen in den vergangenen Wochen, gegen Bielefeld auf den Rasen brachten, war in der Tat allererste Bundesliga-Klasse. Nach nur drei Minuten brachte der aufgrund von Marius Bülters Corona-Infektion in die Startelf gerutschte Japaner Keita Endo die Eisernen in Führung, profitierte dabei von der ersten tollen Kombination von Max Kruse und Sheraldo Becker an diesem Nachmittag, von denen es im weiteren Spielverlauf noch so einige geben sollte.

Immer wieder fand der Bundesliga-Routinier Kruse, der schon wieder an vier der fünf Tore beteiligt war, den pfeilschnellen Senkrechtsstarter aus den Niederlanden, der mit seiner uneigennützigen Vorlage auf Endo auch eine Lehrstunde an Teamgeist erteilte. Dass sich Becker, der bis dahin sehnsüchtig auf sein erstes Tor gewartet hatte, beim 3:0 schließlich auch noch selbst belohnen konnte, rundete diesen schier perfekten Nachmittag noch weiter ab.

Doch war es nicht etwa nur das Trio, bei dem sich Keita Endo nach 20 Minuten verletzungsbedingt auswechseln lassen musste, das am Sonnabend allein für Schlagzeilen sorgte. Da war auch Robert Andrich, der mit dem 2:0, seinem zweiten Saisontor, seine Offensiv-Ambitionen erneut untermauerte und für das Team wohl so wichtig ist wie nie zuvor.  Auch Joel Pohjanpalo ist hervorzuheben, der in der Sturmspitze mit zahlreichen festgemachten Bällen und hilfreichen Laufwegen Räume riss und dabei eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass Stürmer in einem funktionierenden Team nicht immer an Toren gemessen werden müssen.

Comeback von Gogia, Debüt für Maciejewski

Auffällig war auch Andy Gogia, der nach seinem bösen Kreuzbandriss in der Vorsaison sein Debüt in diesem Spieljahr feiern konnte und mit seiner unkonventionellen Spielweise unterstrich, dass er weiterhin eine sichere Option für Urs Fischer ist. Und nicht zu vergessen Cedric Teuchert, der schon seinen zweiten Treffer als Joker erzielen konnte und immer mehr Selbstbewusstsein dazugewinnt. Und schließlich gab der junge Tim Maciejewski sein Profidebüt für den 1. FC Union und konnte erstmals Bundesligaluft schnuppern.

Fischer selbst hatte nach der Partie noch ein weiteres Highlight ausgemacht: die Defensive. „Ich bin sehr zufrieden damit, dass die Mannschaft über 90 Minuten nicht nachgelassen hat, auch nach dem 3:0 nicht. Uns war sehr wichtig und das haben wir auch in der Halbzeitpause besprochen, dass wir kein Gegentor kassieren.“ Gerade nach dem phasenweise wilden 3:1 bei der TSG Hoffenheim, das mit etwas Pech auch anders hätte ausgehen können, genoss es der Trainer, dass die Hintermannschaft um Christopher Lenz, Marvin Friedrich, Robin Knoche, Christopher Trimmel und Torwart Andreas Luthe den Gästen zu keiner Zeit auch nur einen Zentimeter Raum ließ. Dass daran auch die anderen Mannschaftsteile beteiligt waren, erklärt sich von selbst.

Und so war der souveräne Sieg der Eisernen gegen Bielefeld schließlich vor allem eine überragende Mannschaftsleistung eines Teams, in dem Jeder für Jeden einsteht, Fehler korrigiert und bereit ist, die Erfolgserlebnisse zu teilen, um als Mannschaft voranzukommen. Vielleicht ist das die größte Entwicklung der Eisernen in diesem Jahr: Dass es ihnen gelungen ist, mit entsprechenden personellen Ergänzungen aus einer funktionierenden Mannschaft eine so verschworene Einheit zu formen. Mit diesen Eisernen auf Augenhöhe zu kicken, ist für jeden Gegner schwer.