Berlin-Köpenick - Sichtlich betroffen reagierte Urs Fischer am Montag auf die Nachricht, von der er selbst erst kurz zuvor erfahren hatte. Die Entlassung von Trainer Uwe Neuhaus bei Arminia Bielefeld, dem nächsten Gegner des 1. FC Union, beschäftigte auch den Übungsleiter der Eisernen. Sei es, weil Neuhaus bis heute an der Alten Försterei einen gewissen Legendenstatus innehat, oder, wie er selbst bekräftigte, „weil es zum Beruf des Trainers dazugehört“ und doch irgendwie zum Nachdenken anregt. Uwe Neuhaus, Ex-Schalke-Trainer Christian Gross „und ich, wir sitzen alle im selben Boot“, philosophierte der Schweizer, bekräftigte aber: „Mitleid wäre die falsche Emotion.“

Die Eisernen sind nicht an ihre Grenzen gegangen

Da wollte Fischer doch lieber über das 1:1-Remis gegen die TSG Hoffenheim sprechen, ein Ergebnis, das, der 55-Jährige empfand es wie die Beobachter, „ein glücklicher Punkt war. Hoffenheim hat es uns sehr schwer gemacht und wir hatten sicher auch nicht unseren besten Tag, insbesondere im Spiel gegen den Ball.“ Der Trainer ergänzte: „Jedes Team muss in dieser Liga an seine Grenzen gehen, um ein Spiel zu gewinnen.“

Das war den Eisernen gegen die Kraichgauer nicht gelungen. Vor allem im Spielaufbau waren gewisse Umstellungsprobleme von den aktuell verletzten Sheraldo Becker und Taiwo Awoniyi auf die zuletzt wieder genesenen Joel Pohjanpalo und Max Kruse bemerkbar, das Resultat waren Ballverluste, die sich in Chancen für die Gäste verwandelten, weil die Köpenicker nicht ganz so viel Druck in ihr Pressing bekamen wie sonst. Mehr als einmal musste Torwart Karius für die Hausherren retten.

Umso enttäuschender dürfte es für den 27-jährigen Leihspieler des FC Liverpool sein, dass seine kurze Zeit als Nummer eins im Tor der Eisernen bereits am kommenden Wochenende vorbei sein könnte. Denn nach der Rückkehr von Stammtorwart Andreas Luthe, der nach einem Krankheitsfall in der Familie einige Tage von allen sportlichen Aufgaben freigestellt war, wird Karius wieder ins zweite Glied rücken. Das bekräftigte auch Urs Fischer, der sich von Anfang an darauf festgelegt hatte, dass Luthe nach seiner Rückkehr wieder das Tor von Union hüten werde.

„Loris hat das in den vergangenen Wochen sehr gut gemacht, es gibt überhaupt nichts zu bemängeln. Für mich war es entscheidend, dass er überhaupt bereit war. Doch ich denke, ich muss nicht erklären, dass Andreas Luthe die Nummer eins ist, wenn er zuvor 21 Spiele lang für uns im Tor stand.“ Dennoch lobte der Schweizer den Arbeitseifer seines Ersatzkeepers: „Manchmal war er fordernd, manchmal hat er sich zurückgehalten. Manchmal hat er auch einfach Spaß gehabt. Er hat das alles in allem so ausgefüllt, wie ich mir das vorstelle.“

Luthe ist ein Führungsspieler

Dass Kollege Luthe von Fischer dennoch eine Stammplatzgarantie erhält, liegt sicher zu einem gewissen Anteil an den Umständen seines Fehlens. Selbst wenn Karius in seinen drei Einsätzen auf Weltklasseniveau gehalten hätte – wie hätte Fischer Luthe erklären sollen, dass er seinen Stammplatz verloren hat, weil er in diesem schweren Moment bei seiner Familie sein wollte? Andererseits offenbart das Treuebekenntnis auch, welch hohe Meinung der Schweizer von dem Routinier hat und wie stark des Vertrauen in die Fähigkeiten von Luthe sind, die freilich über die rein sportlichen Qualitäten hinausgehen. Der Keeper hat sich in den letzten Monaten deutlich als genau der Spielertyp offenbart, den andere Bundesligisten händeringend suchen: als Führungsspieler.

Luthe als einen solchen abzusägen – noch dazu mit dem Grund seiner Abwesenheit – wäre für Fischer nicht denkbar, ja, nicht einmal möglich. So ist es ganz natürlich, dass der 33-Jährige wohl schon gegen Arminia Bielefeld am kommenden Sonntag ins Tor der Eisernen zurückkehrt. Überhaupt war es eher überraschend, dass Luthe nicht schon gegen Hoffenheim den Kasten hütete. „Er war für dieses Spiel, sowohl körperlich als auch aufgrund der mentalen Verfassung, noch nicht bei 100 Prozent“, erklärte Trainer Fischer dazu, betonte aber: „Andi hat zuletzt ganz normal trainiert, und wenn das in dieser Woche genauso läuft, gehe ich, ohne vorgreifen zu wollen, auch davon aus, dass einem Einsatz in Bielefeld nichts im Wege steht.“

Was die Eisernen dort allerdings erwartet, ist nach der eingangs erwähnten Entlassung von Uwe Neuhaus noch ungewiss. „Schwer zu sagen, ob das ein Nachteil ist. Schauen wir mal, wer der Neue ist“, sah Trainer Fischer dann doch noch das Positive in der ansonsten unschönen Nachricht.