Berlin-Köpenick - Neblig, schneeregnerisch und trüb war die vergangene Woche am Trainingsgelände des 1. FC Union am Stadion An der Alten Försterei. Jedoch blies keiner der eisernen Profis Trübsal – im Gegenteil, die Laune war und ist derzeit bestens bei den Unionern. Das sportliche Abschneiden in der bisherigen Saison ist natürlich ein Grund, wenn auch nicht der einzige. Viel mehr ist es die Gesamtsituation, die dazu führt, dass die Eisernen fast schon tiefenentspannt in die letzten Spiele der Hinrunde gehen können – obwohl da Größen wie Bayer 04 Leverkusen, RB Leipzig und – am Sonnabend um 15.30 Uhr – der VfL Wolfsburg warten.

Was so nicht unbedingt zu erwarten war. „Ich bin schon überrascht, dass es so gut läuft. Wir hatten einen großen Umbruch vor der Saison. Man weiß nie, wie schnell sich die Spieler integrieren und wie schnell sie fit werden. Bis jetzt ist es fast ideal gelaufen“, erklärte beispielsweise unter der Woche Christopher Trimmel im Podcast „Der Sechzehner“ von Sky-Kommentator Michael Born und Trainer Ewald Lienen. Mit der Teamchemie nannte der eiserne Kapitän da auch gleich einen Aspekt, der zur entspannten Stimmung bei den Köpenickern beiträgt. „Ich glaube, es ist eine sehr, sehr große Stärke, neue Spieler zu integrieren, einfach jeden Spieler so zu nehmen, wie er ist“, präzisierte der Österreicher und nannte unter anderem Max Kruse, der in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch als „schwieriger Charakter“ gilt als Beispiel: „Da gehören Ecken und Kanten dazu. Und das ist bei Max definitiv so. Und das kann er bei uns ruhig ausleben.“

Favoritenrolle klar beim VfL Wolfsburg

Neben der Teamchemie stimmt die Unioner auch die Tatsache fröhlich, dass es in den nächsten drei Spielen, den letzten vor der Rückrunde, eigentlich nicht mehr viel zu verlieren gibt. Wie schon in den Spielen gegen den FC Bayern München (1:1) und Borussia Dortmund (2:1) haben die Eisernen auch gegen Wolfsburg, Leverkusen und Leipzig ohnehin schon wenig zu verlieren und mit ihren 24 Punkten ein ordentliches Polster, um etwaige Punktverluste beruhigt abfedern zu können.

Dass die Gäste aus Wolfsburg trotz gleicher Punktzahl noch immer als Favorit in das Spiel am Sonnabend gehen, bekräftigte auch Ex-Wolfsburger Robin Knoche: „Wir müssen uns jetzt nicht verstecken, aber wir wissen auch, dass das gerade eine Momentaufnahme ist. Ich glaube, die Favoritenrolle müssen wir schon noch dem VfL überlassen, so ehrlich können wir sein.“ 

Unions Trainer Urs Fischer warnte indes, wie schon fast gewohnt, noch ein wenig schärfer vor den Niedersachsen: „Wir müssen wirklich einen sehr guten Tag erwischen. Wir können uns keine Halbzeit erlauben, wo man nicht im Spiel ist.“ Der Schweizer erinnerte in seiner Ansprache auch ein wenig an das enttäuschende letzte Heimspiel, das 2:3 im DFB-Pokal gegen den SC Paderborn, der den Eisernen als Zweitligist durchaus vor Augen führte, dass die Leistungen der vergangenen Wochen, ja Monate, keine Selbstverständlichkeit, sondern harte Arbeit sind.

Auch deshalb tat der Dämpfer spät im Dezember noch einmal ganz gut, um die Sinne zu schärfen, ehe der 2:0-Erfolg in Bremen am vergangenen Wochenende die nötige Lockerheit zurückgab, die die Eisernen in dieser Saison und derzeit ohnehin auszeichnet. Dass die auch nicht so schnell wieder verfliegen wird, haben sich die Köpenicker mit ihren Leistungen ebenso hart erarbeitet. „Union ist eine sehr positive Überraschung in der Bundesliga. Es ist eine Mannschaft, die schwierig zu bespielen ist, weil sie sehr körperbetont und aggressiv spielt. Das wird eine schwierige Aufgabe für uns“, warnte deshalb auch Gäste-Trainer Oliver Glasner und es klang wie ein Kompliment. Kein Grund für die Unioner also, die Gelassenheit zu verlieren.