Berlin-Köpenick - Am Dienstag wurde es für Christopher Lenz kurz unangenehm. Trainer Urs Fischer nahm ihn zur Seite und fragte ihn, was beim 0:1 gegen den VfL Wolfsburg losgewesen sei, als der Linksverteidiger des 1. FC Union seinen Gegenspieler Renato Steffen beim Eckball sträflich alleingelassen hatte und der zur Gästeführung köpfen konnte. „Ich habe ihm gesagt, dass ich mich dumm angestellt habe“, erklärt Lenz kurz darauf, „und dass das nicht wieder vorkommen wird.“

Eine Szene, die bestens zur Entwicklung des 26-Jährigen bei den Eisernen passt. Der defensive Flügelspieler scheint sich mit jeder Saison zu verbessern, immer dazuzulernen, und offenbart dabei eine schier unstillbare Lust daran, sich taktisch weiterzubilden. Keiner im Team der Köpenicker kann die Spielweise der Mannschaft so eloquent erklären wie der Marienfelder, für den sein Aufgabengebiet keine Jobbeschreibung, sondern echte Leidenschaft zu sein scheint.

Lenz schwärmt von Alphonso Davies

In seiner Freizeit studiert Lenz gerne andere Linksverteidiger, schaut sich an, wie sie ihre Position interpretieren. Besonders beeindruckt war er zuletzt von Alphonso Davies vom FC Bayern. „Keiner hat die Position so unglaublich gespielt wie er“, schwärmt Lenz, ergänzt dann lachend: „Der ist aber gefühlt auch 30 km/h schneller als ich.“

Noch eifriger geht der Verteidiger seine eigene Fehleranalyse an. Vor dem Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen erinnert er sich an seine Gelb-Rote Karte im DFB-Pokal-Viertelfinale in der vergangenen Saison: „Ich bin mir sicher, hätte ich die nicht gesehen, hätten wir gewonnen.“ Schon im Rückspiel in der Liga hätten die Unioner, die im Hinspiel (0:2) noch viel Lehrgeld gezahlt hatten, gewinnen können, sagt Lenz, „doch dann haben wir das dumm verloren.“

Das soll am Freitag nicht passieren. „Ich denke, Leverkusen wird wieder eklig gegen uns sein, aber ich bin mir sicher, dass die das auch von uns denken“, erklärt der 26-Jährige und bekräftigt damit auch die Tatsache, dass die Eisernen aus den drei Niederlagen gegen die Werkself in der Vorsaison gelernt haben. Für das letzte Quäntchen Vorbereitung will Lenz auch das Pokalspiel der Leverkusener gegen Eintracht Frankfurt am Dienstagabend anschauen.

Vor allem seine Gegenspieler Leon Bailey und Moussa Diaby. „Ich schaue mir an, wie sie sich bewegen, wer wann welchen Fuß nimmt“, erklärt er, der darüber hinaus aber auch ein Auge auf die Defensive von Bayer werfen will. Denn auf ein erstes Bundesligator wartet Lenz noch. „Wenn ich schon mal vor das Tor komme“, so wie zuletzt in Unions Formation mit einer Dreierkette vor dem Tor, „dann will ich natürlich auch mal einen reinmachen“, sagt er.