Berlin-Köpenick - Es war nicht so, dass das Gerücht, das die Bild im Laufe der Woche streute, komplett von der Hand zu weisen war. Denn jeder, der sich ein bisschen in die Materie einliest, dürfte erkennen, dass Alexander Nübel, derzeit die nicht vollends zufriedene Nummer zwei im Tor des FC Bayern München, hervorragend zum 1. FC Union passen würde. Der gebürtige Paderborner kickte mit Abwehrchef Marvin Friedrich zunächst zusammen im Nachwuchs der Ostwestfalen, ehe beide zum FC Schalke 04 wechselten. Initiator beider Transfers war: Oliver Ruhnert, natürlich! Und sportlich wäre der 24-Jährige, der 2020 vom Rekordmeister unter viel Getöse als künftiger Nachfolger für Rekordtorwart Manuel Neuer, ebenfalls ein früherer Schalker, verpflichtet wurde, eine echte Bereicherung für die Köpenicker.

Doch nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung dementierte Nübels Berater Stefan Backs bei Transfermarkt.de Gespräche mit den Eisernen, die Münchner Abendzeitung – warum auch immer die sich für die Kaderplanung der Köpenicker interessiert – brachte stattdessen den Schalker Torwart Frederik Rönnow ins Spiel. Der Däne, 28 Jahre alt, ist derzeit noch von Eintracht Frankfurt an den Absteiger ausgeliehen, wo er sich in elf Spielen (24 Gegentore) aber nicht durchsetzen konnte.

Andreas Luthe „nicht unumstritten“?

Ob Rönnow tatsächlich eine Option für den 1. FC Union ist, blieb bis zum Ende der Woche noch offen. Fakt ist aber, dass sich etwas auf der Torwartposition der Eisernen tun wird – das zeigen nicht nur die Gerüchte selbst, sondern auch die genannten Namen. Interessant war dabei auch die öffentliche Wahrnehmung von Stammtorwart Andreas Luthe. Die Bild schrieb, Luthe sei „nicht unumstritten“. Dabei hat der 34-Jährige in der laufenden Saison 28 von 31 möglichen Bundesliga-Startelfeinsätzen absolviert, zwei der drei übrigen verpasste er aus persönlichen Gründen, einen verletzt. Abgesehen vom Derby gegen Hertha BSC im Dezember (1:3), blieb Luthe in allen anderen Partien ohne echte Fehler, selbst die Treffer im Olympiastadion sorgten im Anschluss eher für Diskussionen als für Gewissheit, dass der Routinier allein an ihnen Schuld trug.

So ließ auch Trainer Urs Fischer keinen Zweifel daran, dass er mit aller Konsequenz auf Luthe als Nummer eins baut – auch wenn er es sich damit mit seiner Nummer zwei, der namhaften Leihgabe vom FC Liverpool, Loris Karius, verscherzte. Der 27-Jährige hielt zwar nach außen hin die Füße still und reihte sich artig in die vom Trainer bestimmte Hierarchie ein, deutete in seinen seltenen Statements jedoch immer wieder an, unzufrieden mit seiner Rolle zu sein. Sein Bleiben ist so unrealistisch wie die tatsächliche Integration von Eigengewächs Lennart Moser in den Spieltagskader. Der 21-Jährige, der im Vorjahr noch mit Cercle Brügge die belgische Jupiler Pro League aufmischte, kommt bei seinem Leihverein Austria Klagenfurt in der zweiten österreichischen Liga gerade einmal auf zwei Einsätze (drei Gegentore). Moser, Vertrag bis 2023, dürfte erneut verliehen werden.

Was zurück zu der Frage führt, die die Bild mit dem Prädikat „nicht unumstritten“ leise impliziert hat: Suchen die Eisernen eine Nummer eins oder einen sicheren, routinierten Ersatzmann, der das Potenzial hat, Luthe Druck zu machen? Wollen sich die Köpenicker auf der Torwartposition tatsächlich verändern und in einen offensiven, spielstarken Keeper investieren oder bleibt Urs Fischer dabei, dass sein Torwart vor allem Ruhe und Ordnung auf seine Vorderleute ausstrahlen soll?

„Königslösung“ Luca Unbehaun

Im letzteren Fall würde ein Transfer wie der von Frederik Rönnow, der es immerhin auf acht Länderspiele bei der dänischen A-Nationalmannschaft bringt und durchaus mehr Qualität hat, als seine Saison bei den Königsblauen vermuten lässt, Sinn ergeben. Fraglich ist jedoch, welche Ablöse die Frankfurter für den noch bis 2022 gebundenen Keeper erwarten. Was gleichsam gegen einen spielstarken Neuzugang spricht, ist die Tatsache, dass die Eisernen einen solchen ja ein komplettes Jahr auf der Bank sitzen hatten. Es wäre für Fischer jederzeit ein Leichtes gewesen, den hochdekorierten früheren Champions-League-Finaltorwart Karius ins Tor zu beordern, vor allem, als der während Luthes Abwesenheit ordentliche Leistungen zeigte.

Einer, der in beiden Fällen aus dem Raster fällt, ist indes Luca Unbehaun. Der 20 Jahre alte Profi bei Borussia Dortmund, der zuletzt ebenfalls mit Union in Verbindung gebracht wurde, sieht keine Perspektive mehr beim BVB und wäre einer, mit dem die Eisernen, eine entsprechende Entwicklung vorausgesetzt, auch in die Zukunft gehen könnten. Einer, der das Potenzial des gebürtigen Bochumers bestens einschätzen kann, ist ausgerechnet Andreas Luthe. Die beiden kennen sich aus ihrer Zeit beim VfL Bochum. Ein Torwartgespann mit Luthe als verlässlichem Stammtorwart und Unbehaun als ebenso verlässlichem Lehrling und Nachfolger, wäre wohl in jederlei Hinsicht die beste Variante.

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