Dass Collin Quaner nach einem Spiel des 1. FC Union Berlin noch einmal der gefragteste Mann sein würde, daran haben nicht mehr viele geglaubt. Wer den 25-Jährigen, der sich selbst als einen ruhigen Charakter beschreibt, nach der Partie gegen Dynamo Dresden in der Mixed Zone beobachtete, hätte fast denken können, dass dieser Rummel selbst ihm etwas merkwürdig vorkam.

Seine zwei wichtigen Tore am Montagabend erzielte er in feinster Mittelstürmermanier. Abstauben sagen die einen; er stand da, wo ein Torjäger stehen muss, sagen die anderen. Am Ende ist all das auch Haarspalterei, denn Collin Quaner, der von vielen eigentlich schon abgeschrieben war, sendete eindrucksvolle Lebenszeichen durchs ausverkaufte Stadion an der Alten Försterei.

Druck auf das gegnerische Tor

Dabei war es gar nicht so schwer gewesen, ihn aus den Augen zu verlieren. In der vergangenen Saison stand Collin Quaner lediglich in 15 Ligaspielen auf dem Rasen. Nur eines, das in Fürth, bestritt er über die vollen 90 Minuten. In den Partien in denen er sich von Anfang an präsentieren durfte, wirkte er oft wie ein Fremdkörper. Der 1,91 Meter große Profi fand nicht selten schwer ins Spiel. Seine eigentliche Stärke konnte er nie einsetzen. Quaner macht für gewöhnlich mit dem Ball Tempo und Druck auf das gegnerische Tor.

Umso überraschender wirkte dann bereits sein Auftritt vergangene Woche in Bochum, als er in der 70. Minute Kenny Prince Redondo ersetzte. Plötzlich war er nicht mehr der Deplatzierte, der krampfhaft seine Rolle im System suchte und nicht fand, sondern einer, der den Ball halten konnte und sogar ab und an mit starken Einzelaktionen glänzte. Er fühlte sich fit. Die Vorbereitung lief gut unter einem neuem Trainer ohne Vorurteile und Gedanken an das Gestern. Für Fußballer ist Warten eine unerträgliche Situation der Ungewissheit. „Ich bin hier, trainiere, gebe Vollgas und arbeite auf solche Tage hin“, sagt Collin Quaner kämpferisch.

Nun also diese zwei Tore, mit denen er seine Bilanz aus der vergangenen Saison mit den Treffern im DFB-Pokal gegen Viktoria Köln und im Auswärtsspiel in Karlsruhe schon egalisiert hat. So richtig glücklich machen sie ihn dennoch nicht, sagt er: „Die Energie, die speziell nach dem 2:1 auch von außen rüber kam, war Wahnsinn. Umso bitterer ist es, dass wir nicht gewonnen haben.“

Dass es am Ende keine drei Punkte gab, kann man Quaner nicht einmal ansatzweise ankreiden. In der ersten Hälfte holte er sich Bälle phasenweise an der Mittellinie. Das mangelhafte Umschaltspiel der Unioner zwang ihn regelrecht dazu. So glänzte er individuell, setzte sein persönliches Achtungszeichen – und steht dennoch mit halbleeren Händen da. „Die Enttäuschung überwiegt schon“, sagt er.

Damit ist er nicht allein. Im Spiel gegen Dresden führte Union in nahezu allen Statistiken, angefangen beim Ballbesitz, aufgehört bei Torversuchen. Nur war diese Dominanz phasenweise zu beobachten und dabei nicht einmal konsequent. Während Innenverteidiger Toni Leistner nach den 90 Minuten aufgrund der hohen Erwartungshaltung von innen und außen schon von einem Fehlstart sprach, sieht Collin Quaner noch nicht allzu schwarz. Doch er fordert: „Wir haben ein gemeinsames Ziel, und diesem Ziel muss sich jeder persönlich unterordnen.“

Rückkehr ins zweite Glied?

Für ihn gilt das umso mehr, da er ja eigentlich nur Ersatz für den verletzt fehlenden Philipp Hosiner ist. Dass Quaner wieder ins zweite Glied rückt, sobald der zurückkommt, ist nicht unwahrscheinlich. Schließlich wurde der Österreicher als Ersatz für Bobby Wood verpflichtet. Als nach dessen Wechsel lange über einen adäquaten Nachfolger gerätselt wurde, hätte wohl niemand gedacht, dass der sich schon lange in den Reihen des 1. FC Union Berlin befand.

Collin Quaner lacht kurz und sympathisch, wenn man ihn darauf anspricht. Sich darüber Gedanken zu machen, überlässt er dann doch lieber den anderen.