BerlinEs gab mal eine Zeit in dieser Republik, da konnten landauf, landab alle den aus Emden stammenden Blödelbarden Otto Waalkes rezitieren. Die Karriere des Ostfriesen entstammt ja einer Zeit ohne Internet, diverse TV-Programme oder Social Media. Für den sonnabendlichen 1:1-Kick des 1. FC Union gegen den SC Freiburg scheint sein berühmter Sketch „Das Wunder des Ärgerns“ allerorts Pate gestanden zu haben. 

Denn hüben wie drüben herrschte Unzufriedenheit. Freiburgs kultverdächtiger Übungsleiter Christian Streich wirkte angefressen nach der Partie, die den Breisgauern einen schmeichelhaften Punktgewinn beschert hatte. „Das 1:1 war schrecklich, weil das extrem einfach war für Union, weil wir Andrich nicht aufnehmen und wir ihn einfach laufen lassen“, beklagte der 55-Jährige das Defensivverhalten seiner Mannen. Immerhin gab er hinterher zu, dass ihn am Auftritt seiner Truppe noch deutlich mehr geärgert hatte. „Wir müssen sagen, dass Union gut war. Wenn jemand hätte gewinnen sollen an dem Tag, dann wäre es eher Union gewesen als wir“, so der dienstälteste Trainer der Liga.

Auch sein ein Jahr jüngerer Kollege in Köpenicker Diensten war nicht wirklich zufrieden. Wahrscheinlich hätte er auch gerne wie einst Otto sein Großhirn aufgefordert, die Hände vor Wut zur Faust zu ballen. „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung, aber mit einem Punkt dürfen wir nicht zufrieden sein. Wenn man so einen Aufwand betreibt, muss man das Spiel gewinnen“, so Urs Fischer. 

Noch deutlicher wurde da Marvin Friedrich, der kurz vor Schluss beinahe mit einem Kopfball und einem strammen Schuss die Wendung im Spiel herbeigeführt hätte. „Ich denke, wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft, Freiburg hatte kaum Torchancen. Das 1:0 erwischte uns eiskalt. Die hatten vorher nicht einen Torschuss. Wir hätten die drei Punkte hierbehalten müssen“, haderte Unions Abwehrchef mit dem Resultat. 

Ähnlich zwiegespalten war man auf den Rängen. Zum einen sichtlich stolz, dass man das Gesangsverbot eingehalten, durch lautes Klatschen und den Einsatz von Knarren und Topfdeckeln aber Atmosphäre herbeigezaubert hatte. Dennoch schlich sich unter den Stolz das Gefühl, dass ungewünschte Elemente Einzug in das Ballhaus des Ostens gehalten hatten. Dort erfährt Ablehnung, was nicht durch Stimmbänder hervorgerufen werden kann. Topfdeckel & Co. sind zwar alle Mal besser als Klatschpappen, als Hilfsmittel aber verpönt. Robert Andrich, der die Schockwirkung des Rückstandes (34.,  Vicenzo Grifo) nur 111 Sekunden  später mit dem Ausgleich abgemildert hatte, staunte nicht schlecht: „Ein ungewöhnliches Gefühl. Das Geklatsche kennt man so nicht, normalerweise ist noch Gesang dabei. Wir lernen immer wieder etwas Neues kennen in Zeiten von Corona.“

Immerhin sein Trainer fand es gut. „Ein Kompliment an die Fans, das muss man auch mal sagen, wenn du nicht singen darfst. Das war ein Fußballspiel mit Stimmung“, meinte der Schweizer Fußballlehrer. 

Und so konnte Union am Ende mit dem Erreichten leben. Ärger langsam eindämmen, hieß die Devise gemäß des alten Otto-Klassikers. „Man kann sicher nicht immer als Sieger vom Platz gehen, die Leistung steht aber im Vordergrund“, so Fischer. Und es gilt: Je mehr die Leistung stimmt, desto höher die Wahrscheinlicht für die Zukunft, Spiele zu gewinnen.