Zwei, auf die es bei der Mision Klassenerhalt für den 1. FC Union ankommen wird: Torwart Andreas Luthe und Christian Gentner. 
Foto:  Matthias Koch

Bad WörishofenDer Ruf schallte von ganz hinten über den Platz. „Gutes Ding, Gente, gutes Ding“, lobte Unions Torsteher Andreas Luthe, als der Mittelfeldspieler einen weiten Abschlag des 33-Jährigen per Kopf gefährlich weitergeleitet hatte. Dass Christian Gentners Ablage im Anschluss nicht verwertet wurde, steht auf einem anderen Blatt und wurde danach von Trainer Urs Fischer entsprechend kommentiert.  

Alltag in einem Vorbereitungscamp, in dem für den 35-Jährigen alles gut läuft, bis auf eben die Plätze vielleicht. Die sind relativ tief und machen die Beine müde. Nicht umsonst verlegte Fischer schon eine Einheit weg von den Plätzen, setzte einmal mehr Übungen zur Stabilisierung an, statt den Ball auf dem Rasen laufen zu lassen. 

Alltag sind für Gentner auch die Testspiele. Selbst wenn die nun ein bisschen weiter entfernt sind, als manchem lieb ist. Am Freitag geht es im österreichischen Feldkirch – 149 Kilometer entfernt von Bad Wörishofen – gegen die WSG Swarovski Tirol. Tags darauf sind es immerhin auch noch 124 Kilometer bis nach Friedrichshafen. Am Bodensee messen sich die Köpenicker um 17.30 Uhr mit Liga-Konkurrent 1. FC Köln.

Ein guter Start kann uns lange helfen

Christian Gentner über Unions Auftaktprogramm

„Das ist halt dieses Jahr einfach ein bisschen schwieriger aufgrund der Situation, weil wir ja nur gegen getestete Mannschaften spielen können. Dass wir dann mal eine Anfahrtszeit haben, die ein bisserl länger ist, das geht anderen Mannschaften auch so“, meint der zweifache deutsche Meister. Die Testspiele, so der Routinier, seien wichtig, um Automatismen reinzukriegen, die Laufwege und Vorlieben der Neuen auf dem Platz kennenzulernen und zu verinnerlichen. „Es ist immer nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch ein wichtiger Faktor“, so Gentner.

Man müsse alles unterordnen dem großen Ziel, Union ein weiteres Mal in der Klasse zu halten. „Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit, das wäre genauso eine Sensation wie im Vorjahr“, weiß Gentner. Stuttgart sei für ihn kein normaler Aufsteiger. Bremen gehöre auch nicht unten rein. Bielefeld und Mainz, Köln und Augsburg gelte es, in Schach zu halten. 

„Diese Gegner müssen unsere Highlight-Spiele werden. Nicht Bayern, Dortmund oder Leipzig“, hat er einen klaren Plan davon, was wichtig wird in der kommenden Spielzeit. Von daher begrüßt er den Spielplan, der es anders als im Vorjahr mit den Eisernen gut zu meinen scheint. In der Premierensaison mussten die Köpenicker an den ersten sieben Spieltagen gleich gegen die Topteams mit internationalen Verpflichtungen ran. In dieser Saison sind in den ersten sieben Runden Augsburg, Mainz, die arg schwächelnden Schalker und Freiburg unter den Kontrahenten. Gegner auf Augenhöhe sozusagen. „Mit einem guten Start kannst du lange davon zehren“, weiß er um die Chancen, sieht aber auch das Risiko, das damit einhergeht. Wenn das irgendwie schiefgehen sollte, kämen die dicken Brocken im November und kurz vor Weihnachten, was dem Grundsatzziel Klassenerhalt hinderlich sein könnte.

Gentner lobt Kruse

Umso wichtiger sei es, dass Union die Lücken im Kader gefüllt hat. Und damit meinte er nicht die numerischen Vakanzen. Sondern, dass Spieler, die in der Kabine Gewicht gehabt hatten – er zählt Rafal Gikiewicz, Sebastian Polter, Keven Schlotterbeck, Michael Parensen und ausdrücklich Felix Kroos mit auf – passende Erben fänden. „Dass sich das Gesicht einer Mannschaft in einer Sommerpause verändert, ist normal. Was sehr, sehr positiv für uns ist, dass wir den Kader jetzt schon zusammen haben“, glaubt der 1,89 Meter große Mittelfeldspieler. Man müsse auf jeden Fall immer wieder – wie im Vorjahr – ans Limit gehen. Und da ist er guten Mutes. „Ich spüre den Hunger, die Gier bei allen, die da sind.“

Das Miteinander werde den Klassenerhalt entscheiden, so sein Credo. Denn qualitativ, da hat Gentner keine Zweifel, habe Union sich verstärkt. Keven Schlotterbeck habe man nahezu eins zu eins mit seinem Bruder Nico ersetzt. „Mit Robin Knoche haben wir einen erfahrenen Innenverteidiger dazugeholt, der viel erlebt hat in Wolfsburg“, sagt er. Mit Sebastian Griesbeck habe man zudem einen, der jahrelang ein sehr gutes Zweitliganiveau mit Heidenheim gespielt hat. „Der passt mit seinem Auftreten und seiner Mentalität total zu uns“, ergänzt er. Gentner ist auch überzeugt, dass Niko Gießelmann keine Anlaufschwierigkeiten haben wird. Keita Endo hingegen „muss man Zeit geben. Der ist unheimlich lernbegierig“. Max Kruse wollen die Eisernen so schnell wie möglich fit bekommen. „Ich glaube, über den brauchen wir gar nicht viel sagen. Von der Qualität her vermutlich der beste Spieler, der je bei Union gespielt hat.“ Wobei auch Gentners Rolle nicht zu unterschätzen ist.