Dirk Zingler weiß, was die Herzen der Anhänger des 1. FC Union höher schlagen lässt. „Wir haben den Beweis angetreten, dass eine Gemeinschaft mit gemeinsamen Zielen und Idealen Außergewöhnliches leisten kann“, lobpreiste der Präsident neulich. Auch die harte Kritik am Vorgehen der Polizei gegen Union-Fans in Kaiserslautern war ein kalkulierter Teil der Selbstinszenierung. Das gern präsentierte „Wir“ und die hehren Ideale, die besagen, dass bei Union die Freude am Spiel zähle und sonst nichts, sind die Ingredienzien des Zaubertranks, der den Verein so stark macht. Sie bergen auch ein Risiko.

Aggressionsfördernder Populismus

Das auf der Mitgliederversammlung beschworene Erfolgsrezept lautet: „authentisch bleiben“ und „das Handeln an denen ausrichten, die auch in schlechten Zeiten ins Stadion kommen“. Das Problem: Identifikation bedeutet immer auch Ab- und Ausgrenzung von anderen. Eine Nebenwirkung der Selbstinszenierung als Fan-Verein und des Fingerzeigs auf das Fehlverhalten von Polizisten, zeigte sich beim letzten Ligaheimspiel, als die Fankurve sang: „Alle Bullen sind Schweine.“

Dabei gibt es berechtigten Anlass zur Kritik. Unvergessen sind Szenen, als Sicherheitskräfte im August unter Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken einen Fanblock von Schalke 04 stürmten. Ein unverhältnismäßiges Vorgehen. Auch in Kaiserslautern hätte die Lage nicht eskalieren müssen. Als Scharfmacher aus Polizeikreisen gefällt sich Rainer Wendt, Vorsitzender der Polizistengewerkschaft. Zingler „unverantwortliches Gerede auf Kreisklassenniveau“ zu unterstellen und zu fordern, dass Unions Fanbeauftragter Lars Schnell in die Wüste geschickt werde, ist aggressionsfördernder Populismus, der den Brandherd vertuscht: die Notwendigkeit des Einsatzes vieler Bereitschaftspolizisten beim Fußball und Fehltritte Einzelner.

Generalverurteilungen, egal, von wem, helfen nicht. Dafür die Reaktion von Stadionsprecher Christian Arbeit auf den Bullen-Schmähgesang: „Das sind sie nicht.“