Bad Kleinkirchheim - Die Szene ist exemplarisch für die Hierarchieverschiebung im Team des 1. FC Union: Norbert Düwel erklärt einen Spielzug. In welchem Moment wer wohin startet, wann der Pass wie schnell kommt, und was die anderen machen. Der 47-Jährige beschreibt jedes noch so kleine Detail – bis zu der Stelle, an der der Ball zu Stephan Fürstner gelangt. „Dann ist es mir egal“, sagt der Trainer. Das heißt anders ausgedrückt: Stephan, du übernimmst das Kommando.

Immer wieder nahm Düwel seinen neuen Führungsspieler in der Trainingslagerwoche zwischen den Übungen zur Seite. Er stand dann gestikulierend vor Fürstner, der 27-Jährige nickte. So war es auch nach dem letzten Training vor dem Testspiel gegen Austria Wien, als die anderen Spieler aus der Startelf längst auf ihren Mountainbikes gen Hotel geradelt waren.

Nach sieben Tagen verließen die Berliner am Freitag das Kärntner Bergdorf und machten Platz für den italienischen Erstligisten US Palermo. Trotz der abschließenden Niederlage zog der Trainer ein positives Fazit. „Es hat sich gezeigt, dass da viel Qualität dabei war“, sagte er nach dem 0:1. Es war zu sehen, dass die Spieler – auch die Neuen – ein Jahr nach seinem Amtsantritt wissen, was von ihnen auf und neben dem Platz erwartet wird.

Trio des Vertrauens

Vor allem hat Düwel Ansprechpartner gefunden, die seine Ideen in die Mannschaft weitertragen und vorleben. „Da haben wir mit Fürstner und Benjamin Kessel zwei geholt, die das nach außen tragen“, sagt der Coach. Das ist wichtig, weil er erwartet, dass die Mannschaft den Teamspirit ohne sein Zutun findet. Bei der Auswahl des Kapitänstrios – Damir Kreilach, Fürstner und Michael Parensen – legte er auf etwas wert, das ihm noch wichtiger ist. „Drei Jungs, von denen ich überzeugt bin, dass sie hinter der Sache stehen“, erklärt Düwel. Das ist bildlich zu verstehen: Die vordergründige Sache ist der Verein, dann kommt die Mannschaft, dahinter stehen die einzelnen Spieler.

Diesbezüglich ist Kreilach das Vorbild. Als er sich vergangene Saison zwischenzeitlich hinten anstellen musste, fügte er sich klaglos und ging bei der nächsten Möglichkeit wieder mit Leistung voran. Dass er die Kapitänsbinde behält, ist eine Aufforderung an alle, sich daran ein Beispiel zu nehmen.

Dennoch: Auf dem Platz ist Fürstner der Chef. Im Spiel gegen Wien mahnte er die Kollegen zur Aufmerksamkeit, trieb sie in die Zweikämpfe und wies ihnen ihre Position zu. Kurzum: Er steuert. Wenn er ruft, versammelt sich das Team, zum Beispiel als die Verliererrunde im Fußballtennis ansteht. „Jetzt machen wir einen Hexenkessel“, fordert er. Die Mitspieler setzen sich und scherzen. Kreilach joggt. Wertvoll sind sie beide, der stille und der laute Vorzeigeprofi.