Als gerade die 41. Minute im Spiel gegen den VfB Stuttgart lief, und viele aufgrund der gezeigten Leistung nichts sehnlicher erwarteten als den Halbzeitpfiff, gab es einen Freistoß für den 1. FC Union, fast auf Höhe des eigenen Sechzehners. Der landete so uninspiriert wie direkt im Seitenaus und war ein gutes Spiegelbild für die Leistung der Eisernen. Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings noch mehr. Es dauerte lange Sekunden bis er überhaupt ausgeführt wurde. Niemand lief sich ernsthaft frei. Im Stuttgarter Halbfeld stand Felix Kroos, der allerdings nur auf die rechte Seite hinausgestikulierte – fast so, als wolle er alles, nur nicht angespielt werden. Der Kapitän scheute die Verantwortung.

Bereits in der Anfangsphase konnte man Kroos dabei beobachten, wie er mit sich haderte. Die Bälle versprangen ihm, seine Pässe landeten meist irgendwo, nur nicht beim Mitspieler. Zugegeben: Eine individuell stärkere Mannschaft als den VfB hat man in dieser Saison noch nicht in der Alten Försterei gesehen. Das verunsicherte die eiserne Elf sehr. Doch gerade in diesen Momenten hätte es an Kroos gelegen, seine individuelle Klasse auf seiner tragenden Position auszuspielen. Das tat er lange nicht.

Nach der Halbzeit wurde es besser

„Die Anfangsphase haben wir verschlafen“, gibt sich auch der 25-Jährige kollektiv selbstkritisch. „Ab der 30. Minute sind wir dann langsam aufgewacht.“ Dieses Erweckungserlebnis sprang bis zur 60. Minute nicht außerordentlich ins Auge, doch organisierte Kroos das Spiel nun anders als zu Beginn der Partie: Er agierte zentraler.

Bis fast zum Ende der ersten Hälfte stand er enorm defensiv auf einer Linie mit Dennis Daube, was dazu führte, dass auch Unions Offensivabteilung keinen Druck entfalten konnte. Das Problem über Standards zu lösen misslang ebenso.

Nach dem Seitenwechsel und einer erneuten Stuttgarter Druckphase hatte Kroos sein Spiel deutlich besser im Griff – auch wenn er am Ende nicht abschließend überzeugen konnte. Etwas offensiver stehend mit Dennis Daube im Rücken war es ihm nun möglich, eine aktive Rolle als Ballverteiler und Umschaltspieler einzunehmen. Das gesamte Köpenicker Spiel wirkte dynamischer, nach dem Ausgleich nahezu entfesselt.

„Wenn die Mannschaft intensiver mitspielt und aggressiver anläuft, sieht man selbst auch einen Tick besser aus“, meint Kross. Denn am Ende war es ein Punktgewinn, der durch den kollektiven Willen möglich wurde. Dass Kroos sich weitaus selbstbewusster bewegte als noch in Halbzeit eins und das Problem bei ihm vielleicht eine Mischung aus Kopf und zu defensiver Position ist, zeigte sich in der 76. Minute, als er das 2:1 auf dem Fuß hatte.

„Das ist bitter. Wenn ich da das 2:1 mache, ist das die Vorentscheidung“, sagt er. Dass es in den 16 Minuten davor noch den ein oder anderen Unioner mit der Vorentscheidung auf dem Fuß gab, war da bereits irrelevant. Vielleicht wäre ein Sieg auch des Guten zu viel gewesen, wenn man sich die erste Hälfte ins Gedächtnis zurückruft. „Stuttgart war ein Fortschritt im Vergleich zu den letzten beiden Partien. Das nehmen wir gerne mit“, sagt Kroos. Sein persönlicher Fortschritt könnte in den nächsten Spielen auf einer zentraleren Position liegen.