1. FC Union gegen 1. FC Köln: Die besten Eisernen gegen den besten Simon Terodde

Auf die Stehplätze freut sich Simon Terodde, diese Besonderheit des Stadions an der Alten Försterei hat er in seiner Zeit beim 1. FC Union liebgewonnen. Ansonsten ist aber für ihn alles besser geworden, seit er die Eisernen im Sommer 2014 verlassen hat. In Köpenick wird daher vor dem Duell mit dem 1. FC Köln an diesem Donnerstag (20.30 Uhr) gerätselt, wie aus dem doch eher zahmen Strafraumsaurier, den sie eher liebevoll als ehrfürchtig T-Rod nannten, so ein Tormonster werden konnte. Und noch wichtiger: Wie Terodde bei seiner Rückkehr gebändigt werden kann, damit er die Hoffnung auf den Auftaktsieg nach der Winterpause und das Heranrücken an die Aufstiegsplätze nicht gleich zunichtemacht.

„Mit Köln und St. Pauli, zwei Mannschaften, die vor uns liegen, haben wir zwei sehr wichtige Spiele“, sagt Union-Coach Urs Fischer. Es bietet sich eine große Chance: St. Pauli kann aufgrund der Niederlage in Darmstadt schon eingeholt werden, ehe es am Montag zum direkten Aufeinandertreffen in Hamburg kommt, und an Köln wären die Köpenicker mit einem Sieg auf zwei Punkte ran. Dass der Angriff auf die Aufstiegsplätze gestartet werden soll, daran besteht kein Zweifel, erst recht nicht mehr, seit sich Union per Leihe die Dienste von Carlos Mané gesichert hat − versehen mit einer Kaufoption in Höhe von fünf Millionen Euro.

Trainer und Kapitän sind sich einig, dass sich das Team weiterentwickelt hat. „Als Mannschaft sind wir ein bisschen mehr zusammengewachsen“, sagt Christopher Trimmel, „gereift.“ Im Training merke er das und in bestimmten Spielphasen. Fischer ist in seiner Verbesserungsanalyse noch ein wenig konkreter: „In gewissen Situationen ruhiger zu werden und richtige Entscheidungen zu treffen“, das sei der Fokus gewesen. Fazit: Hat funktioniert. „Da bin ich mit Trimmi einer Meinung“, sagt Fischer.

Die Schwächen im Spiel mit dem Ball auszumerzen, war das eine, das andere die Herausforderung, dabei die bisherige Stärke beizubehalten: die Defensive. Sie wird zum Auftakt sofort wieder auf die Probe gestellt. Denn da ist nun mal dieser Terodde. Unglaubliche 22 Treffer hat er in der Hinserie erzielt und damit fast so viele wie für Union in drei kompletten Spielzeiten (23). Insgesamt kommt der 30-Jährige auf 111 Zweitligatore, ein Dutzend fehlt ihm noch, um Theo Gries zu überholen und auf Rang drei der ewigen Zweitligaliste vorzustoßen. Wie konnte diese Wandlung passieren, nachdem Terodde ablösefrei nach Bochum wechselte? In Köpenick zeigte sich die sportliche Führung 2014 sogar zufrieden, den noch ein Jahr gültigen Kontrakt ohne zusätzliche Kosten aufgelöst zu haben.

Rezept gegen Terodde

„Im Training war er schon immer richtig stark. Hier hat ihm vielleicht der komplette Rückhalt gefehlt“, erinnert sich Michael Parensen. „Er musste vielleicht auch noch ein bisschen reifen.“ Wobei Terodde mit 26 Jahren beim Abschied kein Jungspund mehr war. Beim VfL Bochum und dem VfB Stuttgart wurde dem Angreifer offenbar vermittelt, wie groß der Glaube an seine Fähigkeiten war. Gleiches trifft nun auf Köln zu. Terodde spielt lieber abgezockt als verzückend, er liebt Ein-Kontakt-Tore aus einem Meter mehr als Übersteiger mit folgenden Kunstschüssen.

Seit der gemeinsamen Zeit in Köpenick sind Parensen und Terodde befreundet, telefonieren häufig. Natürlich hat Unions Verteidiger eine Idee, wie sein Kumpel aufzuhalten ist. „Er ist keiner, der einem wegläuft. Man kann ihn gut vordecken“, sagt er. Das heißt: „Im Strafraum muss man sehr eng an ihm dran sein. Es ist nicht sein Spiel, wenn er immer körperlich Gegenwehr bekommt.“ Denn hat er erst mal etwas Raum, steht mit dem Rücken zum Tor, wird es schwierig. „Dann macht er es sehr gut, hat einen super Kontakt, gibt die Bälle gut weiter“, sagt Parensen.

Das wird für die Gegner dann schnell zum Problem, denn Kapitän Trimmel liegt richtig: „Bei Köln gibt es nicht nur Terodde. Gegen so einen Gegner kann man nur bestehen, wenn du als gesamte Mannschaft gut agierst.“ 47 Tore haben die Kölner in der Hinserie erzielt, Ligabestwert. Das sind aber auch die 15 Gegentreffer von Union, und im Test gegen Basel versuchte Fischers Team noch eine Schippe Defensivkraft draufzupacken, mehr Druck auf den Gegner auszuüben. Ideal funktionierte das Pressing noch nicht. Was nicht war, soll gegen Terodde und Co. werden.