Die Ausgangslage: Der 1. FC Union steuert mit 16 Punkten aus den letzten sechs Spielen geradewegs Richtung Bundesliga, Heidenheim kämpft gegen am Tabellenende gegen den Abstieg. Um für klare Verhältnisse zu sorgen, beorderte Union-Trainer Jens Keller ein Geburtstagskind und einen früheren Kapitän neu in die Startelf. Außerdem spielte rechts hinten Peter Kurzweg für den gesperrten Christopher Trimmel. Nicht mit nach Heidenheim reisen konnte Linksaußen Simon Hedlund.

Das Ergebnis: Spiegelt den Wahnsinn nur annähernd wieder, der sich in Heidenheim abspielte. 3:4 (0:1) unterlag der 1. FC Union in Heidenheim. Verrückt wurde es nach einer zerfahrenen ersten Hälfte im zweiten Spielabschnitt: Sechs Tore in 14 Minuten.

Die erste Hälfte: Die favorisierten Gäste aus Berlin taten sich von Beginn an unheimlich schwer. Bei der Annahme versprang der Ball, bei den Zuspielen stand meist ein Gegner im Weg. Auch dem früheren Spielführer Damir Kreilach, der erstmals seit dem 7. Spieltag von Beginn an auflief, gelang als Vertreter von dem geschonten U21-Nationalspieler Marcel Hartel wenig. Nur zwei Steilpässe auf Sebastian Polter eröffneten Union Chancen. Der eine (7.) kam vom Gegner (John Verhoek), der andere (27.) von Akaki Gogia. Auf der anderen Seite war es Keeper Jakob Busk, der den Rückstand mehrfach verhinderte, ehe Heidenheims Abwehrspieler Arne Feick eine Freistoßflanke von Marc Schnatterer zum verdienten 1:0 ins Tor köpfte (44.).

Die zweite Hälfte: Eigentlich ist es die Viertelstunde nach dem Seitenwechsel, in der die Eisernen zuverlässig aufdrehen. Acht Tore haben sie bereits zwischen der 46. und 60. Minute erzielt. Doch dieses Mal waren es die Gastgeber, die nach einer Stunde nachlegten, weil sich Verhoek inzwischen über die Spielrichtung im Klaren war. Er köpfte an den Pfosten und staubte selbst ab. Die Entscheidung? Nein, es war der Auftakt zum wohl wildesten Schlagabtausch in der Zweiten Liga aller Zeiten: 1:2 Polter per Foulelfmeter (63.), 1:3 Schnatterer (66.), 2:3 Steven Skrzybski (72.), 2:4 Verhoek (74.), 3:4 Skrzybski (75.). Die Berliner Hoffnung auf einen Punkt lebte, wurde aber nicht mehr erfüllt.

Der unglückliche Kranke: Simon Hedlund war schon mit den Kollegen auf dem Weg zum Flughafen. Da ging die Tür vom Mannschaftsbus auf, der Linksaußen musste sich übergeben. Damit war die Reise nach Heidenheim bereits in Berlin beendet. „Wir haben ihn direkt ins Taxi gesetzt und nach Hause gebracht“, berichtete Union-Trainer Jens Keller.

Der unglückliche Jubilar: Sein 25. Geburtstag brachte Steven Skrzybski eine innige Umarmung von Heidenheim-Kapitän Schnatterer ein. Denn erstmals seit Ende September war der Angreifer mal wieder als Startelfspieler bei der Begrüßung vor dem Anpfiff dabei. Viel gelingen wollte ihm zunächst jedoch nicht auf dem Feld. Die Form vom Saisonbeginn, als er in den sieben Partien, in denen er zum Stammpersonal gehörte, je drei Tore erzielte und vorlegte, ist auf der Ersatzbank verloren gegangen.

Erst als die Lage hoffnungslos schien, zeige er, was er ist: Unions Mann für irre Tor. Der Winkel bei seinem Treffer zum 2:3 war so spitz, dass sich andere eine Schnittwunde zugezogen hätten und der Drehschuss zum 3:4 hohe Kunst. „Ich würde mich mehr freuen, wenn wir gewonnen hätten“, sagte er über seinen durchwachsenen Geburtstag. Das Trikot von Schnatterer war ein schwacher Trost.

Die unglückliche Aushilfe: Linksverteidiger Peter Kurzweg hatte bei seinem Aushilfseinsatz auf der rechten Abwehrseite so seine liebe Müh und Not. Immer wieder überrannten ihn die Heidenheimer. Vielleicht hätte es geholfen, wenn die Eisernen auf Maxi Thiels Teilnahme am Besuch in Köln zum Karnevalsanfang vor einer Woche bestanden hätten. Der ehemalige Unioner hatte die Einladung von Skrzybski und Felix Kroos ausgeschlagen. So war er erholt und zu flink für Kurzweg.

Der unglückliche Trainer: Der Ausfall von Hedlund brachte Jens Keller vom eigentlichen Plan ab. „Wir wollten mit einer anderen Grundausrichtung ins Spiel gehen“, sagte er. „Wir haben Heidenheim dann mit vielen einfachen Fehlern aufgebaut. Die Anzahl der Fehler war bei allen Spielen zu hoch.“

Das Fazit: Union verpasste es, von der Punkteteilung der direkten Konkurrenz Kiel und Nürnberg Profit zu schlagen und näher an Tabellenrang zwei heranzurücken. Das ist die eine Sicht. Die andere: Es ist nicht viel verloren. Lediglich ein Spiel. Das allerdings auf besonders ärgerliche Weise. Trotz einer sehr schwachen ersten Hälfte wäre mindestens ein Punkt drin gewesen. Mit einer stabilen Abwehr sogar ein Sieg.