Fußballspiele dauern in der Regel mindestens 90 Minuten. Als jedoch Schiedsrichter Florian Heft am Sonntagnachmittag in der Alten Försterei per Doppelpfiff das 1:0 von Union Berlin gegen den FC Heidenheim besiegelte, war das eigentliche Spiel bereits seit einer Stunde vorüber. 45 Minuten hatten den Teams gereicht, um den Sieger zu ermitteln, weshalb sie die zweite Halbzeit zu wildem Gebolze verwendeten. „Nicht jede Aktion war schön, aber es war ein Kampf“, versuchte der starke Innenverteidiger Toni Leistner später das Positive zu betonen. Torschütze Bobby Wood ergänzte: „Wir haben ein dreckiges 1:0 geholt. Das ist das Wichtigste.“

Dabei hatte sich das Duell der Tabellennachbarn ordentlich angelassen. Die Eisernen zeigten vom Anpfiff weg großes Interesse am sechsten Heimsieg in Serie, attackierten früh und setzten die Gäste mit schnellen Gegenstößen unter Druck. Bereits in der zweiten Minute bot sich Wood, der auch heute substanzielle Äußerungen zu einer Zukunft bei Union vermied, die erste Gelegenheit. Doch weil ihm der Ball fünf Meter vor dem Tor fast von oben auf das Haupt fiel, war der drucklose Kopfstoß am Ende leichte Beute für Jan Zimmermann.

Zweiten Treffer verpasst

Der FCH-Schlussmann stand auch eine Viertelstunde später im Mittelpunkt, als er einen eher harmlosen Freistoß von Felix Kroos nur mit den Fingerspitzen touchierte. Der Ball landete vor den Füßen von Damir Kreilach, der aus spitzem Winkel den linken Pfosten erzittern ließ. Union drückte nun immer stärker. Topstürmer Wood sollte dann über seinen 17. Saisontreffer jubeln. Michael Parensen verlängerte in der 27. Minute eine Kroos-Ecke per Kopf an den Fünfmeterraum, wo Heidenheims Verteidigung interessiert Woods Kopfballspiel beobachtete. „Ich habe da einfach richtig gestanden. Ich bekomme viel Vertrauen von der Mannschaft und spiele jetzt auch jedes Spiel“, begründete der Stürmer seinen Lauf.

Union blieb auch nach der Führung entschlossener. Wood (30.) per Fernschuss und Sören Brandy (36.) nach einer flachen Ecke von Kroos verpassten jedoch einen möglichen zweiten Treffer. Die Gäste brauchten mehr als eine halbe Stunde, um eine echte Torchance zu kreieren. Der für Eroll Zejnullahu in die Startelf gerückte Christopher Quring verlor nach einem Konter Marc Schnatterer aus den Augen, der per Direktabnahme jedoch nur die Unioner Fankurve bediente.

Der Eisernen Anhang stockte kurz vor der Pause dann noch einmal der Atem. Nachdem die Berliner Abseitsfalle ins Leere geschnappt hatte, eilte Schnatterer allein auf Jakob Busk zu. Doch weil der Heidenheimer zu lange zögerte, konnte ihn Leistner mit einer risikoreichen Grätsche im letzten Augenblick bremsen. „Für mich ganz klar kein Elfmeter, da sind keine Arme dabei und kein Fuß im Weg. Schnatterer wird mit Absicht langsamer, damit ich Rot bekomme und er Elfmeter“, kommentierte der Verteidiger.

Dann war Pause und das Spiel praktisch vorbei. Zwar kehrten beide Teams noch einmal auf den Rasen zurück, doch fußballerisch war der Betrieb bereits eingestellt. Heidenheim bemühte sich, konnte jedoch nur eine echte Chance herausspielen. Robert Leipertz prüfte in der 54. Minute FCU-Keeper Jakob Busk aus Nahdistanz. Der bestand und durfte sich den Rest des Spiels wieder ungestört anschauen. Zu sehen bekam er jedoch nichts mehr, denn seine Vorderleute beschränkten sich auf effektive Ergebnisverwaltung, weshalb Hefts Schlusspfiff für allgemeine Erleichterung unter den 19 634 Zuschauern sorgte.

„In der zweiten Halbzeit war von uns wenig zu sehen“, befand anschließend auch André Hofschneider. „Wir haben heute das Glück strapaziert, dass sollten wir vielleicht nicht allzu oft machen.“ Dennoch betonte er, dass seine Mannschaft bereits zum dritten Mal hintereinander zu null gespielt hatte, was er vor allem auf die höhere Deckungsarbeit und die starken Leistungen der Innenverteidigung zurückführte. Die haben Union in Verbindung mit Woods Torserie mittlerweile auf Platz sechs der Tabelle geführt: „Und wenn man da steht, will man ihn auch nicht mehr hergeben“, gab Leistner das Ziel für die Restsaison aus.