1. FC Union: Henrik Pedersen ist mehr als ein Assistenztrainer

Berlin - Wie gerne würde man sich in diesen Tagen mit Henrik Pedersen über Fußball unterhalten. Über einzelne Spieler des 1. FC Union, so zum Beispiel über Sebastian Polter und die Frage, inwieweit der im Winter heimgeholte Stürmer das Spiel der Eisernen hinsichtlich taktischer Überlegungen verändert hat.

Oder eben über das große Ganze, den Fußball in der Ersten und Zweiten Bundesliga, Dreierketten, Viererketten etc. Schließlich auch über die Gespräche, die er vor ein paar Jahren mit Größen wie John Terry, Frank Lampard und Didier Drogba führte, um zu erfahren, wie man auf höchster Ebene ein erfolgreicher Fußballprofi wird. Ja, man könnte mit dem Dänen sicherlich in die Tiefe gehen.

Mehr als ein Hütchenaufsteller

Aber er soll ja nicht mit Berliner Medien sprechen. Der 1. FC Union folgt nämlich der Hausregel, dass aus dem Trainerstab nur der Chef, also Jens Keller, Auskunft zu geben hat. Schade. So bleibt einem nur die Beobachtung oder eben die Internetrecherche, wobei man schon ziemlich bald auf ein ziemlich schönes Stück Journalismus stößt, nämlich ein Pedersen-Porträt im Tipsbladet, dem ältesten Fußballmagazin Skandinaviens.

Klar ist, dass Henrik Pedersen beim Berliner Zweitligisten mehr als nur ein Hütchenaufsteller oder ein Kummerkasten für die Spieler, ja mehr als ein normaler Assistenztrainer ist. Fast täglich setzt der 39-Jährige in der Trainingsarbeit wichtige Akzente, ja an manchen Tagen, im Besonderen, wenn es um taktische Inhalte geht, ist er der energische, mitunter laute Vorarbeiter, während Keller den stillen Betrachter gibt.

Die Analyse als Leidenschaft

Pedersen, der als 20-Jähriger infolge einer schweren Knieverletzung seine Karriere als Fußballprofi beenden musste, trägt in Köpenick die Verantwortung im Analysebereich; das war ihm wichtig, das ist seine Leidenschaft. Und Keller hat das sofort verstanden, bei der ersten, rein zufälligen Begegnung an der türkischen Riviera, die sich an einer Hotelbar zu einem abendfüllenden Austausch über Fußball ausweitete.

Inzwischen sagt Keller Folgendes über die Zusammenarbeit: „Es ist noch viel positiver geworden, als ich gedacht und gehofft hatte. Menschlich passen wir unheimlich gut zusammen.“ Aber eben auch, was das sportliche Miteinander anbelangt. Dank der erfolgreichen Aufbauarbeit des Coaching-Teams, das durch den für die Standards verantwortlichen Sebastian Bönig ergänzt wird, haben die Unioner die Möglichkeit, heute Abend (20.15 Uhr/Sky und Sport 1) mit einem Sieg im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg die Tabellenführung in der Zweiten Liga zu übernehmen.

Eigentlich ein Cheftrainer

Viele hätten ihn gefragt, ob ein Engagement als Assistenztrainer letztlich nicht doch einer Degradierung gleichkomme, hat Pedersen dem Tipsbladet also im Herbst vergangenen Jahres erzählt, worauf er immer wieder erklärt habe, dass er das keineswegs so sehe, im Gegenteil, Keller und all die anderen im Klub wüssten ja, dass er vom Format her eigentlich ein Cheftrainer ist, aber als Person und Fußballlehrer sei die Sache mit dem 1. FC Union für den Moment einfach der richtige Entwicklungsschritt für ihn.

An der Alten Försterei mache er auf höchstem Level neue Erfahrungen mit Spielern, die von der individuellen Klasse einfach nicht mit Spielern in der zweiten dänischen Liga vergleichbar seien. Er muss es wissen, war er vor seiner Zeit in der Heimat doch bei HB Köge und Vendsyssel FF beschäftigt.

Aggressive Vorwärtsverteidigung, schnelles Umschaltspiel

Allerdings habe es schon ein wenig gedauert, bis die Spieler des 1. FC Union in der Praxis mit der von Keller und ihm eingebrachten Spielidee eine Selbstverständlichkeit entwickelt hätten. Aggressive Vorwärtsverteidigung und ein schnelles Umschaltspiel sind aus seiner Sicht die richtigen Mittel, um positive Ergebnisse zu erzielen, wobei derartige Schlagwörter bei ihm im Gegensatz zu manch anderem Kollegen nicht nur Hülsen sind.

Spieler wie Stephan Fürstner oder Steven Skrzybski berichten jedenfalls davon, dass sie in den vergangenen Monaten infolge der mitunter komplexen Trainingseinheiten viel dazugelernt hätten. Dass man allerlei zielführende Hinweise bekommen habe, was für das sportliche Vertrauensverhältnis zwischen Team und Trainer natürlich wesentlich ist.

Vertrag bis 2018

Stellt sich letztlich die Frage, wie lange sich ein Ehrgeizling wie Pedersen mit der Rolle des einflussreichen Co-Trainers zufriedengeben wird. Sein Vertrag mit Union läuft bis 2018. Aber aus dem Wunsch, schon bald mal wieder selbst als Cheftrainer in der Verantwortung zu stehen, macht er keinen Hehl. Er gibt es jeden Tag mit seinem Wirken zu verstehen und hin und wieder auch im Gespräch mit skandinavischen Medienvertretern.