Berlin - Es liegt in der Natur der Dinge, dass ein Lob gern genommen wird. Auch ein Kompliment – und sei es noch so beiläufig vorgetragen wie von den Sportfreunden Stiller („Ich wollte dir nur mal eben sagen ...“) – erfreut im Allgemeinen das Herz des Adressaten. Könnte man mehr von gebrauchen. Am Freitagabend reihte sich der österreichische Sportsfreund in hessischen Diensten, Adolf Hütter, nach dem 2:1-Sieg seiner Eintracht in Köpenick in die Phalanx derjenigen ein, die Respekt und Anerkennung verteilten. So wie vor ihm beispielsweise schon Florian Kohfeld, der nach dem 2:1 seiner Bremer an gleicher Stätte, ebenfalls sehr beiläufig Aufsteiger Union zum Klassenerhalt gratulierte, indem er davon sprach, dass er sich darauf freue, in der kommenden Spielzeit wieder im Stadion An der Alten Försterei gastieren zu dürfen. Was ja nur bei einem Klassenerhalt der Eisernen möglich wäre.

Nun Sportsfreund Hütter, gemeinhin nur Adi gerufen, versuchte dem freundschaftlich zugeneigten Schweizer in Berliner Diensten, Urs Fischer, ein wenig aufzubauen nach der neuerlichen Niederlage des 1. FC Union. „Ich glaube, dass hier noch einige Mannschaften Punkte liegenlassen werden“, sagte der 49-Jährige.

An dieser Stelle darf sich der geneigte Leser ruhig den im modernen Kommunikationszeitalter gern bemühten Smiley mit den rollenden Augen als Reaktion des Union-Trainer vorstellen. Es hätte seine Gemütslage als Emoticon perfekt widergespiegelt. „Auf der einen Seite ist es schön, wenn der Gegner Komplimente macht. Aber es ist auch das, was ein bisschen nervt“, sagte Fischer nach einem Spiel, bei dem seiner Meinung nach „mehr drin gewesen“ sei. Was sich im übrigen ein bisschen wie ein roter Faden durch die Vorstellung des Bundesliganovizen zieht, wenn man von der Pleite gegen Leipzig zum Auftakt absieht. Aber Fischer weiß auch: „Aber wäre und wenn: Der Konjunktiv ist ein schlechter Begleiter.“

Nun ist man in Köpenick weit davon entfernt, den Panikbutton zu drücken nach der dritten Niederlage in Serie. „Wir wissen woher wir kommen“, ordnete Marvin Friedrich das Geschehen richtig ein. Die von außen an die Mannschaft herangetragene Erwartungshaltung ist ja offensichtlich viel größer als in der Binnenzentrale der Eisernen selber. Der eine oder andere Reporter hat Union ja bereits eine veritable Krise angedichtet. Und man darf davon ausgehen, dass Tasmania bereits auf Vorlage in so mancher Redaktionsstube liegt. Also der Vergleich mit dem bislang schlechtesten Bundesligisten aller Zeiten, der die Spielzeit 65/66 abgeschlagen auf Rang 18 mit nur zwei Siegen und vier Unentschieden beendete. Was nach neuzeitlicher Rechnung magere zehn Zähler ergeben hatten.

Diese Denkweise ist den Köpenickern fremd. Auch wenn die Enttäuschung natürlich groß war und der Kreuzbandriss von Flügelstürmer Akaki Gogia zusätzlich die Stimmung trübte. Wie schon zuvor gegen Bremen war auch gegen Frankfurt tatsächlich mehr drin. Ein Eindruck, der oberflächlich gesehen durchaus Nahrung erhält, wenn man bedenkt, dass durch Anthony Ujahs Anschlusstreffer zum 1:2 (86.) – zuvor hatten Bas Dost (48.) und Silva (62.) allerdings für klare Verhältnisse gesorgt – die Eisernen nicht so chancenlos ausgesehen hatten wie gegen Leipzig (0:4) oder beim Gastspiel in Leverkusen (0:2).

Ein schleichendes Gift

„Die Leistung hat gestimmt, es fehlen nur wirklich Kleinigkeiten. Da müssen wir ansetzen“, glaubte denn auch Mannschaftskapitän Christopher Trimmel. Der Blick nach hinten sei dabei wenig förderlich, auch wenn der vermeintliche Pluspunkt Alte Försterei angesichts von drei Heimpleiten in vier Spielen sich bisher nicht als die erhoffte Festung erwiesen hat, mit der die Grundlage für den Klassenerhalt geschaffen werden kann. „Wir sind Union Berlin, wir machen immer weiter“, offenbarte Friedrich dann auch einen gehörige Portion Trotz.

Fischer weiß daher auch, dass es ein schmaler Grat ist, auf dem seine Mannschaft gerade wandelt. „Wir wussten von Anfang an, dass auch mal eine Serie von Niederlagen dabei sein wird“, sagte der Fußballlehrer. „Du musst aber aufpassen, irgendwann sind 18 Spiele gespielt und du sprichst immer noch so.“

Noch ist alles drin. Die sogenannten Gegner auf Augenhöhe, bei denen es mehr zu holen gibt als nette Komplimente, kommen ja erst noch. Union muss endlich mal wieder etwas mehr gelingen, als lediglich einen anspruchsvollen Sparringpartner abzugeben. Doch auch dabei bedarf es eines Auftrittes, bei dem die Eisernen eben nicht nur 70 oder 80 Minuten voll konzentriert sind und immer selber leichtfertig verspielen, was zum Greifen nahe scheint.

Dem Trend muss Einhalt geboten werden. Damit er sich nicht als schleichendes Gift in den Köpfen der Köpenicker festsetzt, immer doch einen Ticken schlechter zu sein als die Widersacher. Und damit im Endeffekt nicht erstligatauglich.