Es gibt Menschen, die erwecken den Eindruck, als könne ihnen kaum etwas die gute Laune vermiesen. Einer von ihnen ist Achim Beierlorzer. Der 50-jährige Trainer des SSV Jahn Regensburg verlor sein Lächeln selbst dann nicht, als er 2015 RB Leipzig erst interimsmäßig als Chefcoach, später dann als Co-Trainer hinter Ralf Rangnick trainierte, was bei einem Chef wie Rangnick durchaus bemerkenswert sein kann.

Die Dauer-Underdogs

Doch das Kapitel Leipzig scheint drei Jahre später wie eine Geschichte aus vorvergangenen Tagen. Heute steht Beierlorzer für einen Stil, den Urs Fischer, seinerseits Trainer des 1. FC Union, vor der Zweitligapartie am Sonntag (13.30 Uhr) in Regensburg mit vollstem Respekt beobachtet. „Sie haben so ein gefährliches Umschaltspiel“, weiß der Schweizer und zeigt sich beeindruckt von der Tatsache, dass sich der Jahn unter Beierlorzer nie komplett einigelt, sondern immer bereit ist, selbst das Spiel zu eröffnen.

Dabei gehört der Kader des Aufsteigers von 2017 nicht einmal zum gehobenen Durchschnitt in der Zweiten Bundesliga. Von Anfang an, als Beierlorzer das Amt von Aufstiegsheld Heiko Herrlich (heute Bayer Leverkusen, zumindest bis auf weiteres) übernahm, trainierte der Erlanger die Mannschaft in die Rolle des giftigen Dauer-Underdogs, der jeden Favoriten aufs Übelste mit seiner Spielweise ärgern, bisweilen sogar verzweifeln lassen kann. Statt um den Klassenerhalt, spielte der Jahn lange um den Aufstieg mit, wurde 2017/18 Fünfter.

„A pain in the ass“ wird das, was die Spielweise der Regensburger seit ihrem Zweitliga-Aufstieg am besten beschreibt, im Englischen genannt − ein Schmerz im Allerwertesten. Den kennt nun auch der Hamburger SV, der vor einem guten Monat von Beierlorzers Giftzwergen mit 0:5 förmlich zerrissen wurde. Einer der gegen den HSV über sich hinauswuchs und drei Tore erzielte, war Sargis Adamyan. Der 25-jährige armenische Nationalstürmer ist so etwas wie Beierlorzers Musterprofi. 2013 als Nachwuchskicker von Hansa Rostock in die Regionalliga nach Neustrelitz vertrieben, ackerte sich Adamyan 2017 von der vierten Liga zurück auf die große Bühne.

Dass ausgerechnet er als Heilsbringer im Kampf um den Klassenerhalt gelten sollte, sahen einige kritisch, doch Beierlorzer vertraute auf den Stürmer, der in seiner gesamten Zeit in Regensburg erst ein Spiel verpasst hat – gelbgesperrt. Schon in seiner ersten Saison dankte er es mit fünf Toren und vier Vorlagen, nach seiner Gala gegen Hamburg ist der Stürmer schon jetzt, nach elf Partien, bei ebenso vielen Treffern und einer Vorlage mehr als im Vorjahr.

„Regensburg ist gut drauf, ihre Leistungen erzielen Ergebnisse“, lobtdaher auch Urs Fischer vor der schweren Partie seiner Unioner am Sonntag. Ungeachtet dessen, dass der Jahn die letzten vier Partien nicht gewinnen konnte. Doch gegen den VfL Bochum gelang nach 1:3-Rückstand in der 90+3. Minute noch der Ausgleich, ein weiterer Beweis dafür, wie unangenehm die Oberpfälzer zu bespielen sind.

War Mittwoch ein Pokalspiel?

Aber auch ein Grund mehr, dass die Köpenicker unbedingt den Schwung aus dem Pokalspiel in Dortmund mit in die Liga nehmen sollten. „Das wird eine Herausforderung für uns alle“, warnt Urs Fischer, weist die Verantwortung für diese Aufgabe aber klar von sich: „Die Spieler müssen das selbst bewerkstelligen. Das ist auch eine Frage der Einstellung.“Frust nach dem Pokalaus sei jedenfalls keiner zu spüren: „Am Freitagmorgen hatte man den Eindruck, das Spiel in Dortmund hat nie stattgefunden“, analysierte Fischer schmunzelnd.

Grund zur Vorfreude haben die Köpenicker aber dennoch, dem unangenehmen Gegner zum Trotz. Im Vorjahr gewannen die Eisernen die Partie in Regensburg mit 2:0, Torschützen waren damals Akaki Gogia und Sebastian Polter. Zwei also, die wieder große Lust haben dürften, dem Jahn und Trainer Achim Beierlorzer das Lächeln zu stibitzen − wenigstens für einen Nachmittag.