1. FC Union Keeper Jakob Busk : „Mal ist man Held, mal nicht“

Die Einsamkeit des Marathonläufers ist ein literarisch viel bedachtes Gut. Sogar auf Zelluloid wurde es in den frühen Sechzigerjahren gebannt. Weniger Weltruhm hingegen erlangte die Einsamkeit eines Schlussmannes, der in Minute 90 kolossal patzt und so die Arbeit eines ganzen Tages durch sich zunichtegemacht weiß. Kein Barde besang je diese Qualen, kein Literat verlieh diesem Drama dichterliche Weihen.

Über Jakob Busks Sangeskünste ist bis dato nichts überliefert. Aber der Schlussmann des 1. FC Union weiß genau, worauf die Berichterstatter zielten, auch ohne literarische Vorlage. Der Ball von Florian Neuhaus zappelte in Düsseldorf noch gar nicht richtig im Netz, da lag der Blondschopf hingestreckt am Boden wie ein Boxer nach dem K.-o.-Treffer, wollte am liebsten nicht mehr aufstehen, bis er sich dann doch langsam aufrappelte. 2:3. Die Niederlage. Minutenlang starrte Busk danach zu Boden, bekam nicht einmal die tröstenden Worte seines Trainers Jens Keller richtig mit. „Er hat irgendwas gesagt. Was genau, weiß ich nicht mehr“, sagte der Däne, der am Dienstag seinen 24. Geburtstag feiert.

Immerhin stellte er sich am Tag danach. „Ich will gar nicht versuchen, die Situation schönzureden oder davon anfangen, dass wir zu weit zurückgewichen sind oder der Schuss hätte unterbunden werden müssen. Das muss ich besser machen. Das war mein Fehler. Und ich kam mir vor wie der einsamste Mensch auf dem Platz “, sagte Busk. Und: „Ich bin auch nur ein Mensch. Menschen machen Fehler. Ich bin unzufrieden, dass ich uns zwei Punkte verliere. Aber das ist der Job des Torhüters. Mal ist man Held, mal nicht. Das akzeptiere ich, damit muss man umgehen können.“

Jetzt müssen wir gewinnen

Es hätte alles so schön sein können. Union hatte erneut die Qualität bewiesen, sich auch von einer schlechten ersten Hälfte nicht irritieren zu lassen und schließlich doch noch Dominanz zu entwickeln. Für 15 Minuten waren die Köpenicker nach den Treffern von Damir Kreilach (69.) und einem von Atsuto Uchida erzwungenem Eigentor des Düsseldorfers Kaan Ayhan (78.) in der Blitztabelle der Zweiten Liga ganz oben.

Die Spitzenposition war zwar nach dem Ausgleich von Takashi Usami (84.) schnell wieder dahin. „Aber den einen Punkt hätten wir mitnehmen müssen. Da hätte jeder den Kopf einschalten müssen, und sagen, wir verteidigen das Tor mit allem, was wir haben“, monierte Busk. Eine Einschätzung, die er mit dem Gros seiner Kollegen teilte.

So droht Union trotz eines passablen Saisonstartes am Freitagabend gegen Braunschweig eine Situation, die eigentlich vermieden werden sollte. Nämlich der Führungsetage hinterherzuhinken und eine kraftvolle Aufholjagd starten zu müssen. „Wir haben zu viele Punkte verschenkt. Da müssen wir ehrlich sein. Jetzt müssen wir wieder gewinnen“, sagte Busk.

Seine einfache Rechnung geht so: „Wenn wir Braunschweig schlagen, dann haben wir elf Punkte aus sechs Spielen. Das ist knapp unter zwei im Schnitt.“ Man wäre wieder im Plan.