Der Platz zwischen den Pfosten ist auf einen Handschuhträger begrenzt, und die Regelhüter des Weltfußballs werden sich nicht für die beliebte Bolzplatzvereinbarung „Letzter Mann fängt“ erwärmen lassen. Also wird sich Norbert Düwel entscheiden müssen: Daniel Haas oder Mohamed Amsif? Der Trainer des 1. FC Union reizt die Konkurrenz bis zum Äußersten aus. Das hat einen guten Grund und birgt dennoch ein Risiko.

Wer steht im Tor?

Wenn es heute nach zwei trainingsfreien Tagen in die finalen Übungseinheiten vor dem Saisonstart geht, ist noch offen, wer am Sonntag an der Alten Försterei zum Auftakt gegen Fortuna Düsseldorf letztlich den Vorzug erhält. In der Generalprobe gegen Crystal Palace tauschte Düwel wie gegen Hapoel Tel Aviv in der Pause. Haas begann, Amsif vollendete. Eine Entscheidung habe er nicht getroffen, sagte der Coach.

Um sich von Beginn an gemäß der Zielsetzung auf den vorderen Tabellenplätzen festzusetzen, braucht es einen Mann im Tor, der in der Lage ist, Punkte zu gewinnen. Das ist die Besonderheit, die einen Keeper von den Kollegen abhebt. Wenn das Team schwächelt, kann er als Einzelner etwas Zählbares retten.

Es kann nur einen geben

Beide Kandidaten haben in der Bundesliga gespielt, der eine (Haas) über fünf Jahre verteilt 35 Mal, der andere (Amsif) in drei Jahren 25 Mal. Den Beweis, ihren Teams ein beständiger Rückhalt zu sein, erbrachten sie dort nicht. Nun sind beide an einem bedeutsamen Punkt ihrer Karrieren angelangt. Haas wird bald 32 Jahre alt, sein Vertrag läuft nach der Saison aus. Amsif, der durch die ruhmreiche Schalker Torwartschule ging und vor einem Jahr aus Augsburg nach Köpenick kam, blickt auf nicht zufriedenstellende sechs Ligaeinsätze für Union zurück. Mit 26 Jahren müsste er endlich zur Nummer eins aufsteigen. Doch die Entscheidung für den einen ist zugleich eine gegen den anderen. Es kann eben nur einen geben.

Selbstverständlich schwebt über dieser existenziellen Feststellung das finale Ziel des mannschaftlichen Erfolgs. Aber ein Sportler will aktiv dazu beitragen und nicht nur als Motivator auf der Bank sitzen. Im Wettstreit geht es um ein Gut, das für einen Torwart vital ist: Vertrauen. Die sicherste Variante, Fehler des Keepers zu vermeiden, ist, ihm das Gefühl zu geben, sich einen Fehler leisten zu können.

Ein Zweikampf wie jeder andere

Vier Mal hat Düwel in der vergangenen Saison getauscht, und das Duo erkannte, dass der Chef nicht zufrieden war – weder mit dem einen noch mit dem anderen. In der Vorbereitung ging das Wechselspiel weiter. „Es ist ein Zweikampf, wie wir ihn auf allen elf Positionen haben“, findet Düwel. Noch habe er „null kommuniziert“, wen er erwählen wird.

Die Arbeit mit dem neuen Torwarttrainer Dennis Rudel wirkt sich bei beiden Schlussmännern sichtlich positiv aus, und dass die zwei schon vor Beginn der Saison der maximalen Drucksituationen ausgesetzt werden, ist ein guter Prüfstein. Wenn die Saison beginnt, tut Düwel jedoch gut daran, einem das volle Vertrauen auszusprechen. Sonst hat er vermutlich bald nicht zwei, sondern null selbstbewusste Torhüter.