Marcus Ingvartsen trifft zum 1:1 für Union.
AFP/Andersen

Berlin-KöpenickImmer wieder hatte Urs Fischer, der Trainer des 1. FC Union Berlin, auf Marcus Ingvartsen eingewirkt. Mit Gesten und klaren Worten, denn der Schweizer Fußballlehrer war in den ersten 30 Minuten des Heimspiels gegen den FSV Mainz mit der Darbietung des dänischen Fußballprofis überhaupt nicht zufrieden. Etwas verschlafen wirkte der 24 Jahre alte Offensivspieler in der Tat, als hätte er in der Vorbereitung keinen Bezug zu diesem immens wichtigen Spiel aufgebaut. Seine Laufwege stimmten nicht, aus Zweikämpfen ging er wiederholt als Verlierer hervor, ja, da brachte einer seinen Trainer in Sachen Anfangsformation doch gehörig ins Grübeln.

Aber dann gab Ingvartsen eine Antwort, in  der 33. Minute, mit seinem linken Fuß, bei einem Freistoß aus 18 Metern, wobei ihm natürlich auch der Mainzer Keeper Florian Müller mit einem Stellungsfehler entgegenkam. Aber was soll’s. Es war der Ausgleich, womöglich auch das Tor, das die Eisernen gebraucht hatten, um nach der Corona-Pause wieder zu sich zu finden. Nur irgendwie half dieser Treffer den Köpenickern dann doch nicht so recht auf die Sprünge. Es blieb nämlich bei diesem 1:1, das den Eisernen den 31. Punkt in dieser Spielzeit, aber natürlich nicht die gewünschte  Erleichterung brachte. Allerdings können sie für sich in Anspruch nehmen, dass sie eine fünfzigminütige Unterzahlsituation ohne weiteren Schaden überstanden. Und dass sie in der Schlussphase zumindest wieder ein bisschen von diesem Feuer in sich trugen, das in dieser Spielzeit so viele großartige Momente hervorgerufen hatte. Sebastian Andersson hatte ja in der 90.. Minute  sogar noch per Kopf die Chance zum Siegtreffer.

Keine andere Mannschaft braucht seine Fans so sehr wie der 1. FC Union. Da mag der eine oder andere jetzt widersprechen, der es als glühender Fan mit einem anderen Klub hält, aber  nirgendwo sonst (da spricht der neutrale Betrachter) sind Geisterspiele so gespenstisch wie im Stadion An der Alten Försterei. Kein Tosen der Menge, sondern nur ein Vogelzwitschern aus dem Wald war da zu vernehmen. Eine Klubhymne, die keine Echo erfährt. Wie unheimlich. Das macht Eindruck auf diese Mannschaft, die über die Emotionen kommt, das hemmt, da fehlt mitunter die Spannung bei dem einen oder anderen, was auch im Duell mit den von einem 0:5 gegen Leipzig gezeichneten Rheinhessen deutlich wurde.

In der 13. Minute beispielsweise waren die Unioner inklusive  Keeper Rafal Gikiewicz nicht wach genug, um nach der Hereingabe von Robin Quaison den Treffer von Ridle Baku zu verhindern. Beziehungsweise haderten sie wohl noch mit der Entscheidung von Robert Schröder, der bei der Szene einen Einsatz von Leandro Barreiro gegen Marvin Friedrich nicht als Foul bewertet hatte. Auch der Videoschiedsrichter meldete sich nicht. Kurzum: Eine Intervention von Schröder hätte wohl letztlich auch niemanden überrascht.

Was bei Union derzeit einfach nicht mehr funktioniert, ist zum einen das Umschaltspiel, zum anderen die so schlichte wie effektive Spieleröffnung mit einem langen Schlag auf Stürmer Sebastian Andersson.  So lässt es sich nicht so leicht nachrücken, so kann einer wie Marius Bülter viel zu selten seine Qualitäten einbringen.  Diese Energie, dieses Tempo.

Gelb-Rot für Andrich

Was die Sache erschwerte, war dann allerdings weniger ein spieltaktisches Problem, sondern die Unbeherrschtheit von Robert Andrich. Schon in der 20. Minute hatte der Mittelfeldspieler Gelb gesehen, seine zehnte, ging in der 42. Minute  aber im zentralen Mittelfeld viel zu ungestüm in ein weiteres Einsgegeneins gegen Barreiro, sodass Referee Schröder ihn zum zweiten Mal die gelbe, dann auch die rote karte entgegenstreckte. Die Trainer des 1. FC Union, Fischer, aber auch dessen Assistent Markus Hoffmann, empfanden das als ungerechtfertigt, ja Fischer zielte gar auf die Mainzer, meckerte „Beeinflussung, Beeinflussung“, weil er glaubte, dass sich Schröder vom Lamentieren der Gäste hatte beeinflussen lassen.

Was den Erfolgscoach aber letztlich doch eher bekümmert haben dürfte, war die Leistung seiner Mannschaft vor dem Platzverweis von Andrich. So ungefährlich hatte man die Eisernen nämlich an der Alten Försterei schon lange nicht mehr gesehen. So wenig zwingend.  Da fehlt einfach was, na klar, der 12. Mann.