Zugang Sebastian Griesbeck erfrischt sich in der Sonne von Bad Saarow.
Foto: Matthias Koch

Bad Saarow„Es lächelt der See, er ladet zum Bade.“ Doch weder die wohlfeilen Worte eines Friedrich Schiller („Wilhelm Tell“) noch die Schönheiten der Natur, wie das malerische Idyll des Scharmützelsees, waren dazu geeignet, den Union-Profis das Herz aufgehen zu lassen. Auch das Luxusambiente des Hotels Esplanade, an dem der dahinter geparkte Mannschaftsbus sogleich ein beliebtes Fotomotiv für die Sommerfrischler in der Mark war, war natürlich nur angenehmes Beiwerk. Für die Eisernen stand schweißtreibende körperliche Arbeit auf dem Sportplatz des SV Eintracht Reichenwalde auf dem Programm.

Erstmals seit dem 10. März hatten die Köpenicker also auch wieder Zaungäste beim Übungsbetrieb. Zwar deutlich weniger als in den beiden Vorjahren, aber rund zwei Dutzend Kiebitze schauten ihren Fußballgöttern auf die Füße. Aus gebührender Entfernung, versteht sich. Zu sehen bekamen sie einen blendend aufgelegten Trainer Urs Fischer, der beim Kreisspiel sogar mitmischte und mit der Sonne nur so um die Wette strahlte.

Laut und deutlich waren die Kommandos des Schweizer Fußballlehrers zu vernehmen. So richtig auf Betriebstemperatur war noch keiner, was am ersten richtigen Trainingstag der neuen Spielzeit kein Wunder war. Immer wieder korrigierte Fischer seine Schützlinge. Insgesamt 23 Mann tummelten sich auf dem sattgrünen Rasen, der wie in den Vorjahren in einem guten Zustand war. Darunter auch die beiden Zugänge Nico Gießelmann und Sebastian Griesbeck.

Für beide endete die vergangene Saison höchst unerfreulich. Ex-Fortune Gießelmann stieg mit Düsseldorf am letzten Spieltag in der Alten Försterei ab, für den Heidenheimer Griesbeck kam der Nackenschlag in der Relegation gegen Werder Bremen. Er wäre zu gerne nach sieben Jahren bei den Württembergern am Ende noch mit ihnen aufgestiegen, auch wenn sein Wechsel zu den Eisernen bereits vorher festgestanden hatte. Gießelmann hingegen war von Union erst nach dem Abstieg angesprochen worden. Beide betonten unisono, dass es sie einfach nur freue, jetzt bei den Köpenickern spielen zu können. Ein Urteil, das ihnen am Nachmittag weniger leicht fiel, als der Athletik-Trainer Martin Krüger sie mit seinem gefürchteten Kraftkreisel konfrontierte.

Zusätzlich zum eisernen Tross hinzugekommen war mit Nicolai Kemlein auch ein U19-Keeper der Köpenicker, der zusammen mit Jakob Busk und Testtorhüter Alexander Brunst (zuletzt Magdeburgs Nummer zwei) von Torwarttrainer Michael Gspurning liebevoll malträtiert wurde. Zudem glaubte manch Trainingsbesucher in Julian Ryerson einen Zugang ausgemacht zu haben. Der wartete nämlich mit einer schnittigen Kampffrisur auf, an der jeder militärische Ausbilder seine helle Freude gehabt hätte. Stürmer Sebastian Andersson fehlte indes weiter wegen einer Erkrankung. Wie schon in den vergangenen Jahren glänzte außerdem Suleiman Abdullahi beim Auftakttraining mit Abwesenheit. Das hat mittlerweile fast schon Tradition. „Individuelles Training im Hotel“ war die Begründung. Am Sonnabend soll auch erstmals der japanische Neuzugang Keita Endo zu seinen neuen Kollegen stoßen.

Doch nicht nur bei der Ballsportabteilung floss im prallen Sonnenschein von Bad Saarow der Schweiß. Auch bei Manager Oliver Ruhnert ging es den ganzen Tag heiß her. Es glühten die Telefondrähte. Denn die Eisernen stehen offenbar vor einem Transfer-Doppelschlag. Union baggert an Cedric Teuchert und ist sich mit Nico Schlotterbeck bereits einig. Womit die von Fans am Saisonende spaßigerweise ins Leben gerufene Bewegung #bringschlottiback mit neuem Leben erfüllt wird. Union fixierte ein Leihgeschäft mit dem knapp drei Jahre jüngeren Bruder Nico, der Keven mit seinen 1,91 Meter sogar um zwei Zentimeter überragt. In der Vorsaison absolvierte er 13 Spiele für die Elf von Christian Streich, die meisten davon allerdings in der Hinrunde. Offenbar sehen die Badener in Union wieder den richtigen Partner, um auch Schlotti II weiterzuentwickeln. Zudem entgehen die Breisgauer einem mannschaftsinternen Bruderduell, auf das sich Keven schon im Vorjahr bei seinem Wechsel zu Union wenig erpicht gezeigt hatte.

Hinten schließen die Köpenicker also eine Lücke. Und auch vorne soll ein weiterer Kaderplatz gefüllt werden. Die Eisernen sind in Gesprächen mit Schalkes Cedric Teuchert (23), der nach seiner Leihe bei Hannover 96 (23 Spiele, sechs Tore) wieder nach Gelsenkirchen zurückgekehrt ist, dort aber keine Zukunft mehr hat. Für 1,5 Millionen Euro hätten die Niedersachsen den U21-Nationalspieler fest verpflichten können. Doch für den Zweitligisten ist das in diesen Corona-Zeiten nicht so einfach zu stemmen, Union scheint da besser betucht. Ein Zweijahresvertrag mit einer Option auf ein weiteres Jahr steht im Raum.

Die erste Gelegenheit, die neuen Akteure in Aktion zu sehen, ergibt sich kommenden Sonnabend, wenn die Köpenicker beim Regionalligisten Energie Cottbus einen Test (15 Uhr) absolvieren. Dann könnte auch ein erster offizieller Blick auf die neuen Trikots zu erhaschen sein, die Union bislang ja noch nicht wirklich präsentiert hat, auch wenn im Internet dank einiger übereifriger Händler schon Bilder kursieren.