Erschöpfter Jubel über Nico Schlotterbecks Last-Minute-Tor.
City Press GmbH

KarlsruheAls Karlsruhes Robin Bormuth in der Verlängerung den Berliner Niko Gießelmann von den Beinen holte, verlor ein Mitglied des Union-Trosses auf der Pressetribüne kurzzeitig die Contenance und schleuderte ein kerniges „Wass`n ditt hier?“ in Richtung Spielfeld. Das war allerdings eine Frage, die sich auch die Berliner Mannschaft nach einem äußerst mäßigen Auftritt in Karlsruhe hätte gefallen lassen müssen, wenn Nico Schlotterbeck in der 118. Minute nicht einen Geistesblitz gehabt hätte. Mit seinem schönen Tor kurz vor Schluss sorgte er dafür, dass zumindest das Ergebnis stimmte, Union kurz vor Heiligabend noch mal ein Pflichstpiel absolvieren darf und sich der jüngere Bruder des bisherigen Union-Innenverteidigers Keven Schlotterbeck nach dem Schlusspfiff kaum noch vor Gratulanten in roten Trainingsjacken retten konnte.

Kurz zuvor hatte der gebürtige Berliner unter den zwei Keepern noch mal seine Aufwartung im Strafraum der Unioner gemacht, doch auch KSC-Torwart Marius Gersbeck konnte den Ausgleich in der 120. Spielminute nicht mehr bewerkstelligen. Die immer wieder aufkommenden Gesänge „Hertha und der KSC, die Freundschaft“ der nur 450 Zuschauer dürften dem in der Ostkurve des Olympiastadions sozialisierten 25-jährigen Hertha-Maniac dann auch weit besser gefallen haben als das Ausscheiden seines Lieblingsvereins beim Drittligisten Braunschweig am Vortag oder das unglückliche Ausscheiden seines aktuellen Arbeitgebers gegen den Verein, den er in Berlin höchstens am zweitliebsten mag.

Schon kurz nach dem Anpfiff hätte er fast ein erstes Gegentor kassiert, als Marvin Friedrich und KSC-Stürmer Philipp Hofmann einen Eckball von Christopher Trimmel in perfekter Zusammenarbeit an den Pfosten droschen, ehe Christian Gentner den Abpraller doch deutlich über die Latte bugsierte (4.). Eine halbe Stunde später zeigte Gersbeck eine starke Parade bei einem Abschluss von Niko Gießelmann (37.) und wies auch in Sachen Stellungsspiel Kompetenz nach, als er kurz darauf dem heraneilenden Marcus Ingvartsen den Ball von der Fußspitze stahl.

Das war es allerdings schon an Berliner Aktivitäten in der Karlsruher Hälfte, weshalb Gersbecks Pendant als neue Nummer eins seines Vereins, Andreas Luthe, seine Vorderleute kurz vor der Halbzeit gut hörbar mit einem „Positiv bleiben!“ zu motivieren versuchte. Auch er schien darunter zu leiden, dass seine Vorderleute weite Strecken des Spiels mehr über sich ergehen ließen als ihn aktiv zu gestalten.
Wie Union-Coach Urs Fischer prognostiziert hatte, störte der KSC die Berliner schon früh im Spielaufbau und zeigte sich zudem im Vergleich zur Vorsaison auch spielerisch verbessert – ein Lernerfolg, den der junge Trainer Christian Eichner sich auf die Fahne schreiben kann. Dramatische Torchancen konnten jedoch auch die Hertha-Freunde aus dem Badischen nicht verzeichnen: Marvin Wanitzek kam in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einem Torerfolg noch am nächsten, als er einen Freistoß neben das Tor setze.

Den zweiten Durchgang ging der Gast aus Köpenick dann zunächst etwas energischer an, die Hereinnahme von Sheraldo Becker, der den unauffälligen Cedric Teuchert nach gut einer Stunde ablöste, schien sich bereits bezahlt zu machen, als der Niederländer einen 20-Meter-Schuss so berechnete, dass der sich aufs Tordach senkte (72.). Danach bot sich allerdings das gleiche Bild wie im ersten Durchgang: Merkwürdig defensive Unioner und willige, aber individuell unterlegene Karlsruher neutralisierten sich, ehe Schiedsrichter Benjamin Cortus nicht mehr anders konnte, als nach zwei Karlsruher Halbchancen durch Marco Djuricin, den Luthe zur Ecke lenkte (74.) und einem Drehschuss von Wanitzek (79.) noch mal 30 Minuten als Zugabe auszuloben.

In 28 davon passierte nichts, was die Laune der Union-Fans vor dem Fernseher hätte heben können, doch dann gönnte sich Union genau im richtigen Moment die zwingendste Offensivaktion des Abends, als Schlotterbeck nach gutem Freistoß von Gießelmann einen perfekten Seitfallzieher im Karlsruher Tor unterbrachte.