Robert Andrich entschied das Spiel spät zu Gunsten von Union.
City Press

VerlEs gehört zum schlechten Stil im Profifußball, als Auswärtsmannschaft über den Rasen des Gastgebers zu meckern. Die Devise der Spieler des 1. FC Union ist deshalb in der Vergangenheit stets gewesen: Nicht nörgeln, schließlich muss auch der jeweilige Gegner auf dem vermeintlichen Acker kicken. So beschwerte sich auch am Mittwochabend im Nachklang des DFB-Pokal-Achtelfinalspiels beim Viertligisten SC Verl keiner der Köpenicker Kicker über die vereinzelt mondkratergroßen Löcher im Geläuf, auch wenn die offensichtlich dazu beitrugen, dass es dem Bundesligisten erst in der 86. Minute gelang, in Person von Robert Andrich das entscheidende Tor zum1:0 (0:0)-Erfolg zu erzielen. Für die Eisernen ist es der erste Einzug ins Pokal-Viertelfinale seit 19 Jahren.

Unions Trainer Urs Fischer überraschte vor dem Spiel mit einer Aufstellung, die, anders als angenommen, keinerlei personelle Rotation aufwies. Keine Spur von der „zweiten Garde“ − der Schweizer vertraute dem Team, auf das er sich auch in der Liga stets verlassen konnte. Michael Parensen rückte in der Dreierkette für Neven Subotic in die Partie, Anthony Ujah ersetzte den in Dortmund glücklosen Yunus Malli.

Kein Feuerwerk, trotz Stammpersonal

Die Intention war offensichtlich: Den Unionern war die Schwere der Aufgabe beim Regionalligisten vollends bewusst. Keiner sollte behaupten, dass Trainer Urs Fischer und sein Team dieses Achtelfinalspiel nicht Ernst nehmen würden. Der Schweizer hatte deshalb schon unter der Woche klargestellt: „Ich habe immer gesagt, dass es einem Profifußballer möglich sein sollte, auch mal eine englische Woche mit drei Spielen in acht Tagen schadlos zu überstehen.“

Doch wer ob des namhaften Personals ein Fußballfeuerwerk von Seiten der Eisernen erwartete, wurde (selber Schuld!) auch diesmal enttäuscht. Denn die Unioner zeigten wenig Initiative, schon früh in der Partie für klare Verhältnisse zu sorgen und ließen stattdessen den Gastgebern überraschend viel Platz, um ins Spiel zu finden. Nach 16 Minuten prüfte Stürmer Zlatko Janjic erstmals Unions Torwart Rafal Gikiewicz.

Drei Minuten später machte sich dann erstmal s der vermaledeite Rasen in der Verler Sportclub Arena bemerkbar. Sebastian Andersson erarbeitete sich halbrechts den Ball und kam frei zu Schuss, der weil die Kugel mächtig holperte, donnerte der Schwedische Nationalspieler sie, statt aufs Tor, in den westfälischen Abendhimmel.

Besser machte es da der auffällige Christian Gentner, der drei Minuten vor der Pause vom Strafraumrand knapp übers Tor schoss. Von einem Dreiklassenunterschied war bis dahin herzlich wenig zu bemerken.

Wir haben "Karo einfach" gespielt.

Robert Andrich, Siegtorschütze des 1. FC Union im Pokalspiel gegen den SC Verl, über die taktische Herangehensweise des Bundesligisten gegen den Viertligisten

Was natürlich vornehmlich an den schwierigen Platzverhältnissen lag, wohl aber auch an einer gewissen Planlosigkeit der Eisernen, denen kein rechtes Mittel einfallen wollte, offensiv echte Akzente zu setzen. Was wiederum, in Anbetracht der individuellen Qualität des Gegners, einigermaßen befremdlich war.

Das einzige Erfolgsrezept blieben daher auch im zweiten Durchgang Schüsse aus der Distanz. Zwei Minuten nach der Pause prüfte erneut Gentner Verls Torwart Robin Brüseke mit einem Volleyschuss, in der 59. Minute versuchte es der Mittelfeldspieler erneut vom Strafraumrand, doch den flatternden Ball konnte Brüseke auch diesmal parieren.

Eine ähnliche Herangehensweise wählte der eingewechselte Marius Bülter, der zweimal knapp neben das Tor schoss (64., 65.) und so erstmals in der Partie über mehrere Minuten für etwas Druck sorgte. Die Verler Spieler waren zu diesem Zeitpunkt schon merklich an der Grenze zur Erschöpfung angelangt, stemmten sich aber weiter tapfer gegen das drohende Gegentor.

Das gelang Robert Andrich schließlich auch erst vier Minuten vor dem Schlusspfiff. Natürlich mit einem satten Schuss aus der Distanz. Mehr war an diesem Abend und auf diesem Rasen nicht drin.