Fürth - Es ist nicht immer einfach, die rechten Worte zu finden, wenn man gerade eine Enttäuschung zu verarbeiten hat. Urs Fischer, Trainer in Diensten des 1. FC Union, rang sichtlich mit sich und seinen Worten nach dem enttäuschenden 1:1-Remis bei der SpVgg Greuther Fürth. Einzig Rafal Gikiewicz attestierte er so etwas wie Normalform. “Heute müssen wir uns vor allem bei unserem Torwart bedanken. Der hatte Normalform”, sagte der Schweizer und musste sich dann im gleichen Atemzug verbessern. “Vielleicht ist das zu wenig gesagt, das war mehr als Normalform.”

Beim Gegentor durch Marco Caligiuri ist Rafal Gikiewicz machtlos

Tatsächlich präsentierte sich der 31-Jährige so oft in dieser Spielzeit als Fels in der Brandung, dass die herausragenden Spiele, dass die fast nicht mehr als Besonderes hingenommen werden, sondern eher wie ein lieb gewonnener Alltag wirken. War auch in Fürth der Fall. Die 90 Minuten im Ronhof hatten was von einem Privatduell zwischen dem polnischen Schlussmann der Köpenicker und den wie wild anrennenden Kleeblättern. “Das war Weltklasse”, bescheinigte Torschütze Joshua Mees (35.) seinem Keeper. Die Leistung von Gikiewicz erscheint um so besser, wenn man bedenkt, dass er einen Trauerfall in der Familie zu verkraften hatte. Beim Gegentor durch Marco Caligiuri nach einer Ecke (67.) war er machtlos. Ein Treffer übrigens, bei dem sich Union an die eigene Nase fassen muss, war man zur Tatzeit ja eigentlich in Überzahl auf dem Platz nach der Roten Karte für Daniel Keith-Rudel (38.).

Doch ein Gikiewicz in “Normalform” ist eben zu wenig, wenn man am ganz großen Rad drehen will.
Fischer zeigte sich dann Realist bei der Bewertung der Partie. “Gratulation zu eurer Leistung, ein Punktgewinn ist fast zu wenig. Es hätten eigentlich drei sein müssen, wenn ich mir die 90 Minuten anschaue”, verteilte der 53-Jährige artig Komplimente an Stefan Leitl, den Trainer der Franken.

Mit den Seinen ging er ungewöhnlich deutlich ins Gericht. “Ich bin heute sehr enttäuscht. Wir hatten in keiner Phase des Spiels Zugriff. All die Dinge, die wir uns unter der Woche vorgenommen hatten, zeigen konnten. Viele Spieler kamen nicht auf ihr Niveau. So müssen wir mit dem Punkt leben.”

Viele Vorschusslorbeeren - für die Union sich nichts kaufen kann

Dass Leitl die Komplimente auch noch erwiderte, kann man getrost in die Schublade stecken “Erhöhe die Leistung des Gegners, dann erscheinen deine Taten in umso glänzenderen Licht. „Das war eine Riesenleistung heute meiner Mannschaft gegen einen sehr guten Gegner. Gegen einen Gegner, der das Jahr über hinweg sehr stabil spielt und mit `nem klaren Plan vom Trainer, der wahrscheinlich sein Ziel am Ende erreichen wird, weil es richtig gut ist, was da in Berlin passiert”, so Leitl.

Viel Lob und Vorschusslorbeeren - wie so oft in den letzten Wochen -, für die Union sich allerdings nichts kaufen kann. “Dieses Spiel wird uns jetzt noch ein wenig verfolgen in den nächsten Tagen”, sagte Fischer nach dem Absturz auf Rang vier hinter Paderborn. Anstatt jetzt ein echtes Endspiel gegen den Hamburger SV vor sich zu haben, muss Union das Feld auf einmal von hinten aufrollen. Aus Zweikampf und Rang zwei ist vier Spieltage vor Schluss nun ein Dreikampf geworden. Und derzeit spricht bei anhaltendem Trend - nur drei Punkte aus den letzten fünf Partien - nicht so viel dafür, dass es am Ende nicht die Eisernen sein werden, die vom Bundesliga-Karussell runtergeschleudert werden.