Na gut, als Bundesliga-Probelauf taugte das kurzfristig anberaumte Testspiel zwischen dem 1. FC Union und Liga-Konkurrent VfL Wolfsburg im österreichischen Anif dann doch nicht so richtig – und das vor allem wegen der Rahmenbedingungen. Beide Mannschaften hatten sich beim 1:1 auf dem entzückenden Dorfplatz, hinter dem gelegentlich ein Trecker-Fahrer bei zu beobachten war, der seinen sonnabendlichen Pflichten bei der Feldarbeit nachging, auf ein zweistündiges Spiel, aufgeteilt in vier Viertel zu jeweils 30 Minuten, verständigt. Dafür waren die Eisernen aus Berlin extra mit einer gecharterten Propellermaschine angereist. XXL-Spielzeit, Propellermaschinen und Traktoren − wohl nichts davon wird sich in der Premierensaison der Köpenicker in der Bundesliga noch einmal wiederholen. Die 120 Spielminuten hingegen, die waren durchaus ein verwertbarer Vorgriff auf die 34 Erstligaspiele, die dem 1. FC Union in den kommenden Monaten bevorstehen.

Führungstor mit dem Bauch

Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer zeigte nach einer schweißtreibenden Trainingswoche an der Alten Försterei bei teilweise deutlich über 30 Grad Celsius und der langen Anreise ins Salzburger Land gegen den Europa-League-Teilnehmer dabei eine wirklich überzeugende Leistung, erspielte sich mitunter sogar leichte Feldvorteile, wenngleich der Ausgleichstreffer der Wolfsburger durch João Victor in der 78. Spielminute durchaus verdient war. Der Lohn für die Profis des 1. FC Union, die am siebten Spieltag beim VfL Wolfsburg zu Gast sein werden, war ein trainingsfreier Sonntag.

„Ansatzweise haben mir Dinge gut gefallen. Es gab aber auch Phasen, in denen es weniger gut und zu wild war. Wo wir uns fast selbst in Schwierigkeiten gebracht haben“, erklärte der Fußballlehrer aus der Schweiz. Und: „Das sind aber genau die Aufschlüsse, die man benötigt und die man den Jungs auch mal zeigen kann. Von daher bin ich wirklich sehr zufrieden.“

Bereits nach zwei Minuten war seinem Team die Führung gelungen. Als Kapitän Christopher Trimmel eine Freistoßflanke von rechts in den Strafraum brachte, nutzte Stürmer Sebastian Andersson die Konfusion in der Wolfsburger Hintermannschaft um den ehemaligen Herthaner John-Anthony Brooks und bugsierte den Ball mit dem Bauch ins Tor. Von da an dauerte es jedoch handgestoppte 99 Minuten, ehe nach einer tollen Hereingabe von Sheraldo Becker, die sowohl Grischa Prömel als auch Anthony Ujah verpassten, noch einmal etwas Torgefahr von Union ausging.

Dass es der Union-Offensive noch an Durchschlagskraft und dem nötigen Esprit fehlt, war offensichtlich. Allerdings deuteten im Besonderen die Sommerzugänge Robert Andrich und Sheraldo Becker gleich in mehreren Situationen ihre Klasse an. Andrich, vom 1. FC Heidenheim zu Union gewechselt, interpretierte eine Stunde lang seine Rolle als zentraler Mittelfeldspieler beinahe so offensiv wie ein Spielmacher, fungierte bei gegnerischem Ballbesitz aufgrund seiner Zweikampfstärke aber gleichsam als erster Druckmacher, womit der Wolfsburger Maschinenraum mehr als einmal sichtlich überfordert war. Allein Kredit aus dem Andrichs Einsatz konnten seine Mitspieler nicht schlagen.

Subotic debütiert im Union-Dress

Der Niederländer Becker, der von ADO Den Haag nach Köpenick gewechselt war, beeindruckte seinerseits mit seiner überragenden Dynamik. Weil der 24-Jährige darüber hinaus nicht gerade ein Hänfling ist, fiel es Gegenspieler Kevin Mbabu sichtlich schwer, sich auf die geballte Power des Flügelstürmers einzustellen. In Kombination mit einem fitten Suleiman Abdullahi, dem gegen Wolfsburg noch die fehlende Spielpraxis anzumerken war, und dem wuchtigen Ujah hat Union im Konterspiel eine echte Waffe.

Mit Freude dürfte Coach Fischer, der insgesamt 23 Akteure einsetzte, überdies das Debüt von Neven Subotic im Trikot der Eisernen zur Kenntnis genommen haben. Der 30 Jahre alte Innenverteidiger kam nach überstandener Knieverletzung im ersten Viertel an der Seite von Nicolai Rapp zum Einsatz, wurde dann im Sinne eines nachhaltigen Trainingsaufbaus aus dem Spiel genommen. „Ich freue mich, dass ich gespielt habe. Es geht mir gut“, sagte Subotic, der schon am kommenden Sonnabend beim letzten Testspiel der Saisonvorbereitung gegen den spanischen Erstligisten Celta Vigo im Stadion An der Alten Försterei (Antoß: 15.30 Uhr) noch mehr Einsatzzeit bekommen soll.