Der 30. Juni ist nicht nur der Tag, an dem man von der ersten Jahreshälfte in die zweite rutscht, sondern auch der Tag, an dem eine Fußball-Saison endet – zumindest offiziell. Der 1. FC Union Berlin plant nicht nur fleißig für die kommende Spielzeit, er bereitet sich seit gestern auch aktiv darauf vor. Das erste Training war der Abschluss eines straffen Auftaktprogramms, das mit der Vorstellung von Trainer Jens Keller am Freitag begann und mit der Präsentation der neuen Trikots am Sonnabend bei einer Spreefahrt auf dem stilechten Union-Schiff „Viktoria“ fortgesetzt wurde.

Am Sonntag bekam Jens Keller dann die Möglichkeit, zum ersten Mal mit seiner neuen Mannschaft zu arbeiten. Natürlich werde es wie so üblich kein Vollgas-Training zum Auftakt geben, sagte der gebürtige Stuttgarter. „Doch es wird definitiv keine Kirmesveranstaltung.“ Dafür bekam er von den etwa 3300 Zuschauern im Stadion an der Alten Försterei stehende Ovationen zur Begrüßung. Den großen Applaus hatte es zuvor bereits für Mittelfeldspieler Felix Kroos gegeben, der nun auch über das offizielle Saisonende hinaus Unioner bleiben wird. Applaus gab es auch für Michael Parensen, den letzten verbliebenen Aufstiegshelden, dessen Qualitäten Jens Keller zu einer Verlängerung seines eigentlich auslaufenden Vertrags nötigten. Und es gab ihn selbstredend für Benjamin Köhler, der nach überstandener Krebserkrankung wieder voll angreifen möchte.

Schreck zum Auftakt

Am Ende waren es 27 Spieler, die sich erst dem eisernen Anhang bei diesem Auftakt präsentierten und sich auf dem Grün der Alten Försterei warm machten, um am Ende nach einigen Übungseinheiten ein Trainingsspielchen unter den Blicken von Keller durchzuführen. Der musste dann allerdings auch mitansehen, wie der plötzlich am Boden liegende Benjamin Kessel am Knie behandelt werden musste, nachdem er zuvor im Rasen hängen geblieben war.

Als der erste Schreck überwunden war, beobachte Keller die restlichen 26 beim lockeren Kick auf zwei Tore. Immer wieder verschränkte er dabei die Arme und beriet sich mit seinem neuen Assistenztrainer Hendrik Petersen über Spielzüge und Einzelaktionen.

Ein besonderes Auge werden sie dabei auch auf den 21-jährigen Kristian Pedersen geworfen haben, an dem auch Borussia Mönchengladbach großes Interesse zeigte. Der schaute anfangs noch etwas schüchtern drein, als er von den rot-weißen Anhängern mit Fußball-Gott-Rufen begrüßt wurde. „Eingeschüchtert hat mich das nicht“, sagte er im Nachgang. „Es war einfach eine überwältigende Atmosphäre.“ Der dänische U 21-Nationalspieler ist auf der linken Abwehrseite zu Hause. Bei seinem vorherigen Klub, dem dänischen Zweitligisten HB Köge − bei dem auch Hendrik Petersen zuvor arbeitete − erzielte der Ein-Meter-Neunzig-Mann zwei Tore in 33 Spielen.

Pedersen ist erst der zweite Zugang für die linke Abwehrseite nach dem Berliner Christopher Lenz, der von der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach zu den Eisernen stieß. „Was ich hier will, ist, mich zu verbessern und meine Chance ergreifen, wenn ich sie bekomme“, sagte er. „Darüber hinaus will ich mit dem Team in der Tabelle soweit wie möglich nach oben kommen.“ Vertrag hat Pedersen übrigens bis 2019. Gültig ist er für die Zweite und die Erste Liga.