Das Geheimnis ist gelüftet. Zum Glück hat zum Schluss wenigstens noch der 1. FC Union selbst den Überblick behalten über die endlosen Listen von Trainer-Namen, die kursierten. Wer hatte nicht angeblich schon alles die Nachfolge von Andre Hofschneider antreten sollen?

Der Schweizer Urs Fischer wird’s. Urs wer? Knapp 900 Kilometer weiter südlich wäre die Frage ein Frevel. In der Schweiz ist Fischer ein ruhmreicher Mann. In zwei Jahren hatte er als Trainer des FC Basel zuletzt zwei Meistertitel und einen Cupsieg feiern dürfen und Erfahrungen in der Champions League gesammelt. Dann wurde ihm zum Verhängnis, dass er den Ansprüchen des führenden Schweizer Klubs nicht mehr genügte: falsche DNA, international zu harmlos.

Urs Fischer gilt als erfahrener Lehrer

Fischer, 52, bekommt bei den Eisernen einen Zweijahresvertrag bis Sommer 2020. Er ist erst der neunte Schweizer Coach, der in die Bundesliga wechselt. „Urs Fischer ist ein gestandener Fußball-Lehrer, der über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz auf höchstem Niveau verfügt“, schwärmte Unions neuer Manager Oliver Ruhnert, „seine Fußball-Philosophie, seine Vorstellungen von der täglichen Arbeit mit der Mannschaft und sein authentisches Auftreten in den Gesprächen haben uns überzeugt, mit ihm den passenden Trainer gefunden zu haben.“

Fischer, früherer Nationalspieler, 545 Spiele in der Schweizer Eliteklasse, soviele wie kein anderer, stammt ursprünglich vom FC Zürich. Und in Basel wollten sie auf Basler Legenden setzen. Also übernahm der frühere Nachwuchstrainer Raphael Wicky – und vergeigte erstmals seit Jahren die die Meisterschaft. Die Young Boys Bern lösten Serienmeister Basel ab, der acht Spielzeiten in Serie den Schweizer Titel gewonnen hatte.
Beim 1. FC Union haben sie eine gute Wahl getroffen. „Schweizer Trainer haben im deutschen Fußball bereits einige Spuren hinterlassen und ich werde alles dafür tun, um diesen eine weitere Erfolgsspur hinzuzufügen“, sagte Fischer bei seiner Vorstellung.

Fischer gilt als Querdenker, aber nicht als Lautsprecher. Er ist es gewohnt, zum Amtsantritt kritisch hinterfragt zu werden. Auch im Umfeld des 1. FC Union werden sie gespannt beobachten, ob ein Mann ohne Erfahrungen in Deutschland in der Lage sein kann den Neuaufbau der Mannschaft in der für ihn unbekannten Zweiten Liga erfolgversprechend voranzutreiben. Als Fischer einst vom kleinen FC Thun nach Basel wechselte, hat das Fachorgan für Volkes Stimmung in der Schweiz, das Boulevardblatt Blick skeptisch gefragt: „Ist Urs Fischer der Aufgabe in Basel gewachsen?“ Die Furcht war: „Der FCB ist zu groß für ihn.“ Nach seinem Abschied in Basel hingegen dämmerte dem Fachportal „sportalnow.com“, Fischer sei „der vielleicht meistunterschätzte Trainer der Schweiz“.  

Auch auf dem Platz steht Union übrigens vor einem größeren personellen Umbruch. Torjäger Steven Skrzybski wechselt zum FC Schalke 04, die auslaufenden Verträge von Dennis Daube, Stephan Fürstner, Toni Leistner und Torhüter Daniel Mesenhöler werden nicht verlängert. Bislang hat Union keine Neuverpflichtungen von anderen Vereinen vermeldet - damit dürfte nun nach der geklärten Trainerfrage aber zu rechnen sein.