1. FC Union: Verdienter Sieg gegen Arminia Bielefeld

Wenn es gut läuft beim 1. FC Union, kann der Verein so viel mehr sein als nur ein Fußballklub. Nicht nur vor Weihnachten, wenn er sein Stadion den Fans zur Gesangsstunde überlässt oder während der WM, wenn in der Alten Försterei Sofas aufgestellt werden dürfen. Dass sich der Ruf der Eisernen als Köpenicker Sozialzentrum bis nach Wiesbaden herumgesprochen hat, führte Lena vor.

Sie ließ in der Halbzeitdurchsage  des Sonntagsspiels gegen Arminia Bielefeld einen Michael aus Köpenick suchen. Das Paar schien eine leicht komplizierte Vorgeschichte gehabt zu haben mit mindestens einseitiger Inbesitznahme. Jedenfalls hatte Lena sich offensichtlich eines Besseren besonnen und brauchte Unions Partnervermittlung auch „für Hilfe beim Romane schreiben“.

Manchmal erwächst der Eindruck, die Spielpausen sind zu kurz für die Größe eines Stadtteils wie Köpenick, zu viele Geburten, Geburtstage, Todesfälle oder einsame Herzen. Dann wiederum kam Unions Elf viel früher auf den Rasen zurück als die Gäste aus Bielefeld, was ja eher verheißt, dass die Unterbrechung zu lang war. Ein gutes Zeichen, wenn der Trainer nicht so viel zu sagen hat, wie ihm die Zeit gestattet. Tatsächlich läuft es gerade sehr gut bei Union. Durch den verdienten 3:1-Erfolg gegen den Abstiegskandidaten vor 20.258 Zuschauern nutzten die Eisernen erfolgreich das Braunschweiger Schwächeln und  sind nun als Tabellenvierter nur noch einen Punkt von den Aufstiegsplätzen entfernt.

„Ich bin sehr zufrieden“, sagte Trainer Jens Keller, „die Ausgangssituation war für die Mannschaft nicht ganz einfach, wir konnten bis auf einen Punkt an Braunschweig heranrücken, jeder hat vom Pokalspiel gesprochen, das Bielefeld in den Knochen steckt. Alle haben gesagt, wir hätten die Punkte schon vorher sicher. Aber wir haben von der ersten Minute ganz klar gezeigt, dass wir das Spiel gewinnen wollen. Wir haben läuferisch alles gegeben, enorm viel Sprints und Schnelligkeit reingebracht.“

Die Eisernen legten los, als wollten sie den Aufstieg schon am 20. Spieltag perfekt machen. Erleichternd kam die Abwehrlähmung der Bielefelder hinzu, als seien die nach ihrem mühevollen Pokalsieg gegen den Viertligisten Walldorf zum stimmungsvollen Auslaufen in die Alte Försterei gereist. Der ehemalige Unioner Sören Brandy war erst gar nicht zu sehen, er setzte  seine Dauerrekonvaleszenz nun einfach in einem anderen Trikot fort. Muskelbeschwerden hinderten ihn.

Pogatetz überrascht

Dirigiert vom allgegenwärtigen Felix Kroos, der sich neben offensiven Geistesblitzen auch defensive Rackerei gönnte, hätte Union schon nach zehn Minuten hoch führen können: Steven Skrzybski verpasste knapp (2.), Kristian Pedersen schoss ungenau (3.), Roberto Puncec  (4.) und Damir Kreilach auch (10.). Ecken, Freistöße, Kopfbälle, Schüsse, zwei Mal fiel Sebastian Polter im Strafraum zu Boden – doch letztlich blieb nur der Geniestreich von Kroos, der einen Freistoß von halblinks aus etwa 20 Metern im Tor versenkte (22.).

Das sich nach dem fehlenden Glück einschleichende Pech hatte nur gut zwei Minuten, um sich auszuleben: Der Bielefelder Stürmer Fabian Klos nutzte ein Durcheinander in der Unioner Hintermannschaft, um einen Abpraller zum 1:1 einzuschieben. Nach den halbzeitlichen Stadtteilpersonalien setzte Union sein Rendezvous mit den Bielefeldern mit der Anfangsromantik fort: lieber stürmisch als zärtlich. „Das ist zweite Liga“, sagte Kroos, „da ist jedes Spiel Arbeit.“

Hinten standen Puncec und für den gelbgesperrten Toni Leistner  Emanuel Pogatetz („Ich habe jede Minute genossen“) so genussvoll solide, dass der Österreicher sein Vertragsende nun lieber verschöbe („Ich würde gern noch was dranhängen“) und sein Trainer Keller ganz angetan war von so viel Sicherheit: „Er hat gefühlt ein Jahr nicht gespielt, kommt rein, stabilisiert die Abwehr und hat ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht.“ Vorne nutzten Damir Kreilach per Kopf (63.) und Sebastian Polter per Fußspitze (83.) die Bielefelder Einladungen zu Toren. So dass am Ende nur eine Frage blieb: Hat Lena ihren Michael später getroffen oder konnte er nach so vielen Gründen zum Feiern nicht mehr?