FC Union unterlag Bayer Leverkusen mit 1:3.
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LeverkusenErfüllt von den Emotionen eines ziemlich ärgerlichen Abends tauchte Rafal Gikiewicz nach dem Pokal-Aus mit Union Berlin bei Bayer Leverkusen in den Gängen der BayArena auf und ließ seinen Gefühlen freien Lauf. „Tore wie im Kindergarten“ habe seine Mannschaft bei der 1:3-Niederlage am Rhein zugelassen, schimpfte der Torhüter, „ein Skandal“ sei diese Niederlage. Besonders den zweiten Gegentreffer könne er „nicht akzeptieren“. Der Mann kochte. Schließlich hat ein Verein wie Union Berlin nicht sehr oft die Chance, in ein DFB-Pokal-Halbfinale einzuziehen. Lange Zeit hatte der Außenseiter in Leverkusen geführt, „Leverkusen macht gar nichts“, sagte Gikiewicz. Doch nach 72 Minuten flog Christopher Lenz nach einem unnötigen Foul am gegnerischen Strafraum mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz. Und ebnete dem Favoriten den Weg zum Sieg.

Zuvor schien Bayer Leverkusen wieder einmal dem Ruf gerecht zu werden, eine besonders günstige Gelegenheit für einen schönen Erfolg leichtfertig zu verschenken. „Wir haben langsam gespielt, nicht gut gespielt“, sagte Trainer Peter Bosz, nachdem sein Team völlig verdient in Rückstand geraten war. Daley Sinkgraven hatte einen Fehlpass in der eigenen Hälfte gespielt und sich anschließend in einem Laufduell mit Marius Bülter abschütteln lassen. Die Flanke des Angreifers von der rechten Seite landete präzise auf dem Kopf von Marcus Ingvartsen, der zur Führung für die Berliner traf (39.).

Medizinischer Notfall im Stadion

Es war ein Tor in einem schweigenden Stadion. Für 25 Minuten war es ganz still gewesen, weil ein Zuschauer auf der Tribüne ärztliche Hilfe brauchte. Offenbar war die Situation so ernst, dass ein Abtransport des Menschen erst mal nicht möglich war. So wurde auf Gesänge und Anfeuerungen verzichtet, die Kommandos der Spieler und Trainer waren bis hinauf auf die Tribünen zu hören. Die Spieler erzählten später dass sie keine Ahnung hatten, weshalb es so ruhig war. Besonders das Leverkusener Spiel wirkte wie gelähmt. Bosz bedankte sich später für die Empathie in beiden Fanlagern, erst kurz vor der Pause war der Notarzteinsatz beendet. Später am Abend wurde bekannt, dass der Zustand der behandelten Person sich stabilisiert hatte.

Aber dieser Vorfall taugt nicht als Erklärung für die Probleme der Werkself. „In der ersten Halbzeit haben wir kein Bayer gesehen, das Pokal gespielt hat“, sagte Bosz.  Auch nach der Pause blieben die Berliner zunächst beinahe ebenbürtig. Trainer Urs Fischer sprach von einer „tollen Leistung bis zur Gelb-Roten Karte“.

Erst in Unterzahl kippte die Partie. Bayer eroberte den Ball tief in der Berliner Hälfte, Kai Havertz spielte auf den eingewechselten Karim Bellarabi, der aus zwölf Metern in die lange Ecke schoss (72.). Nun brodelte das nur gut zur Hälfte gefüllte Stadion, und die Kräfte des Außenseiters schwanden. „Es wäre gut gewesen, hätten wir zumindest mit 1:1 in die Verlängerung gehen können“, sagte Fischer. Angesichts der Unterzahlsituation und des wachsenden Leverkusener Drucks hätten Union da aber womöglich nur weitere wertvolle Energie verloren.

Schon bei der spielentscheidenden Ecke hatte der 1. FC Union seltsam kraftlos agiert. Gleich mehrere Berliner Spieler waren in der Nähe, als der Ball von Kerem Demirbay auf dem Kopf des nur 1,71 Meter großen Charles Aranguiz landete, der das 2:1 köpfte (86.). Der dritte Treffer von Moussa Diaby in der Nachspielzeit spielte dann auch keine Rolle mehr. Union hatte dieses Spiel nach 72 Minuten verloren, als Lenz sich zu seinem folgenschweren Foul hinreißen ließ.