Als der 1. FC Union 1966 gegründet wurde, waren Spielerwechsel während einer Partie nicht zulässig. Wäre diese Regelung nicht nach und nach aufgeweicht worden, der Traditionsverein aus Ost-Berlin wäre jetzt vermutlich Spitzenreiter der Zweiten Liga und stände in der zweiten Pokal-Runde.

Üblicherweise dient der Spielertausch der Stärkung der Mannschaft auf dem Platz. Ersatzmänner von der Bank bringen frische Energie, neue Ideen, taktische Überraschungen und können eine verloren geglaubte Partie ins Positive wenden. Das Gegenteil ist derzeit bei Union der Fall. In allen vier Pflichtspielen führte das Team, als der Trainer zum ersten Mal wechselte. Jedes Mal traf danach der Gegner, und die Punkte gingen verloren.

Eines der Ziele im Sommer war es ja, den Kader aufzublähen. Zu erschreckend war die Situation Anfang März gewesen, als sich am Tag nach einem Spiel nur noch vier Ersatzmänner zum Training einfanden, weil der Rest verletzt oder in der Winterpause abgewandert war. Am Montag nach dem 2:2 gegen Kaiserslautern sammelte sich jetzt ein ganzes Dutzend plus zwei Torhüter auf dem Übungsplatz, während sich die Startelf regenerieren durfte. Man ist stolz darauf, dass der Kader nicht nur in der Spitze, sondern auch in der Breite Qualität zu bieten habe.

Doch gegen Kaiserslautern floppten Düwels Wechsel erneut. Die unglücklichste Rolle füllte dieses Mal Dennis Daube aus. Der Mittelfeldspieler kam (83. Minute), foulte (86.) und stand beim anschließenden Ausgleichstreffer (87.) Spalier. Dass der Freistoß im Raum verteidigt, und niemand in Manndeckung genommen wurde, war so abgesprochen. „Aber wir gehen nicht konsequent zum Ball, sondern warten und hoffen“, kritisierte Düwel tags darauf.

Sieben verlorene Punkte

Fast 20 Minuten analysierte der Coach für den Videokanal des Vereins das Spiel. Seine erneut misslungenen Wechsel kamen nicht zur Sprache, obwohl in den letzten zehn Minuten der drei Ligaspiele sieben von neun Punkten verloren wurden, die Union jeweils bis zur 80. Minute innehatte. Im Pokal hatten die Einwechselspieler ebenfalls keine Impulse geliefert.

Noch drastischer wird die Bilanz, wenn man auf die Erfolgsquote der Gegner schaut. Der eine neue Mann von Kaiserslautern holte den – von Michael Parensen verschuldeten und von Daniel Haas parierten – Elfmeter raus, der andere erzielte den Ausgleich. Zuvor gegen Düsseldorf, Sandhausen und Viktoria Köln wurden vier der sechs Gegentreffer nach Unions jeweiliger Führung von Einwechselspielern vorbereitet.

Von Düwels Ersatzdutzend drängt sich hingegen keiner auf. Ein Wechselverzicht und damit die freiwillige Zeitreise in das Gründungsjahr des Vereins, ist jedoch keine dauerhafte Lösung. Denn die Stammelf kann den Tempofußball, den der Trainer im Sinn hat, nicht über 90 Minuten durchhalten.