Für die Tage bis zum nächsten Spiel hat Uwe Neuhaus so etwas wie eine Wohlfühlwoche ausgerufen. Es gehe darum, gute Laune zu verbreiten, hatte der Trainer vor der Rückreise aus St. Pauli gesagt. Dort hatte es sein Team ein Mal mehr verpasst, ein „nah dran“ in ein „ganz vorne dabei“ zu verwandeln.

Die Laune steht dem Aufstiegstraum allerdings weniger im Weg als es individuelle Fehler tun. Und so bemüht man sich beim 1. FC Union momentan nicht nur um gute Stimmung, sondern auch um die Verbesserung des Kaders. Heißester Kandidat für die zweite Sommerverpflichtung nach Christopher Trimmel von Rapid Wien ist Michael Görlitz.

Gute Ausbildung, viel Erfahrung

Bestätigen wollte den wahrscheinlichen Transfer am Mittwoch niemand, doch passt der Mittelfeldspieler vom FSV Frankfurt in das Suchprofil von Neuhaus. Görlitz, bald 27 Jahre alt, wurde in seiner Jugend beim FC Bayern ausgebildet und spielte mehrere Jahre in der deutschen Nachwuchsnationalmannschaft. Neben der guten Ausbildung bringt der Rechtsfuß eine zweite Sache mit, auf die Neuhaus wert legt: Erfahrung. Neuhaus möchte nicht zwei Jahre warten, bis ein Spieler Leistung zeigt.

Seine Profikarriere begann Görlitz beim schwedischen Erstligisten Halmstads BK, bevor er nach vier Spielzeiten, in denen er zwei Mal zum besten Spieler des Vereins gewählt wurde, nach Deutschland zurückkehrte und bislang 71 Zweitligaspiele für den FSV Frankfurt absolvierte. Das Dritte, was ins Union-Schema passt: Görlitz ist im Sommer ablösefrei zu haben.

Zwar boten die Frankfurter an, den auslaufenden Vertrag zu verlängern, doch Görlitz teilte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung jüngst mit, dass er die „ernsthafte Überlegung“ hege, „zu einem anderen Verein zu gehen“. Die Gespräche mit Union scheinen auf nahrhaftem Boden geführt zu werden. Das Interesse daran, die rechte Seite zu stärken und einen Gegenpol zum linkslastigen Torsten Mattuschka zu schaffen, ist groß.

In Görlitz hätte Neuhaus einen weiteren Spieler im Team, der in der Jugend als vielversprechendes Talent galt, dann aber den Sprung nach ganz oben nicht schaffte. Unter dieser Voraussetzung hat der Coach bereits Baris Özbek und Björn Kopplin verpflichten lassen. An Selbstbewusstsein fehlt es Görlitz jedenfalls nicht. 2009 erzählte er, dass er eines Tages international spielen wolle, am liebsten die Champions League gewänne und in der A-Nationalmannschaft aufliefe. Seitdem hat er sich zwar nicht zu dem erträumten Überflieger entwickelt, gab in den zwei Jahren in Frankfurt aber immerhin neun Vorlagen und erzielte elf Tore. Eines ist aber auch Görlitz nicht: ein echter Stürmer. Den jedoch bräuchte Union, denn am besten ist die Laune im Moment des Erfolgs.