1. FC Union: Warum Philipp Hosiner so fit wie nie ist

Bad Kleinkirchheim - Nach dem Testspiel beim Wolfsberger AC bekam Philipp Hosiner Besuch aus dem Burgenland. Seine Mutter war angereist, um dem 28-jährigen Sohn frisches Gemüse vorbeizubringen. Natürlich bleibt sowas in einer Fußballmannschaft nicht ohne Folgen.

Wann die Mutti mal wieder mit was zum Essen für den armen Jungen vorbeikomme, wollen die feixenden Kollegen Toni Leistner und Sebastian Polter vom Nachbartisch wissen. Und zu allem Überfluss trägt Hosiner auf dem Fußball ja auch noch diese hautengen Leggins, egal wie groß die Sommerhitze ist. „Es kommen manchmal ein paar Sprüche, aber da muss man drüberstehen“, sagt Hosiner. Auch über die Mutti-Scherze schmunzelt er hinweg.

Die Rollen beim 1. FC Union in der Abteilung Sturm sind klar verteilt. Zum einen ist da Sebastian Polter. Der teuerste Vereinseinkauf und gefeierte Fanliebling hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und für alles einen Kommentar parat. Hat der Athletik-Coach ein kraftraubendes Zirkeltraining aufgebaut, ist es Polter, der Musik fordert und dann die Hüften  zu den Technobeats schwingt.

„Ich will nichts mehr dem Zufall überlassen“

Er lobt Kapitän Felix Kroos für einen gelungenen Pass und  neckt die drei Nachwuchsspieler, die ihn beim Fußballtennis herausfordern – und besiegen. Da grölt dann der gesamte Kader. Die Stimmung ist gut.

Zum anderen ist da Philipp Hosiner, der in seinem ersten Jahr bei Union nie über die Ersatzrolle im Angriff hinauskam. An Collin Quaner in der Hinrunde und  Heimkehrer Polter in der Rückrunde war kein Vorbeikommen. „Ich will nichts mehr dem Zufall überlassen“, kündigt der Österreicher nun für die neue Saison an. Und es hat ganz den Anschein, als ob er mit dieser Haltung derzeit in der Gunst des Trainerteams etwas vorne liegt.

Placebo oder echte Hilfe

Gegen Wolfsberg gehörte er der aus vielen Stammkräften gebildeten Formation an, die eine Stunde spielte. Er erzielte den ersten Union-Treffer, und im Training lobt Jens Keller die Balleroberungen des Stürmers. „Ich denke, dass es auch dem Trainer nicht verborgen geblieben ist, dass ich zur Zeit gut drauf bin“, sagt Hosiner. „Ich versuche den Level noch zu verbessern.“

Hinter der guten Form steckt eine akribische Suche nach jeder noch so kleinen Verbesserungsmöglichkeit. Von Collin Quaner übernahm er die penible  Ernährung. Zwischen den Trainingseinheiten an der Alten Försterei kocht er selbst, anstatt das vom Verein angebotene Essen zu verzehren, und teilt sich die einzige vorhandene Pfanne mit Kenny Prince Redondo.

Im Trainingslager in Bad Kleinkirchheim marschiert er stets mit einer weißen Papiertüte in den Speisesaal. Darin: natriumarmes Salz und Gewürze, die die Nährstoffaufnahme verbessern sollen.

Am Dienstag findet das Abschlussspiel statt

Steven Skrzybski begeisterte ihn für Yoga, und der Geheimtrick sind die Kompressionshosen, von denen er einen ganzen Satz besitzt. Je nach Art fördern sie die Durchblutung und Aktivierung der Muskeln, beschleunigen die Regeneration und schützen vor Verletzungen.

Ob Placeboeffekt oder echte Hilfe, die Auswirkungen der verschiedenen Optimierungsmaßnahmen spürt Hosiner deutlich. „Ich fühle mich extrem wohl, habe mehr Kraft und bin konzentrierter“, sagt er. „Ich habe sogar Spaß bei den harten Einheiten. Das war früher aufgrund meiner körperlichen Verfassung definitiv nicht so. Da habe ich mich eigentlich von Training zu Training geschleppt. Jetzt macht es mir Spaß, meinen Körper an die Grenze zu bringen.“ Die verbesserte Fitness macht ihn zum idealen Anläufer in Kellers  Pressing-Systems.

Polter ist anders, die Beschleunigung dauert länger. Kommt er aber in Fahrt, ist er kaum aufzuhalten. Zudem ist er als Abnehmer von hohen Bällen gefragt. Am Dienstag beim Trainingslagerabschlussspiel gegen den englischen Zweitligisten Birmingham City wird er sich über eine Stunde beweisen dürfen.

Hoffnungen liegen auf den Neuzugängen

Dass auch er aufopferungsvolles Pressing betreiben kann, hat er in der vergangenen Saison gezeigt. Momentan aber wirkt Hosiner agiler und vor dem Tor zielsicherer. „Der Konkurrenzkampf ist in dieser Saison noch größer als letztes Jahr“, sagt er.

Das liegt an den Kreativ-Zugängen Akaki Gogia und Marcel Hartel, aber auch an seinem eigenen Leistungssprung. „Ich hoffe, dass uns das als Mannschaft zugutekommt.“ Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch.