Die Spieler hoben kurz die Arme und versuchten sich an einem Kreistanz. Platz acht ist es nun also geworden für den 1. FC Union, weil sich Gegner Dynamo Dresden nach einem Lattentreffer und weiteren guten Möglichkeiten in Hälfte eins im zweiten Abschnitt aufgrund der Zwischenstände in den anderen Stadien nicht mehr in Abstiegsgefahr wähnte und die Sache ruhiger angehen ließ.

Das nutzte der eingewechselte Philipp Hosiner nach Vorarbeit des ebenfalls nach einer Stunde ins Spiel gekommenen Kristian Pedersen zum 1:0-Siegtreffer. Der Stürmer bescherte seinem Trainer André Hofschneider eine ordentliche Schlusssequenz mit zehn Punkten in den finalen fünf Partien. Ein Abschluss, der versöhnlich und trügerisch zugleich ist.

Jedes Ende ist ja auch ein Anfang

Die letzte Startelf der Saison sah aus, als habe die Transferabteilung des 1. FC Union viel richtig gemacht. Fünf Spieler, die vor einem Jahr noch nicht zum Verein gehörten, liefen von Beginn an auf. Nur den überragenden Unioner der Saison hatte Hofschneider in Berlin gelassen: Christoph Schösswendter. Der Innenverteidiger hat den besten Erfolgsertrag aller eisernen Fußballer. Zwei von drei Spielen mit ihm wurden gewonnen.

Wobei das Bild mit der zum Saisonende gebotenen Ernsthaftigkeit zurechtgerückt werden muss. Jedes Ende ist ja auch ein Anfang, deshalb müssen ein paar Lehren aus dem Vergangenen gezogen werden. Vor allem im Bereich Transfers. Ernüchternd ist etwa der Fall von Atsuto Uchida. Der Japaner kam, spielte 105 Minuten und ging wieder. Dass fünf von neun Zugängen gegen Dynamo zur Startelf gehörten, lag daran, dass Steven Skrzybski sich zu den schon länger verletzten Felix Kroos und Sebastian Polter gesellt hat. Zudem war auch Dennis Daube unpässlich.

Gespür für Ball abhandengekommen

Also ließ Hofschneider in der Offensive diejenigen ran, die nicht im Verdacht stehen, Union im Sommer zu verlassen. Marcel Hartel tauchte erstmals seit Februar wieder in der Anfangsformation auf, auch Peter Kurzweg (für den unter Wechselverdacht stehenden Pedersen), Winternachverpflichtung Marvin Friedrich (hat seit längerem den unter Heimkehrerverdacht stehenden Sommerzugang Marc Torrejon verdrängt) sowie Grischa Prömel und Akaki Gogia durften sich zeigen.

Gogias Wirken in diesem abschließenden Spiel muss Sportchef Lutz Munack und Kaderplaner Helmut Schulte wehgetan haben. Er war ihr Transferjuwel gewesen, 1,1 Millionen Euro teuer, geschliffen in Dresden, wo ihm für Dynamo fast alles gelang, was er probierte. Gogia sollte das Spiel von Union auf eine neue Ebene heben. Erwartet wurden zwingende Dribblings, öffnende Pässe – und Tore.

Zehn hatte er in der Vorsaison erzielt. Jetzt waren es nur zwei, dazu lieferte er fünf Vorlagen. Wie sehr ihm das Gespür für Ball und Torraum abhandengekommen ist, offenbarte sich in der neunten Minute, als er einen sich anbahnende Großchance nach Steilpass von Prömel mit einer ungenauen Rückgabe zu Kenny Prince Redondo vernichtete.

Zu viele Fehleinschätzungen

Und Hartel? Der dribbelte sich beständig in sechs Gegnerbeine. Sein Spielwitz, der ihn unter Jens Keller in die U21-Nationalmannschaft aufsteigen ließ, ist noch vorhanden, die Selbstsicherheit unter Hofschneider aber verschwunden. Der neue Coach hatte im Winter mehr Torgefahr von Hartel gefordert. Zu den zwei Treffern und drei Assists kam dann nichts mehr dazu. Passenderweise hatte gegen Dresden ein Abwehrspieler die vor Hosiners Treffer beste Gelegenheit für Union: Toni Leistner per Kopf nach einem Eckball.

Dass der Aufstieg nach dem Trainerwechsel im Dezember schnell außer Reichweite rückte, ist das eine, was sich Munack vorzuhalten hat. Das andere ist, dass auch das Ziel, das Spiel mit mehr Ballbesitz zu würzen, ebenfalls gescheitert ist. Auch weil die Zugänge nicht das einbrachten, wofür sie verpflichtet worden waren.

Beim Beispiel Schösswendter ist übrigens einzuwenden, dass es wirklich genau zwei von drei Partien waren. Zu mehr Einsätzen hat es für den Verteidiger nicht gereicht. Dass er wie von Kaderplaner Helmut Schulte gemutmaßt „in der Defensive für zusätzliche Stabilität sorgen wird“, stellte sich als Trugschluss heraus. Wie so vieles, was vor der Saison gesagt wurde.