Dass Fußball ein einfaches Spiel sei, ist eine der Thesen, denen Unions Cheftrainer Urs Fischer vehement widersprechen würde. Für den 52-Jährigen ist es ein sehr komplexer Sport, bei dem es zahlreiche Variablen gibt und in dem viele Dinge miteinander harmonieren müssen, um zum Erfolg zu kommen. Folglich steht er  allen Hilfsmitteln aufgeschlossen gegenüber, die ihm das Arbeiten erleichtern. Den Videobeweis etwa würde er gerne schon jetzt in Liga zwei eingesetzt wissen. „Wie viele falsche Entscheidungen wurden damit denn korrigiert? Es ist gut, dass es ihn gibt. Man muss nur genauer definieren, wo er greifen soll“, sagte der Schweizer.   

Am Sonntag gegen Fürth war es aber eher eine andere technische Neuerung, die dazu beitrug, den 4:0-Sieg am Ende sicher nach Hause zu fahren. Denn die Höhe des Erfolges täuscht ein wenig über die Art und Weise hinweg, wie er zustande kam. Beim Treffer 1:0 waren die Franken noch durch die stark blutende Platzwunde ihres Verteidigers Maximilian Wittek geschockt und standen nach der Auswechslung einen Moment unsortiert. Was Jushua Mees nach gefühlvollem Zuspiel von Marcel Hartel bestrafte (4. Minute).

Hoffmann hält Kontakt

Wenig später war Union kurz in der Überzahl, und Mees nutze die zweite sich ihm bietenden Gelegenheit (10.).  Doch: „Danach meinen wir, dass wir hier 6:0 in die Halbzeit gehen müssen, oder jeder glaubt, er müsse ein Tor machen, und wir vernachlässigen dann die Defensive“, sagte Robert Zulj.

Es war eines jener von Fischer geschätzten Hilfsmittel, das für Abhilfe sorgte. Es war der Funkkontakt, den Unions Videoanalyst Adrian Wittman mit Aisstenztrainer Markus Hoffmann während des Spiel ständig hält. „Unten vom Spielfeldrand aus sieht man manche Punkte aus unserer Optik nicht so genau. Darüber informiert uns Adrian während des Spiels, und wir können es dann an die Mannschaft weitergeben “, erläuterte Fischer. Ob die Abstände stimmen, die Spieler ihre Positionen richtig halten. „Das ist ein Hilfsmittel, das ich sehr begrüße. Im American Football, wie lange machen die das schon? Im Fußball sind wir da eher die Neandertaler“, meinte Fischer.

Ein altmodisches Mittel

Die neue Funkausrichtung führte dazu, dass Union Stück für Stück die Spielidee der Franken besser dechiffrieren konnte. Was auch nötig war, trotz des zwischenzeitlichen 3:0 durch Mittelstürmer Sebastian Polter (29.). „Die erste Halbzeit hat mir nicht so gut gefallen, da haben wir keinen Zugriff bekommen. Fürth war die bessere Mannschaft. Nach der Pause war das deutlich besser“, sagte Technikfan Fischer.

Allerdings muss dabei  noch angemerkt werden, dass ein altmodisches, schon immer zum Spiel gehöriges Element  den Ausschlag ab. Das vierte Union-Tor nämlich – wiederum von Sebastian Polter nach Vorarbeit von Suleiman Abdullahi (56.). Spätestens in diesem Moment wurde den Gästen klar, dass an diesem Tag nichts mehr zu holen sein würde in Köpenick. Folglich erlahmte ihr Elan etwas und Union konnte es lockerer angehen lassen.